PANTHEIST - Amartia

PANTHEIST - Amartia
Dies hier ist schon das zweite Album von Pantheist, einer wohl aus Belgien stammenden und nun in England beheimateten Band aus dem Bereich extremen bis extremsten Dooms, angeführt von einem Griechen, zumindest assoziiert das sein Name, Kostas. Nun, war das Debüt wohl noch eine gesamteuropäische Sache, so wurde „Amartia“ eingebritet. Neben den Urmitgliedern Kostas und Nicolas sind nun zwei Mann der legendären Ultradoomband Esoteric (HAIL!!!!) an Bord und veredeln den Sound. Und was für ein Sound das ist. Gleich der Titelsong ist ein Hammer vor dem Herrn. Zuerst geht es schleppend mit sehr sakralem Ausdruck über mehrere Minuten voran, es folgt eine Passage, die vollkommen hypnotisch nur mit ultrazähen Rhythmen und der Leadstimme, die immer wieder ganz beschwörend den Songtitel singt, dann von anderen, ebenso tiefen Stimmen kanonartig begleitet wird, hiernach setzen die Gitarren wiederum ein, einzelne, tonnenschwere Akkorde, die stehengelassen werden, darüber tiefe Deathmetalvocals und eine sehr tragische Grundmelodie, ein etwas energetischerer Part mit ergreifenden Leads schließt sich an und letztendlich münded der Song in einer Up Tempo Passage mit zermalmenden Gitarren, derben Vocals, einer packenden Melodieführung und mit feisten Orgeln unterlegten Riffs. Irre. “Gluttony“ ist Song Nr. 2, der zu Anfang vollkommen ohne Schlagzeug auskommt. Es gibt eine sehr tragische Orgelgrundmelodie, die Dich tief berührt. Es gibt deathmetallische Vocals und eine Gitarre, die ganz heavy und ganz entspannt die Grundmelodie mitspielt. Dann kommt der Punkt, an dem die Band ein wenig mehr Energie einfließen lässt, das ganze mit mehr Emotionen versieht, noch zorniger erscheint. Eine unverzerrte Gitarre schafft eine Überleitung, mehr als das, sie schafft eine ganz stille, unheimlich anmutende Passage, die Dir ein wohliges Grausen ob der Dinge, die da kommen mögen, beschert. Ein Synthesizer setzt ein, spielt eine kleine, mystische Melodie, dann bricht der Song aus sich heraus, walzt tonnenschwer und majestätisch mit herrlichen, gewaltigen Leads über Dich hinweg. Hallelujah, so können nur Briten diesen verdammten Deathdoom zelebrieren. Der nächste Songabschnitt hat einen spacigen Charakter mit einem schrammenden Sound im Hintergrund, den ich nicht ganz definieren kann. Vielleicht eine Gitarre mit Wahwah – Effekt, die durch einen weiteren elektronischen Effekt so sick klingt. Im Grunde ist diese Passage sehr monumental, baut sich immer weiter auf. Es ist meist ein durchgerissener Powerakkord, ein Lauf über die Toms bis zum nächsten durchgerissenen Akkord, ein Keyboard im Hintergrund und ein paar Effekte. Krank, aber schön. „Envy“ folgt auf dem Fuße, erst mit ruhiger Einleitung, dann schlürfend und doomig, wie es sich gehört. Die sägenden Riffs und der alles zerbröselnde Bass wirken hier besonders brutal. Purer Extremdoom. Ich liebe diese grollenden Vocals, die immer mal wieder von einem Flüstern oder tiefen, klaren Gesang flankiert werden. Auch hier dominiert wieder diese überwältigende Tragik und auch hier ist wieder Abwechslung pur angesagt, spinnen die Musiker dunkle, ganz stille Passagen kurz ein, die dann von der nächsten Doomwalze einfach atomisiert werden. Der Song ist bösartig, einfach bösartig. Auch wenn die Geschwindigkeit nicht hoch ist, man muß schon ein ausgezeichneter Musiker sein, wenn man derlei majestätischen Stoff spielen möchte. Gerade die Leads sind so erhaben, wenn sie nicht gerade der Rhythmusgitarre zuarbeiten und sich ganz pulverisierend auswirken. Die meisten True Doom Paladine werden sich zwar schwer tun, diese Band zu akzeptieren, aber soll das irgendjemanden kümmern? Pantheist haben sich wahrlich aufgemacht, dem sogenannten Funeral Doom, ich nenne es Doom / Death, neue Energie und Inspiration zu schenken. Für einen Doomsong hat „Lust“ einen sehr fetzig – metallischen Anfang gehabt, doch er schlägt bald wieder einen Haken zum trägen Fluß der Schicksalsmusik. Herrliche Gitarrenleads von mystischer Tiefe überspannen die Grundriffs, dazu wird wieder feist der Deathmetal aus der Kehle des Shouters geholt. Die Synths sind auch omnipräsent, vielleicht wäre hier etwas zurückhaltung angebracht, aber es sind nicht nur Synthies, sondern gerne auch mal eine Orgel oder ein Piano, welches von Seiten der Tasteninstrumente zum Einsatz gebracht werden. Und schon wieder haben wir da eine etwas flottere Passage, wo straighte Metalriffs und mystische Orgelklänge, achtung, Leadinstrument, den Ton angeben, bevor auch diese wieder im Doom mündet. Man merkt sofort, daß Pantheist ein gutes Händchen für nachvollziehbare und auf längere Sicht einprägsame Songs haben, die dort den