Die Italiener existieren zwar schon seit 1999, veröffentlichten allerdings erst vorletztes Jahr ihr Debut „Tales From Sadness“. Dieser Tage folgt das zweite Album „Flies & Lies“. Von der Urbesetzung sind mittlerweile nur noch Sänger Claudio Coassin und Gitarrist Matteo Di Bon übrig geblieben, wobei Claudio bis zum Einstieg von Keyboarder Andrea noch selbst die Tasten drückte.
Bei den ersten Keyboardklängen beim titelgebenden Opener befürchtete ich schon schmalzige italienische Power Metal-Klänge, doch die folgenden schweren, düsteren und vor allem heavy Gitarren belehren den Hörer schnell eines Besseren. Nach dem schnellen Einstieg der Gitarren machen sich recht schnell Melodie und ein mächtiger Groove breit, die mit den Keyboards gut zusammenpassen, ehe das Tempo wieder angezogen wird. Gesangsmelodien, die eher an den aktuellen James Hetfield erinnern, sorgen für etwas Verwirrung, doch wird dieser Effekt nur zeitweise eingesetzt. Ein melodisches Gitarrensolo und das schwere Keyboard, das zeitweise so etwas wie Epik entstehen lässt, runden den Song ab.
Bei dem nachfolgenden „Rolling Chances“ überwiegt der Death Metal-Einfluss, was allerdings nicht die Vocals betrifft, da diese hochmelodisch, klar und deutlich gesungen sind. Geschwindigkeitsmäßig fliegt hier allerdings ziemlich die Kuh, wenngleich das Solo supermelodisch ausgefallen ist und eindeutig vom Power Metal inspiriert ist. Diese beiden Songs sind absolut charakteristisch für das Album und wurden hier deshalb etwas ausführlicher vorgestellt.
RAINTIME sind eine der Bands, die sich um Originalität bemühen und das tun sie, in dem sie melodischen Death Metal mit klassischen Power Metal vermengen. Was im ersten Moment ungewöhnlich klingt, geht recht gut ins Ohr. Die Gitarrenwand, die Growls und das angethrashte Riffing treffen auf großartige Gesangslinien, coole Soli und einen galoppierenden Rhythmus. Aushängeschild ist dabei Sänger Claudio, der sowohl die Death Metal-mäßigen Growls als auch den melodischen, cleanen Gesangsstil drauf hat, der ab und zu an James LaBrie (DREAM THEATER) erinnert. Das Keyboard wird auf diesem Album einfach als weiteres Instrument benutzt, dass das Werk melodischer macht. Zu Gute kommt dem Werk vor allem, dass die Band den Keyboard-Anteil im Vergleich zum Debut heruntergefahren hat.
Erwähnenswert wäre sicher noch die Cover-Version „Beat It“ – genau, der Song von MICHAEL JACKSON´S „Thriller“- Album aus dem Jahre 1982. Neben den ersten beiden Songs sind auch das eingängige und hitverdächtige „Tears Of Sorrow“, das an GUTEN Metalcore erinnernde „Another Transition“ und der Rausschmeisser „Matrioska“ echte Highlights. Einzig pseudo-moderne Nummern wie das unnatürlich wirkende „The Black Well“ oder die an SONATA ARCTICA erinnernde Halbballade „Finally Me“ sind ziemlich überflüssig, das sind dann aber auch die einzige Ausfälle auf dem Album. Was man den Songs höchstens vorwerfen könnte, wäre, dass die Mucke auf der CD zwar recht einzigartig ist, sich vom Stil und vom Songaufbau auf Dauer jedoch recht ähneln. Dazu kommt, dass die Songs auf der ersten Hälfte der CD mit der Kombination Growls/Clean Vocals und Gitarre/Keyboard besser ausgearbeitet scheinen.
Leute, die auf der Suche nach eigenständigen Bands sind und gerne was Neues ausprobieren wollen, sind hier goldrichtig, ebenso wie Leute, die sich eine Mischung aus melodischen Death und klassischen Power Metal vorstellen können.
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