Tourbusgeschichten mit Struwelpeter: Interview mit Fredrik Åkesson
OPETH starten spätestens seit ihrem fantastischen „Black Waterpark“ Album fast überall auf der Welt voll durch und sind auch 2008 mit einer schicken Konzert-DVD und ihrem neuen Hammer-Album „Watershed“ in aller Munde. Die Tour zur neuen CD brachte die Schweden auch ins winterlich kalte Berlin und das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen und uns mit dem wuschelköpfigen Gitarrist Fredrik Åkesson im warmem Tourbus getroffen um gemütlich ein Schwätzchen zu halten.
Hallo Fredrik! Wie geht’s dir, alles soweit klar?
Fredrik: Ja, klar, alles soweit prima. Wir stehen fast am Ende unserer Tour und es hat bisher viel Spaß gemacht.
Lass uns zunächst mal übers neue Album sprechen. Warum habt ihr den Titel „Watershed“ ausgewählt?
Fredrik: Oh, es war Mikael der mit der Idee ankam. Ein wichtiger Aspekt des Titels war, dass er Veränderung bedeutet, quasi der Neustart den wir gemacht haben mit den neuen Bandmitgliedern. Das ist ein Aspekt der Sache, es gibt sicherlich noch andere, aber da musst du ihn selber fragen.
Also bist du der „frische Wind“ in der Band?
Fredrik: (lacht) Vielleicht geht es nicht nur darum, aber das könnte auch sein.
Weißt du wer der seltsame Kerl auf der Rückseite des Albums ist?
Fredrik: Ja, sein Name ist „Jorge“. Wir wollten kein Standard-Bandfoto wie alle anderen Bands haben, sondern etwas Verrücktes und Ausgefallenes. Also haben wir Fotos vom jedem in der Band gemacht und dann hat Travis Smith, der unser Artwork macht, das Gesicht entworfen, indem er unsere Fotos kombiniert hat – es ist ein richtig hässliches Gesicht geworden, sieht aus wie ein Massenmörder! Ein Auge ist von Axe, eines von Mikael, die Nase ist von Mendez und mir, der Mund und das Kinn sind eine Mischung zwischen mir und Per. So sind alle auf dem Bild und glücklich.
Du bist 2007 ein Mitglied von OPETH geworden.
Fredrik: Ja, das war etwa im April oder Mai.
Hattest du denn dann bereits Gelegenheit dich am Songwriting für „Watershed“ zu beteiligen?
Fredrik: Ich bin der Band während des Songwriting Prozesses beigetreten, aber Mikael hat wie immer die meisten Lieder geschrieben. Aber während wir aufgenommen haben konnte ich mich beteiligen und eigene Einflüsse und Details beisteuern.
Würdest du also sagen, du hast dem Album deine persönliche Note gegeben?
Fredrik: Das ist schwierig das selbst zu beurteilen. Aber ich hoffe doch, das ich mich etwas einbringen konnte und Mikael hat mich dazu angesport, so gewissenhaft und genau zu spielen wie ich kann. Alle in der Band sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden, denn es stellt eine deutliche Weiterentwicklung im Vergleich zum letzten Album dar. Ich erinnere mich, dass ich losgegangen bin um mir das „Ghost Reveries“ Album zu kaufen, ich war ein großer Fan der Band noch bevor ich selbst ein Mitglied wurde, und habe mich gefragt wie sie dies und jenes auf dem großartigen Vorgänger noch toppen wollten. Und ich glaube auch, das ist uns tatsächlich gelungen, denn es klingt für mich nicht so als würden wir uns lediglich kopieren oder in irgendeiner Art wiederholen.
Du hast bereits zuvor in anderen Bands, unter anderen ARCH ENEMY und KRUX gespielt – ist es für dich irgendwie anders, nun ein Mitglied von OPETH zu sein?
Fredrik: Als ich noch bei ARCH ENEMY gespielt habe, haben wir in den Staaten die GiganTour mit MEGADETH gemacht und da bin ich mit den Jungs von OPETH recht oft rumgehangen. Ich kannte Mikael bereits ein bisschen, er hatte mich zuvor in einer Bar in Stockholm KING DIAMOND Coverversionen spielen hören und mochte es, wie ich spielte. Die Jahre zuvor hatten wir bereits öfter drüber gesprochen, mal ein bisschen gemeinsam zu jammen, und als dann Anfang letzten Jahres bekannt wurde, das Peter die Band verlassen würde, haben wir angefangen zusammen zu spielen. Ich habe ihm ein paar Picking-Techniken gezeigt und er hat mir einige OPETH-Riffs beigebracht – ich glaube er wollte damit herausfinden ob ich sie spielen konnte. Und als ich dann gebeten wurde, ARCH ENEMY zu verlassen weil Gitarrist Christopher Amott zurück zur Band kam, hat Mikael mich angerufen und gefragt ob ich bei OPETH einsteigen wollte und ich meinte: Ja, kann ich machen.