ursprünglichen Deathmetalgedanken wieder hinbringen, wo My Dying Bride ihn vor gut elf bis zwölf Jahren abgelegt haben. Oh, Mann, diese Band kann echt alles. Gut, sie kann das Genre nicht innovieren, das kann wohl keine Band mehr, nicht Reverend Bizarre, Minotauri schon gar nicht, keine der monumentalen Bands aktuell wäre dazu wohl in der Lage, aber sie können dem Doom neue Gesichter und Gesichtspunkte schenken. „First Prayer“, dahin wollte ich. Ein Gebet wird über einer dunklen Keyboardmelodie gesprochen, geflüstert. Dann kommt ein wuchtiger Metalpart, eine stählerne Eruption und wieder die Rückkehr zum Gebet, welches in einer Orgelpassage mündet und wieder in einen metallischen Abschnitt einfließt. Hier sind wunderbare Leads zu bestaunen, dazu der beschwörende tiefe Gesang, frag mich nicht, von wem der stammt, da hier Schlagzeuger, Keyboarder und Basser singen. Egal, es ist einfach nur brillant. Ein origineller Song, fürwahr. Und wieder überkommt einen diese katatonische Stimmung, wenn nur die Keyboards, dieses Mal ohne Gebet, den Song ausklingen lassen. „Pride“ schließt sich an. Meist doomy und sehr traurig mit verhaltenem Schlagzeug im Hintergrund, dann nach einem Pianoübergang tonnenschwer stampfend mit wuchtig schleppendem Drumming und schmerzvoll herausgeröhrten Vocals, noch trauriger, weil mit größerer emotionaler Energie gespielt, als die erste Passage. In diesem Song steckt der gesamte Schmerz, den ein Mensch in sich tragen kann und doch ist er hoffnungsvoll, weil dieser Schmerz noch entfesselbar ist. „Greed“ pendelt zwischen ruhigen und kraftvollen Momenten hin und her, einer der weniger spektakulären Songs, aber doch schön anzuhören. In den sanfteren Momenten hat er tatsächlich eine Atmosphäre, die der späterer Pink Floyd Songs ähnelt. Alles in allem ein sanfterer Song, der sich aber gut ins Gesamtbild einfügt, wenngleich er wohl einzeln stehend etwas lahm wirken könnte. „Sloth“ ist wieder mehr traditionellerer Doommetal mit den tiefen, klaren Vocals und superben Leadgitarren. Diese Kombination dunkler, zutiefst melancholischer Melodien durchdringt einen bis in Mark und Bein. Zu schön. Eine knurrend böse Stimme kommt auf, erscheint irgendwo als schlimme Vorahnung im Hintergrund. Wahrscheinlich ist es nach „Pride“ einfach nicht mehr möglich, noch mehr an Emotionen im Hörer zu Wecken und aus ihm herauszureißen, denn seither sind die Songs für mich zumindest nicht mehr überwältigend, immer noch anrührend genial jedoch. Auch „Sloth“ bleibt nicht einfach bei der elegischen Hauptkomponente stehen, sondern zeigt diverse kleine Einspielungen, da eine Passage fast vollkommen ohne Rhythmus, auf der ein Mann mit eine Geschichte erzählt, wo nur ab und an ein gemeinsamer Ausbruch von Gitarre und Drums die einzelnen Abschnitte markiert, dann ein mittelschneller metallischer Abschnitt mit tief grunzendem Gesang. Schön, sehr schön fürwahr. „Wrath“ scheint schon Deathmetal pur zu sein, flink, zornig, energetisch, doch auch hier sind wieder diese atmosphärischen Keyboards passagenweise zu finden, während die Drums sich trotz der hohen Energie, die in ihnen Steckt meist im Hintergrund halten. Eine mittelschnelle Einlage mit gutem Groove schließt sich den flotteren Momenten an, dann kommt wieder ein epischer anmutender Moment und wieder wird es rasend und wütend. Die Leadgitarre brilliert auch auf diesem Song wieder. Warum nur wurde das Schlagzeug so weit in den Hintergrund gemischt? Egal, es ist spürbar, es schafft so eine einzigartige Atmosphäre. Das sind die Einflüsse von Esoteric. „Metanoia“ ist nun dran, das Album zu beschließen. Wieder kommt die erzählende Stimme zum Tragen, wieder der tiefe Deathmetalgesang, grollend, knurrend, bösartig. Noch einmal ergreifen die schmachtenden, wunderschönen Gitarrenleads das Wort, die Band sagt uns Lebewohl. Und langsam verschwindet „Metanoia“ in der Ferne, bis es kaum mehr zu verspüren ist. Wow, ich bin nun wahrlich doch nochmals überwältigt worden. Diese CD kann dem vielgeschmähten Doom / Death Bereich wirklich einiges an Qualität geben, verweist die vielen Kitschbands auf ihre Plätze und vielleicht kann sie auch eine Menge COTD – Anhänger für Pantheist begeistern. Klasse Scheibe! www.firebox.fi
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02. Gluttony
03. Envy
04. Lust
05. First prayer
06. Pride
07. Greed
08. Sloth
09. Wrath
10. Metanoia

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Zu dieser Rezension:

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SirLordDoom

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Firebox / Twilight

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16.03.2005

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