Der Metal heute beschränkt sich also doch nicht nur auf Nähmaschinenrhythmen und ewig gleich durchgezogenen Riffgewittern, ab und an mit zuviel Keyboardschmand zugekleistert. Auch ist nicht jede Produktion blitzsauber und steril. PENETRATOR treten an, den Kids zu zeigen, wie ein rostiger Bohrer in den Gehörgängen klingt.
"Unleash the fury" ist ein kraftvoller, flotter Opener, purer Powermetal mit knalligen Gitarren. Schon hier fällt der Sänger auf, der ein herrlich aggressives Organ besitzt. Gute Melodien finden sich auf dem gesamten Song, doch steckt in ihnen noch metallische Wucht.
"Spread the mind" ist mittelschnell, sehr majestätisch aufgebaut, heavy as fuck. Killersoli, eine einprägsame Melodie und ein brillierender Sänger machen diesen Song aus.
"Guns and Whiskey" ist heavy und groovy, sehr erdig gehalten mit starkem Hardrockeinschlag. Sehr guter Song der an Bands vom Kaliber ARMED FORCES (Ex AUGUST REDMOON / EDEN) oder AFTERSHOK (EX SHOK PARIS) einnert, also sehr bodenständig mit tödlichen Riffs.
"Muso in a Bottle" ist wieder anders, der Sänger singt die Strophe tief, den Refrain normal in höheren Lagen. Die Strophe beginnt mit akustischen Gitarren über einem straighten Rhythmusfundament, im zweiten Abschnitt der jeweiligen Strophe kommen die Powerchords dazu. Bridge und Chorus sind dann heavy und geradlinig, gut mitsingbar mit einem Rock'n'Roll Touch in der Melodie.
PENETRATOR sind irgendwie nicht zu fassen, spielen mit den traditionellen Elementen und vereinen sie fast alle auf einem Album. Ist das für die heutige Metallerclique nicht schon zuviel Abwechslung? Nun, wir werden es sehen.
"Adultress" will erst einmal besprochen werden. Mittelschnell in der Strophe mit einem leicht hüpfenden Rhythmus und erdiger Gesangsmelodie, dann schneller und kraftvoller werdend mit herrlichem Refrain, der sich regelrecht in die Ohren bohrt. SHOK PARIS! So ist mein erster Gedanke. Parallelen zu solchen erdigeren US Heavymetal Bands sind nicht von der Hand zu weisen und ich denke, daß sich PENETRATOR schlechtere Einflüsse hätten holen können. Oder?
Die Musik der Band klingt natürlich. Aaah, es tut wohl, es tut so gut. Alles von Hand gespielt, mit Leidenschaft und Hingabe entfesselt. Das führt uns zum nächsten Song "Wheels of Justice". Ein nach vorne treibender, mittelschneller Song mit verspielteren Bridges und einem groovigen Mittelteil gesegnet. Groovy im Sinne von ganz traditionellem Heavyrock, okay? Der Solopart walzt sich sogar recht langsam und verdammt wuchtig aus den Boxen. Coole Mische in der Tat!
Geil an dieser Truppe ist, daß beim Drumming die elende Doublebass nicht zu überstrapaziert wird. Ein schneller Song wie "Shock Therapy" lebt natürlich davon. Thrashiges Riffing, hohe Screams und peitschende Rhythmen sind hier das Ding. Die Soli sind meist kurz und sehr wild. Man hätte nach den ganzen eher erdigen Heavyrock und Heavymetal Songs gar nicht mit solch einem Brecher gerechnet.
Der mittelschnelle Banger "Templars of Hate" hat wieder einen erdigen Boogeyeinschlag, aber auch vor den Strophen ein cooles Einleitungsriff und einen betörenden Refrain, der sehr einfach, dafür aber verdammt effektiv gestaltet ist. Purer Heavymetal halt ohne viele Schnörkel.
Nein, bislang konnte ich keine Innovationen vernehmen, aber das muß beim Metal ja auch nicht sein, oder? Solange die Alben nicht zu eindimensionalen Berieselungsgeräten verkommen, können traditionelle Metalbands gerne erdig und sogar etwas altbacken sein. Die Jungs hier sind charmant.
Der Titelsong ist wieder sehr heavy, mit speedigen Parts und mittelschnell aggressiven Passagen. Thrashiger Powermetal vom allerfeinsten, auch gesanglich ein Meisterstück. Der Sänger, ja, er hat Charakter, ist dafür dann ab und an nicht einhundert Prozent sicher, aber das macht er durch seine wilde Leidenschaft wieder wett.
Der Gitarrensound ist ab und an zu kratzig und lässt die Mitten und Tiefen vermissen und damit die Wucht. Was die in einigen Songs auftauchenden etwas abgehackt klingenden Parts angeht, das passt schon, das ist keine Trendmusik, wie es viele Ultratruemetalpaladine gerne sehen würden, das hat es in den 80ern schon gegeben und es macht heuer noch Spaß.
PENETRATOR machen definitiv Laune, auch wenn sie kein Überhammer und TOP 20 Kandidat wären. Es ist guter und ehrlicher Metal fast aller Kaliber, der sich auf ihrem Album findet und das alleine gehört schon belohnt. Wenn dann noch die Songs stimmen, was sie hier tun, kann nichts mehr schiefgehen.
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
8 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Sonic Age / Twilight Distribution
Leserwertung:
3.6 Punkte / 5 Stimmen
Eigene Wertung abgeben:
abstimmen
Gelesen:
619 x
Artikel eingestellt:
10.06.2005
Bookmark: