Eigentlich schreibe ich in die Einleitung immer gerne etwas zum Hintergrund einer Band, BROCKEN MOON machen es einem da allerdings ziemlich schwer. Das Projekt besteht aus Grim, der auch bei AASKEREIA und WOLFSTHRON seine Stimmbänder malträtiert und einem ominösen Herrn namens Humanhater, der sich aber, soweit ich das beurteilen kann, noch nie im Internet hat blicken lassen, es gibt keinerlei Infos, auch das Projekt-eigene Label Black Metal Mafia verfügt natürlich über keine Website, und auch Grim, der der Öffentlichkeit nicht ganz so abgeneigt gegenüber steht, hat in keinem der auffindbaren Interviews jemals auch nur eine einzige Frage zu BROCKEN MOON beantwortet. Mich würde auch nicht wundern, wenn BROCKEN MOONs MySpace Profil über kurz oder lang wieder verschwindet, viel Informationen gibt es dort eh nicht, ausser je einem Teaser zum vorherigen Album "Mondfinsternis" und eben diesem, "Das Märchen vom Schnee".
Dieses Album erschien bereits einmal Anfang des Jahres über die Black Metal Mafia, war aber auch gleich wieder ausverkauft, Northern Silence ist nun so nett und macht es einem breiteren Publikum zugänglich, und eben jenes sollte auf jeden Fall in das Märchen hineinlauschen, das hier in sechs namenlosen Kapiteln vorgetragen wird, die unterschiedliche Situationen bzw Schauplätze der Handlung repräsentieren. Diese ist ein offenbar selbst verfasstes Märchen über den Ursprung des Schnees. Ein kleines Feenmädchen wird aus einer Glockenblume geboren, lebt in und mit der Natur, bis eines Tages ein wundervolles Licht es anlockt, raus aus ihrem lichten Sommerwald und hinein in die Kälte, in einen anderen Teil der Natur, der bedrohlich und beängstigend und dunkel ist. Als der Mond wieder durch die Wolken hervorbricht, kehrt auch das wundervolle Licht zurück...
Viel mehr möchte ich zur Handlung nicht verraten, die schon sehr eigenwillig ist, aber auch musikalisch lassen sich BROCKEN MOON nicht einfach in eine Schublade stecken. Black Metal, natürlich, und gewisse Ähnlichkeiten zu AASKEREIA lassen sich auch nicht bestreiten, auch Ambient findet seinen Raum hier, aber "Das Märchen vom Schnee" ist noch mehr Kunst als nur Musik, zu der wohl jeder seinen eigenen Zugang finden muss. Die Musik ist nicht sonderlich komplex oder sperrig, die Türe steht quasi weit offen, man muss nur hindurch gehen. Aber die Welt dahinter ist trotz der bildgewaltigen Geschichte sehr abstrakt, findet fernab unserer Realität statt. Die Musik selbst arbeitet auf einer archaischen Ebene, da wo auch Märchen arbeiten, an der Schnittstelle zwischen Unterbewusstsein und Bewusstsein, nicht immer greifbar, aber immer fühlbar.
So fällt es auch nicht leicht, die Musik zu beschreiben, alles, was musikalisch passiert, zielt einzig auf die emotionale Darstellung ab. Von der lichten Sommerwiese geht es weiter in die Nacht, in die Schatten, und im Dunkel diesem Licht hinterher, mal verträumt, mal ängstlich, neugierig. Man spürt den kalten Hauch des Windes über den Rücken streichen, und im letzten, rein instrumentalen Stück wird man selbst zu den Schneeflocken, die im Schein des Mondes über den zugefrorenen See tanzen.
Zum Einsatz kommen für eben diese Darstellung neben der üblichen Black Metal Instrumentierung auch Akkustik-Gitarren und allerlei Geräuschkulisse, die den jeweiligen Schauplatz weiter auskleidet, ohne aber kitschig zu werden. Wer mit Bands wie AASKEREIA, NAGELFAR, ODIUM IMMORTALIS und ähnlichem was anfangen kann, der wird auch mit BROCKEN MOON bestens bedient, "Das Märchen vom Schnee" ist eine wirklich sehr gelungene Reise in die archaische Welt der Mythen und Märchen.
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