Wessen Idee waren die Rückwärtstexte in dem Song „Hessian Peel“?
Fredrik: Mikaels. Der Teil stammt von den Demoversionen, die wir bei ihm Zuhause aufgenommen haben und wir haben ihn so ins fertige Album übernommen. Ich glaube, er wollte etwas mit LED ZEPPELIN liebäugeln, und das ist seine Art ihnen und seinen anderen Helden der Zeit Tribut zu zollen.
Es geht das Gerücht, dass OPETH keine Festival-Band sind. Was sagst du dazu?
Fredrik: Es ist natürlich immer besser wenn es bei Auftritten dunkel ist und man eine gute Lightshow hat, gerade da wir viele atmosphärische Teile in unseren Liedern haben und das mit dem passenden Licht einfach auch besser rüberkommt. Aber wir haben schon viele Festivalgigs gespielt und wählen meistens aggressivere Lieder aus – das ist dann zwar ein bisschen einseitig, aber wir haben dann für unseren Auftritt auch nicht soviel Zeit.
Ich habe OPETH dieses Jahr sowohl in Wacken als auch bei Rock Im Park gesehen und es war einfach nicht dasselbe, wenn man es mit einem Clubgig vergleicht.
Fredrik: An den Auftritt bei Rock Im Park erinnere ich mich. Es war richtiges Scheißwetter mit Gewitter und Sturm und es waren vielleicht nur noch 3.000 Leute da, die durch den Matsch gesprungen sind und total verrückt gespielt haben. Das war großartig! Auf der Bühne stand das Wasser und mit den ganzen Stromanschlüssen war das schon ein wenig gefährlich, aber nach einer Weile sind wir in den „Battle Mode“ übergegangen und haben einfach weitergespielt – der Auftritt war definitiv ein Highlight unserer Tour! Wir haben auch einen Gig in Milan in Italien gespielt und da war es noch schlimmer. Als wir die letzten Takte gespielt haben hat es angefangen richtig kräftig zu hageln mit Hagelkörnern so groß wie Golfbälle, fast schon Tennisbälle (lacht). Wir habens grad noch in unsere Umkleide geschafft und die Hagelkörner haben wie verrückt aufs Dach getrommelt! Die Headliner IN FLAMES mussten danach absagen. Eigentlich hat es auf fast jedem Festival, auf dem wir gespielt haben, angefangen zu gewittern – das ist wahrer Heavy Metal!
Glaubst du da besteht eine besondere Verbindung?
Fredrik: Vielleicht. Wir haben die Gottheiten verärgert.
Gewusst wie!
Lass uns über die Tour sprechen. Du hast bereits erwähnt dass ihr euch dem Ende der Tour nähert – wie hat es dir bislang gefallen?
Fredrik: Ja, es war toll, fast jede Show auf der Tour war ausverkauft und wir hoffen das wir für die nächste Tour in manchen Ländern in größeren Hallen spielen können. Dann haben wir auch mehr Spielraum für unsere Show. Auf dieser Tour konnten wir nur ein einziges Mal in London unsere Leinwand aufbauen, die ist 10 m lang und etwa 5 m hoch und wir projizieren Bilder und Textzeilen daran.
Ah, ist das die, die man auch auf eurer aktuellen DVD sehen kann?
Fredrik: Nein, die Leinwand die wir jetzt haben ist sogar noch größer. Lasse Hoile, der einige unserer Videoclips gemacht hat, hat viel gefilmt und aufgenommen, also haben wir viel neues Material und kombinieren das mit Artwork von unseren Alben – sieht ziemlich cool aus und wir hoffen, das wir das auf unserer nächsten Europa-Tour zur „Watershed“ Platte dann auch zeigen können.
Die meisten Konzerte dieser Tour waren ausverkauft. Sieht also gut aus, dass ihr noch mal auf Tour kommen werdet.
