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NOMINON - Terra necrosis

NOMINON - Terra necrosis

Meine Haare sind wieder dort, wo sie sein sollten, ich bin 15 Kilo leichter, keine Rückenschmerzen mehr und die Frau nervt auch nicht mehr rum. Kurzum, ich bin irgendwie zurück in der Vergangenheit, genauer gesagt im Jahre 1991, wo ein siebzehnjähriger Jungspund Sascha (noch nicht Sir Lord Doom, das kam später) voll und ganz der zweiten Deathmetalwelle verfallen war. Mitschwimmer waren andere, ich war verfallen. Der Energie, der Wucht und der Düsternis, welche diese Musik für mich ausstrahlte. Und schon damals war klar, daß die schwedischen Bands das Sagen hatten. ENTOMBED, DISMEMBER, UNLEASHED, GRAVE (und das sind nur die bekannteren Namen), was hab ich das Zeug geliebt, nein, vergöttert.

Irgendwann kamen die Deathmetaller auf die Idee, nur noch herumzublasten, das in Geschwindigkeiten, die ihren Drummern eh kein Mensch mehr abnimmt. Der Sound wurde immer steriler und langweiliger, die nachvollziehbaren Melodien gingen flöten und der Gesang wurde eintönig, dumpf und uncharismatisch. Da spreche ich auch einige von meinen Kollegen hier heißgeliebte Acts an.

Nun sind sechzehn Jahre vergangen, ich bin seit kurzem 33 und habe eigentlich alles gehört. Die Faszination des musikalischen Todes schien gewichen, da erfasste mich die Retrowelle schwedischen Todesstahls mit einer Kraft, die der ursprünglichen Bewegung sehr nahe kommt. Ein Exponat dieser neuen Welle schwedischen Deathmetals (mit Betonung auf METAL) will ich doch mal vorstellen, zumindest deren neuestes Album. Welcome to the dark world of NOMINON.

Es ist schon eine Sünde, daß ich die Vorgängerscheiben nicht habe, aber das kann man irgendwann noch nachholen. Das neue Album ist von 2007 und man spürt es nicht in seiner ursprünglichen, urwüchsigen Art. Tonnenschwere Riffs sägen und walzen hier über abwechslungsreichen, oft flotten Rhythmen, die gerne ins Blasten geraten, bei aller Wut aber immer im menschlichen Geschwindigkeitsrahmen verweilen. Aber NOMINON bollern auch anständige Vierviertelbeats aus den qualmenden Boxen oder verschleppen das Tempo gerne mal. Im siebten Song, "Tabula rasa" geraten sie sogar ins harte Rocken, natürlich mit anständig knirschendem Schwedendeathsound. Ultratief, ultraheavy und ultradüster. Aber auch "Tabula rasa" wird noch schneller.

Verwinkelte Songstrukturen gibt es hier nicht. NOMINON lieben es direkt und das kommt ihrem Deathmetal doch nur zugute. Die Stücke sind nachvollziehbar, gehen direkt unter die Haut. Es fehlt zwar noch der Überhit wie "In death's sleep", "Dismembered", "Deathevocation", "Left hand path", "Before the creation of time" oder, oder, oder, jedoch stimmt bei NOMINON das Feeling und die Kompositionen sind packend, emotionsgeladen, boshaft.

Schon im Opener "Release in death" bekommt man feinste Doompassagen mit krankhaft schönen Leadgitarren in all dem treibenden Speedstoff. Und wenn Dich der Song erst einmal gepackt hat, so wird seine Eingängigkeit sehr deutlich. Das Stück brennt sich tief in Deine Seele ein. Narben, mein Freund, die Du nie wieder los wirst.

Der Gesang ist urtypisch für den 91er Stil, nicht unbedingt urtypisch für Schweden, obschon ein wenig Johnny Hedlung (UNLEASHED) mit dabei ist. Aber der NOMINON Growler versucht sich so charismatisch wie eben möglich auszudrücken und behält seine Menschlichkeit. Wut, berstende Wut treibt ihn zu solchen Lautäußerungen.

Oberflächlich gesehen mögen NOMINON der Szene keine Innovationen zufügen, was auch so korrekt ist. Doch ihre immense Frische, die Leidenschaft, mit der sie Gewalt auf ihre Instrumente ausüben und ihre ungezwungene Spielfreude in Verbund mit den peitschenden Liedern macht sie für den heutigen Deathmetal notwendig. Es ist ihre Magie, die Dich voll und ganz in sich aufsaugt. Wo andere Bands sich vom Deathmetal abwenden oder einfach lustlos dabei bleiben, da kloppen NOMINON ein gewaltiges Pfund spiritueller Kraft in ihre Klangeruptionen hinein.

Der Sound ist megafett und sehr lebendig, das Schraben der Gitarren, das natürliche Drumming, der hintergründig wummernde Bass, das alles bringt uns zurück zu den glorreichen Tagen des schwedischen Deathmetals und genau hiermit straft es Digitalfetischisten Lügen.

Spielerisch sind NOMINON erhaben, das sind alte Hasen, was man auch sofort hört. Auch wenn die Songs an sich eher straight konzipiert sind, eventuell ein paar Wechsel darin vorkommen, so spielen NOMINON sehr exakt, mit bestialischer Hingabe und brennender Lust.

Einige wenige Ausflüge in schwarzmetallisches Ultragerase kommen vor, lockern das Material nur noch mehr auf und lassen den Hörer vollends ausflippen. Dies sind die am wenigsten originellen Momente, obschon sie genausoviel infernalischen Spaß bereiten wie jede einzelne Note hier.

Ich kann nur jedem Fan ehrlichen, komplett kranken Deathmetals empfehlen, sich dieses Gerät und am besten noch die beiden Vorgängerscheiben in die kalte Gruft zu holen, denn soviel ungezähmte Power hat der Deathmetal in den letzten Monaten selten gezeigt, eventuell bei OBLITERATION, ABSCESS und der letzten UNLEASHED. Pflichtprogramm hier!

Bei Amazon suchen! Bei blackscaped.de suchen! 01. Release In Death
02. Arcanum
03. Black Chapel
04. Ebola
05. Among The Beasts & Ancient Slumber
06. Life Extinct
07. Tabula Rasa
08. Hell Above
09. Bane Appetite
10. The Infernal Voyage

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Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9 von 10 Punkten

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Weiteres:

Label:
Konqueror Records
Band-Webseite:
www.nominon.com
Release:
06.07.2007

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9.8 Punkte / 2 Stimmen

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1338 x

Artikel eingestellt:
20.07.2007

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1. Banco Del Mutuo Soccorso - Come in un ultima cena
2. Pulse - same (UK, 1969)
3. May Blitz - May Blitz
4. May Blitz - Second of May
5. ENQ - Tear down the walls

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