Auch nach längerem Suchen habe ich nicht so viel über NASHEIM herausfinden können, aber eigentlich ist das ja auch egal, hier gehts ja um die Musik, die sich auf dieser Split befindet, und die ist wirklich lohnenswert.
Das 25-Minuten Songmonster mit dem Titel "Sövande Mjöd Vill Jag Tömma" (ein Gedicht von Gustav Fröding, das zwischen 1898 und 1905 entstand und in 'Efterlämnade skrifter' 1914 erstmals veröffentlicht wurde) hat beinahe drei Jahre Reifezeit hinter sich, bis die beiden Beteiligten mit dem Ergebnis zufrieden waren. Und ja, man kann es mit gutem Wein vergleichen, denn dieses Werk fliesst die Kehle runter und verteilt sich auch noch in den letzten Winkel der Seele, wo es sich ausbreitet und langsam wirkt. Die stark ambientlastigen Melodien sind enorm abwechslungsreich, mal eine lange Passage rein instrumental, mal eine Passage mit Gesang. Insbesondere die instrumentalen Momente sind sehr verträumt und nehmen einen mit auf eine Reise in die Unendlichkeit.
Ohne grosse Höhepunkte, aber dennoch nie langweilig, servieren uns die Herren Erik Grahn (ex-Lethal) und Mikael Markström (Lethal) ihre Vorstellung von atmosphärischem, melodiösem Ambient-Black Metal, und man bedauert fast, dass die beiden immer so lange brauchen, bis sie ihre Werke für perfekt genug halten und sie einer breiten Öffentlichkeit präsentieren, ist diese Split mit ANGANTYR doch bereits seit einigen Jahren angekündigt, und auch sonst haben sie sich ausgeschwiegen, was neues Material angeht. Nur ein einziger weiterer Song ist auf einem Sampler erschienen, seit NASHEIM 2004 ihre beiden Demos "Evighet" und "Undergång" auf CD heraus brachten.
Ein wenig vergleichen lässt sich die Musik tatsächlich mit ANGANTYRs "Sejr" oder "Hævn", hier und da finden sich entfernte Ähnlichkeiten zu burzumesker Dunkelheit und Verträumtheit, aber einem echten Vergleich entzieht sich NASHEIMs Musik dann doch, kreiert sie doch eine ganz eigene Stimmung, die sich nur schwer in Worte fassen lässt.
ANGANTYR zeigt sich hier jedoch von seiner wütenderen, roheren Seite, und präsentiert damit eine Fazette seiner Musik, die auf Hævn so nicht mehr vertreten ist.
Auf dieser Split finden sich gleich drei exklusive Songs von ANGANTYR. "Arngrims Hævn" wütet berserkerartig, aber nicht unmelodiös, aus den Boxen, mit einer Aggression, die so nicht einmal auf Nordens Stolte Krigere zu finden war. Ab Mitte des Songs wird es aber wieder ruhiger und die ANGANTYR-typischen Melodien treten in den Vordergrund. Diese setzen sich fort in dem epischen "Edsvoren", das auch in seiner Stimmung die Intensität eines feierlichen Eides mitbringt - erhaben, entrückt, nicht ganz in dieser Welt verwurzelt.
Und wenn man sich schon mal gefragt hat, wie eine Ein-Mann-Band live klingt, wird diese Frage im dritten Beitrag ANGANTYRs beantwortet. "I Der Knæler I Ynk" ist ein Live-Mitschnitt, der beweist, dass ANGANTYR auch bühnentauglich ist. Nach langer Suche hat Ynleborgaz doch noch Leute gefunden, die seine Vision live umsetzen können, und man merkt ihm an, dass ihm die Live-Präsenz ebenso wichtig ist, wie seine Aufnahmen. Da darf man hoffen, dass dies auch in Zukunft funktionieren wird und man mal die Gelegenheit bekommt, an dieser Zelebration teilzunehmen.
Diese Split bringt es auf über 50 Minuten Spielzeit und dürfte damit nicht nur was für Sammelfreaks sein. Wem es nur um die Musik geht, der nehme halt die normale Version, es gibt diese Split aber auch in drei weiteren Editionen in exklusiven Metallboxen mit ein paar Extras.
Wer ANGANTYR mag, dem sei NASHEIM ebenfalls ans kalte Herz gelegt, falsch machen kann man hier jedenfalls nix.
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