Ich höre einige Keyboards im Hintergrund düstere Melodienteppiche säuseln, die werden aber von den finsteren Deathmetalriffs niedergebraten als gäbe es kein Morgen mehr. Die Doublebass klappert unaufhaltsam dazu, während die Stöcker einen relativ packenden, aber nicht zu überdrehten Beat zimmern. Würde ich nicht wissen, daß diese Band hier aus Österreich stammt, könnte ich fast an Florida denken, so um 1991 bis 1993. Ich hatte mal vor zehn Jahren eine CD der sympathischen Vögel (immer noch danke für die Kippen) und hab die dann eines Tages aus den Augen verloren.
Aber das aktuelle Album von Darkside, so sehr die Plattenfirma sie auch als progressive Avant - Garde Kapelle hinstellen möchte, die alte Schule der frühen 90er ist aus ihnen nicht rauszubekommen und, um es mit Herrn Wowereits Worten zu sagen: "DAS IST AUCH GUT SO!". So sind DARKSIDE Deathmetal mit etwas mehr Düsternis und Verspieltheit, schönen melodischen Leads und facettenreichen, aber eingängigen und einprägsamen Songstrukturen. Nicht innovativ, aber erfrischend wild und heavy. Was ich am modernen Deathmetal nicht leiden kann, wird hier komplett ausgespart. Gut, auch sie sind nach 16 Jahren Dasein als Krachmacher sicherlich nicht mehr im Teenageralter.
Der Sound ist schön roh und natürlich, so macht Deathmetal Freude. Hier und dort tauchen instrumentale Stücke auf, die melodiös und verspielt die sanfte, verträumte Seite der Musiker aufzeigen, meist als einleitende Passagen zu härteren Songs führen. Der Titelsong "Amber" ist dann nach drei zwar verwinkelteren, aber eindeutigen Deathmetalsongs der erste Ausreißer des Tages. Eben jener ruhige Anfang ist gegeben, melodisch - schwebender Hardrock mit Deathmetalvocals und schönen Gitarrenharmonien folgt, dann eine Weile technisch sehr anspruchsvoll inszeniertes Geballere, ein wenig psychedelische Sanftmut und dann die Rückkehr zum melodischeren, aber harten Rock mit verzerrten Elektroklampfen und akustischen Gitarren, bevor wieder verwinkelte und verdrehte Metalriffs zwischen ATHEIST, DEATH und CYNIC unsere Ohren bluten lassen.
Und genau da ist es. Der alte Floridadeathmetal progressiverer Natur lebt hier wieder auf und das richtig. DARKSIDE wären zwar in der Pionierphase dieses Stils auch nicht wirklich berühmt geworden, weil sie einfach sehr sperrig sind, aber sie zeigen doch ein Gespür für Songabläufe jenseits von Frickeleien um der Frickeleien Willen. Auch sind immer wieder geile Gitarrenläufe mit zum Teil orientalischen Melodien zu finden, die eine tiefe mystische Aura um sich bilden. "Pillars of Err" nennt sich der Song passend hierzu. Wer nun laut nach NILE schreit, hat für meinen Geschmack nichts kapiert. DARKSIDE sind weit davon entfernt, hier eine erfolgreiche, aber sehr überbewertete Band zu kopieren. Sie machen es sogar umso besser, schaffen Songs mit klarem, flüssigem Ablauf, nicht zusammenhangslos aneinandergereihte Passagengebilde.
Die doomigeren Momente sind ähnlich morbide und magisch wie bei ihren Kollegen NECROS CHRISTOS aus Berlin, obschon DARKSIDE eher auf der technischen, vertrackten Schiene fahren. Wie man es auch dreht und wendet, diese Scheibe verlangt, daß sich der Hörer Zeit nimmt, sie bis ins Detail zu erforschen und bei Lucifer, es lohnt sich. Soviel Leidenschaft höre ich im technischen Deathmetal heuer nur noch selten. Wie bereits mehrfach erwähnt, die Leadgitarrenläufe haben es mir angetan, vor allem dadurch, daß sie oft statt gnadenlosem Gegniedel beschwörende Melodien spielen. Wer seinen Deathmetal also ebenso ursprünglich wie verwinkelt liebt, dabei auf packende Songs abfährt, der ist hier genau richtig.
DARKSIDE - Cognitive Dissonance
(Rezension)
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
8,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Noisehead Records
Band-Webseite:
www.darkside.co.at
Leserwertung:
10 Punkte / 2 Stimmen
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Gelesen:
1768 x
Artikel eingestellt:
01.10.2007
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