Fredrik: Absolut, fast alle Gigs waren ausverkauft oder zumindest knapp davor. Wir haben so viele Lieder, aus denen wir auswählen können, daher wäre es überhaupt kein Problem eine komplett neue Setlist für eine weitere Tour aufzustellen, das wäre dann auch für das Publikum etwas ganz Neues. Heute Abend werden wir 2 Stücke von der neuen Platte spielen, „Lotus Eater“ und „Heir Apparent“, die zwei aggressivsten Lieder des Albums. Wir proben gerade eifrig „Hessian Peel“, das längste Stück, und das werden wir definitiv auf der nächsten Tour dann spielen.
Was ist das Schwerste für dich, wenn du auf Tour bist?
Fredrik: Man muss immer persönliche Opfer bringen, vor allem was deine Familie und deine Freunde betrifft. Man ist nie zuhause, das ist schwer für mich, obwohl ich das schon mein ganzes Leben lang mitmache. Manchmal kommt meine Frau und schaut sich ein paar Konzerte an. Mein Sohn ist jetzt 18 und ist eher der Sportlertyp, er kommt nur selten. Ich glaube er hat sich absichtlich etwas ganz anderes gesucht, was er machen möchte. Das ständige Herumreisen nervt auch, wobei ich es noch angenehmer finde, mit dem Bus zu fahren als zu fliegen und dann jede Nacht in einem anderen Hotel einzuchecken. Im Bus kannst du deine Portion Schlaf bekommen und das ist wichtig wenn du eine gute Show machen willst. Wenn ich nicht genug schlafe, funktioniert mein Gehirn nicht mehr richtig und dann kann ich nicht gut spielen.
Wie vertreibst du dir die Zeit wenn ihr unterwegs seid? Schaust du dir die Städte an, in denen ihr spielt?
Fredrik: Das kommt immer ganz darauf an, wo wir in der Stadt jeweils spielen. Normalerweise aber mache ich gern einen Spaziergang in jeder Stadt, in der wir sind, um ein bisschen die Atmosphäre aufzuschnappen. Das inspiriert mich dann auch für das Konzert später am Abend. Normalerweise sind wir zusammen unterwegs und kaufen uns Platten und solchen Kram, aber wenn der Club zu weit draußen ist, dann sitze ich die meiste Zeit herum und spiele Gitarre.
Hast du neben OPETH noch die Zeit für andere Bands oder Projekte?
Fredrik: Ich spiele noch bei KRUX, aber das ist eher ein Nebenprojekt geworden, weil Leif Edling so sehr mit CANDLEMASS beschäftigt ist, aber wir wollen Ende nächsten Jahres ein neues Album aufnehmen. Wir sind keine schwer arbeitende Band! (lacht) Aber wir werden im kommenden Januar zwei Gigs in Schweden spielen. Es ist was ganz anderes und macht mir Spaß, aber OPETH ist natürlich meine erste Priorität!
Welche Musikstile gefallen dir persönlich?
Fredrik: Ich höre eigentlich querbeet die verschiedensten Metalstile und auch ganz andere Sachen. Aber ich bin mit dem ganzen klassischen NWOBHM-Kram aufgewachsen, Sachen wie BLACK SABBATH, DEEP PURPLE, DIO, RAINBOW und dergleichen, aber auch Death Metal Bands wie MORBID ANGEL. Und natürlich war ich immer ein großer OPETH-Fan! Ich höre aber auch gerne Klassik oder Jazz. Ich mag Django Reinhardt, den Zigeuner-Jazzmusiker. Er hatte nur zwei Finger, konnte aber trotzdem wahnsinnig schnell spielen, ein wirklich richtig guter Musiker! Ich versuche gerade zu lernen, ein bisschen so wie er zu spielen und vielleicht kann man das ja auch in das kommende Songmaterial von OPETH einfließen lassen, denn die Zigeunermusik hat einen schönen, melancholischen Aspekt. Aber natürlich ist es auch toll, mit OPETH zu spielen, denn Mikael und Per sind absolute Musikfreaks und kennen viele obskure Bands aus den 70ern wie CAMEL oder NICK DRAKE, obwohl das dann auch schon eher Folkrock ist. Aber im Großen und Ganzen bin ich ein Metalhead, aber es ist immer auch gut, etwas intelligente Musik zu hören! (lacht)
Das war’s auch schon! Du hast das letzte Wort!
Fredrik: Äh… ich hoffe dir gefällt der Auftritt heute Abend, wir sind in guter Form und der Sound klingt spitze.
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