Huch. Krass, was da auf meinem Tisch landete. Die deutschen Schwarzwurzel-Phantasten TODTGELICHTER giessen wieder Öl ins Feuer gemarterter Seelen. Und kokettieren dabei wie gewohnt mit Unmengen Blut, Hass, Selbstentkörperung (von Mord kann hier keine Rede sein), Schmerz und Naturgewalten aller Art, dass jeder B-Movie-Macher blass vor Neid wird.
Das tun TODTGELICHTER auf eine Weise, die alles ist, nur nicht gewöhnlich oder gar plakativ. Hier ist nichts gewöhnlich, nicht der Name, nicht die Musik, nicht die Texte, und nicht die Wirkung. TODTGELICHTER haben eine sehr eigene Art, ihre Kunst auszudrücken. Beschreiben kann man das eigentlich kaum.
Was mir aber auffällt ist, dass TODTGELICHTER an ihrem Songwriting stark gefeilt haben, "Schemen" ist vielschichtiger als seine Vorgänger, dadurch aber auch ein wenig sperriger. Es braucht schon ein paar Durchläufe, bis man der Komplexität ihre Schönheit abgewinnen kann. "Schemen" ist insgesamt ruhiger, abgeklärter, aber dadurch nicht weniger aufwühlend und verstörend. Und das wichtigste, es ist Black Metal, von vorne bis hinten, selbst in den leisen Momenten.
Das dreiminütige Intro "Impuls" ist instrumental und führt den Hörer in eine beinahe psychedelisch anmutende Atmosphäre mit seinem entrückten Frauen'gesang', der von ausserhalb der Realität nur Echos wirft. Und dieser Schatten aus einer anderen Sphäre ist Thema, wenn in "Larva" der Protagonist die Szenerie betritt. Ich kann nicht anders, der Aufbau, die Dichte, die Spannungsbögen, das alles kennt man aus dem Theater. "Segen" spiegelt die innere Zerrissenheit, ein noch Zögern, ob dem Drang nachgegeben werden soll. "Blutstern" ist die Befreiung, die Erlösung, das der Gier Nachgeben. Das reflektiert sich auch in der Musik, die regelrecht aufreisst aus ihrer Verschlossenheit und in Raserei über den Hörer hereinbricht. Aber es ist auch ein sehr melodischer Song in seinen glückseeligen und auch den leisen Momenten. Melodisch und eindringlich malt "Für Immer Schweigen" ein weiteres blutiges Bild ans Firmament des Geistes, pulsiert im Takt des Herzens durch Venen, Gedanken und Erinnerungen an Alpträume. Und ein Alptraum ist das nächste Kapitel "Aschetraum" im Schauspiel des Grauens vor der eigenen Art. '
...und mir träumte einst von glühendheißer Lava, die in meinem Innersten brannte. Und als ich es nicht mehr aushielt Da ward ich Vulkan'. Krasser Film. Das extreme "Hammer" prügelt von Beginn an berserkerartig wütend auf die letzten zarten Regungen der Seele ein, und bringt doch nur zu Ende, was diese Welt begann. Mit allem Hass, mit aller Verachtung schlägt der Hammer maschinenartig auf das Leben selbst ein. "Beginn des Endes" endet diese Odysee, wie sie begann, mit der Frauenstimme aus dem ersten Lied. Lieblich, bittersüss, aber nicht versöhnlich....
TODTGELICHTER haben ihren Schmerz und ihre Misanthropie auf einem Level kultiviert, das seines gleichen sucht. Sie leben Arroganz und den elitären Anspruch in vollen Zügen aus, den Black Metal seit den Anfangstagen so begierig immer wieder nur kopiert, statt die Grenzen zu überschreiten und neue Dimensionen zu unterwerfen. TODTGELICHTER reissen ein grosses Loch ins Tuch der schwarzmetallischen Realität, und das gilt nicht nur für den musikalischen Aspekt.
"Schemen" ist das bislang ausgereifteste Werk der Nordlichter aus Hamburg, und wer die Vorgänger mochte, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Allen anderen empfehle ich die Songs mal auf der myspace-Seite anzutesten. Empfehlenswert.
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