Wenn ich diese Band hier höre, kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Der Bandname weist auf Melodicdeathmetal oder gemässigten Blackmetal hin. Das Cover der CD, der Logoschriftzug, alles sagt mir, daß dies irgendwo bei schwedischen Bands wie alten DISSECTION, NAGLFAR oder ganz frühen DARK TRANQUILLITY.
Nichts da. Erstens sind A TORTURED SOUL Amerikaner und zweitens spielen sie einen sehr emotionsgeladenen Heavy bis Powermetal mit grandiosen, durchdringenden Melodien und sehr charismatischem Gesang, der in den tiefen Lagen an Zak Stevens (ex SAVATAGE, CIRCLE II CIRCLE) und sonst an King Diamond erinnert, eventuell auch mit einem Schuß Halford in den mittleren Lagen. Wobei hier nur die Phrasierungen und das Timbre ähnlich sind, ansonsten besitzt der Mann schon eine ausgeprägte Persönlichkeit.
Gleich nach dem Opener "Tomorrow's door" mit treibenden Strophen und verlangsamten, sehr schwelgerischen Refrains, wird das schleppende, sehr gesangsorientierte "Not tonight" auf den Tisch geworfen und brennt sich durch sämtliche Neuronenbahnen direkt in die Seele des Bangers. Mit "Nocturne" geht es flotter weiter, die Doublebassattacken kommen an den rechten Stellen und walzen Dich platt, wobei der Mann hinter der Schießbude ein Trommler und kein Treter ist. Auch bei "Nocturne" sind wieder Gesangsmelodien von erhabenem Ausdruck vorhanden, einprägsam, mitreißend, magisch.
Dem stehen die Gitarren nicht nach. Wild und doch melodiebetont wird soliert. Und es packt Dich augenblicklich, wenn Du die ersten Sekunden der Scheibe durchlebt hast. Man geht nie den sicheren Weg, lässt auf einen schnelleren, einen getrageneren, nicht aber weniger wuchtigen Song folgen, eventuell auch nur eine Eröffnungspassage mit anschließender Steigerung in der Geschwindigkeit. Das Material mag eventuell nicht mehr so revolutionär sein wie eine vergleichbare Scheibe Marke ICED EARTH "Iced earth" oder JUDAS PRIEST "Painkiller", beide aus dem Jahre 1990 stammend, stilistisch und qualitativ ist es jedoch ebenbürtig. Der Sound ist natürlich und gerade dabei dann schön fett und drückend, spielerisch sind diese Herren alte Hasen, da sitzt jede Note an der vorgesehenen Stelle, ohne daß die Musik statisch klänge. Der Wechsel von der Strophe im oberen Mid Tempo hin zur erst ruhigen, sehr düsteren Mittelpassage, die dann in einen Walzertakt mit donnernden Riffs umschlägt und schließlich wieder bei der Strophe landet, lässt Dir sämtliche Haare zu Berge stehen. Rick Blacks durchdringende Kopfstimme verwirrt Dich, saugt Dich auf, bannt Dich. Ein schleppender BLACK SABBATH Part, der gleiche wie beim Anfang, beschließt ein mörderisches Stück METAL.
Aus den USA kommen nach wie vor viele gute bis sehr gute Scheiben, aber bei A TORTURED SOUL ist es so, daß da tatsächlich Songs geschrieben wurden, die die Brücke zwischen Anspruch und Eingängigkeit schlagen, Emotionen aller Kaliber in ihren Tiefen verbergen und diese Stückweise preisgeben, mit Magie und beschwörender Mystik nicht geizen, demnach rundum für das Dasein als Metalklassiker prädestiniert sind.
Allein der Titel "Altar of Sangria" klingt doch sehr merkwürdig. Während der Song textlich eher mystisch daherkommt und gesanglich in den Strophen selbst den Herrn Pedersen von MERCYFUL FATE vor Neid erblassen lassen könnte, hat man den Eindruck, daß sie doch das Eimersaufen auf dem Ballermann besingen. Immer wieder ist vom "crimson demon" die Rede, was ja durchaus auch auf das Kultgetränk der Schinkenstrasse bezogen werden kann. Egal, ich will hier nicht spekulieren, denn der Song an sich ist wiederum ein Monster mit geschickt eingesetzten Breaks, Passagenwechseln, einem wie besessen herumwirbelnden Schlagzeuger.
Welches Lied hier auch immer gerade laufen mag, jedes ist ein potentieller Hit. Seit der "Defender of the crown" von BROCAS HELM, die allerdings vollkommen anders klingen, habe ich keine solch packende Powermetalscheibe aus den USA mehr vernommen und derer viele sind zwischen 2004 und 2007 erschienen. Ganz großes Kino!
A TORTURED SOUL - Lucifer's fate
(Rezension)
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
9 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Eyes like Snow
Release:
28.09.2007
Leserwertung:
9.8 Punkte / 6 Stimmen
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Gelesen:
1324 x
Artikel eingestellt:
21.09.2007
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