metal-district.de presents: ANNEKE VAN GIERSBERGEN in Nürnberg

TODTGELICHTER - Schemen

TODTGELICHTER - Schemen
Huch. Krass, was da auf meinem Tisch landete. Die deutschen Schwarzwurzel-Phantasten TODTGELICHTER giessen wieder Öl ins Feuer gemarterter Seelen. Und kokettieren dabei wie gewohnt mit Unmengen Blut, Hass, Selbstentkörperung (von Mord kann hier keine Rede sein), Schmerz und Naturgewalten aller Art, dass jeder B-Movie-Macher blass vor Neid wird.

Das tun TODTGELICHTER auf eine Weise, die alles ist, nur nicht gewöhnlich oder gar plakativ. Hier ist nichts gewöhnlich, nicht der Name, nicht die Musik, nicht die Texte, und nicht die Wirkung. TODTGELICHTER haben eine sehr eigene Art, ihre Kunst auszudrücken. Beschreiben kann man das eigentlich kaum.

Was mir aber auffällt ist, dass TODTGELICHTER an ihrem Songwriting stark gefeilt haben, "Schemen" ist vielschichtiger als seine Vorgänger, dadurch aber auch ein wenig sperriger. Es braucht schon ein paar Durchläufe, bis man der Komplexität ihre Schönheit abgewinnen kann. "Schemen" ist insgesamt ruhiger, abgeklärter, aber dadurch nicht weniger aufwühlend und verstörend. Und das wichtigste, es ist Black Metal, von vorne bis hinten, selbst in den leisen Momenten.

Das dreiminütige Intro "Impuls" ist instrumental und führt den Hörer in eine beinahe psychedelisch anmutende Atmosphäre mit seinem entrückten Frauen'gesang', der von ausserhalb der Realität nur Echos wirft. Und dieser Schatten aus einer anderen Sphäre ist Thema, wenn in "Larva" der Protagonist die Szenerie betritt. Ich kann nicht anders, der Aufbau, die Dichte, die Spannungsbögen, das alles kennt man aus dem Theater. "Segen" spiegelt die innere Zerrissenheit, ein noch Zögern, ob dem Drang nachgegeben werden soll. "Blutstern" ist die Befreiung, die Erlösung, das der Gier Nachgeben. Das reflektiert sich auch in der Musik, die regelrecht aufreisst aus ihrer Verschlossenheit und in Raserei über den Hörer hereinbricht. Aber es ist auch ein sehr melodischer Song in seinen glückseeligen und auch den leisen Momenten. Melodisch und eindringlich malt "Für Immer Schweigen" ein weiteres blutiges Bild ans Firmament des Geistes, pulsiert im Takt des Herzens durch Venen, Gedanken und Erinnerungen an Alpträume. Und ein Alptraum ist das nächste Kapitel "Aschetraum" im Schauspiel des Grauens vor der eigenen Art. '...und mir träumte einst von glühendheißer Lava, die in meinem Innersten brannte. Und als ich es nicht mehr aushielt Da ward ich Vulkan'. Krasser Film. Das extreme "Hammer" prügelt von Beginn an berserkerartig wütend auf die letzten zarten Regungen der Seele ein, und bringt doch nur zu Ende, was diese Welt begann. Mit allem Hass, mit aller Verachtung schlägt der Hammer maschinenartig auf das Leben selbst ein. "Beginn des Endes" endet diese Odysee, wie sie begann, mit der Frauenstimme aus dem ersten Lied. Lieblich, bittersüss, aber nicht versöhnlich....

TODTGELICHTER haben ihren Schmerz und ihre Misanthropie auf einem Level kultiviert, das seines gleichen sucht. Sie leben Arroganz und den elitären Anspruch in vollen Zügen aus, den Black Metal seit den Anfangstagen so begierig immer wieder nur kopiert, statt die Grenzen zu überschreiten und neue Dimensionen zu unterwerfen. TODTGELICHTER reissen ein grosses Loch ins Tuch der schwarzmetallischen Realität, und das gilt nicht nur für den musikalischen Aspekt.

"Schemen" ist das bislang ausgereifteste Werk der Nordlichter aus Hamburg, und wer die Vorgänger mochte, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Allen anderen empfehle ich die Songs mal auf der myspace-Seite anzutesten. Empfehlenswert.
Bei Amazon suchen! Bei blackscaped.de suchen! 01. Impuls
02. Larva
03. Segen
04. Blutstern
05. Für Immer Schweigen
06. Aschetraum
07. Hammer
08. Beginn des Endes

Leserkommentare

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Vander

Dieser Thread bezieht sich auf diesen Artikel:
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Gelungenes Review zu einer mehr als gelungenen Scheibe! Aber liebste Velvet, das ist deutscher BM, das weisst du, oder? Very Happy Und er klingt auch ziemlich typisch deutsch, hrhrhrhr...

Edit: Was sagst du denn bisher zu Lunar Aurora?
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velvet

Gelungenes Review zu einer mehr als gelungenen Scheibe! Aber liebste Velvet, das ist deutscher BM, das weisst du, oder? Very Happy Und er klingt auch ziemlich typisch deutsch, hrhrhrhr...

Das hab ich doch eben erst online gestellt Surprised
Hast du die ganze Zeit drauf gewartet, oder wie? Very Happy

Ja, mir ist bewusst, dass das deutscher BM ist, aber wie ich schon sagte, ich bin ja auch bereit, mich davon überzeugen zu lassen, dass es da auch nicht albernes gibt Wink


Edit: Was sagst du denn bisher zu Lunar Aurora?

Öhm, ja *schäm*, da hab ich mich bislang noch gar nicht gross weiter mit befassen können... Sad waren aber auf jeden Fall auch interessante Songs bei, die nich so anstrengend waren Smile
Vielleicht komm ich ja morgen mal dazu, nachher is erst mal Geburtstagsessen angesagt (nicht von mir), da wirds wohl heute nix mehr mit Musik hören... hab mir aber mal Ars Moriendi und Mond besorgt Wink

velvet
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Vander

Bin während dem Lernen eigentlich ständig auch online und war wohl Zufall, dass ich genau dann drauf geguckt habe *g*

Ars Moriendi ist mein Lieblingsalbum von Lunar Aurora Smile Ich hoffe, du schreibst ein Review dazu Very Happy
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velvet

Bin während dem Lernen eigentlich ständig auch online und war wohl Zufall, dass ich genau dann drauf geguckt habe *g*

Aaaach, pappalapapp, faule Ausreden Very Happy Razz

Ars Moriendi ist mein Lieblingsalbum von Lunar Aurora Smile Ich hoffe, du schreibst ein Review dazu Very Happy

Nee, du das hat Päddl schon getan, Very Happy


velvet

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Zu dieser Rezension:

Autor:
Velvet

Bewertung:
9 von 10 Punkten

So bewerten wir...

Weiteres:

Label:
Folter Records
Band-Webseite:
www.todtgelichter.de
Release:
25.06.2007

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Leserwertung:
9.1 Punkte / 6 Stimmen

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Artikel eingestellt:
10.11.2007

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