Die Niedersachsen FINAL CRY aus dem Weserbergland treiben bereits seit 1989 ihr Unwesen, die damals allerdings noch unter den Namen PARRICIDE und AVALON firmierten, ehe man sich 1993 auf den neuen Namen einigte. Seitdem erschienen zwei Demos und drei Alben. „Neptune's Relief“ wäre dann Werk Numero vier, das allerdings bereits im letzten Jahr veröffentlicht wurde, uns jedoch erst nun vorliegt.
Was da aus den Boxen dröhnt, ist schneller, kraftvoller und abwechslungsreicher Heavy Metal, der sich in traditionellen Bahnen bewegt, allerdings zeitgemäß produziert wurde. Die sägenden Gitarren haben unheimlich viel Druck und der aggressive Gesang passt sehr gut zu der Mucke der vier Jungs und dem einen Mädel, wobei Sänger Mario Reese auch die melodischere Seite drauf hat, wie er z.B. bei „Riddle Of The Sands“ beweist. Die immer wieder eingebauten langsameren Parts dürften vor allem live gut ankommen, sorgen aber auch auf CD für Abwechslung. Desöfteren wird die gängige Songstruktur durchbrochen wie z.B. beim Titeltrack, wo es nach dem Solo eine Art Break zu hören gibt.
Insgesamt kann man die Band schon in den Thrash Metal einordnen und irgendwie erinnern mich FINAL CRY an eine bessere Variante von HOLY MOSES. Ebenfalls prägnant sind neben den Riffs sicherlich auch die immer wieder eingestreuten Gitarrenmelodien und –harmonien. Auch technisch lässt die Truppe nichts anbrennen und spielt einfache wie komplexere Parts problemlos runter. Herausragende Tracks gibt es auf der CD zwar nicht unbedingt zu hören, aber nach einigen Durchläufen haben die Songs ihre Klasse entfalten können. Was mir ein wenig fehlt, sind ein paar eingängige Refrains, die man in bester Thrash Metal-Manier mitgröhlen kann, wie es lediglich bei „Riddle Of The Sands“ der Fall ist.
Lyrisch orientiert die Band sich neben der Liebe und dem Verlust auch an der Literatur und den Poeten und das ist wirklich interessant für diesen Musiksektor, auf dem sich FINAL CRY bewegen. So beinhaltet „Through Halls Of Coral“ Zitate aus G. G. Byrons „Manfred“ aus dem Jahr 1817. Der Titeltrack wurde inspiriert von Herman Melvilles „Moby Dick“ aus dem Jahr 1851 und „The Scarlet Sleep“ von Georg Heyms „Letzte Wache“ (1911). Auf die Musik selbst hat dies alles zwar keinen Einfluss, aber man hebt sich damit natürlich von der Masse ab.
Zu erwähnen wäre noch die gelungene Coverversion „Plunging To Megadeth“ von HALLOWS EVE, die musikalisch sehr gut zu der Band passt und eine geile Scheibe perfekt abrundet, an der es kaum etwas auszusetzen gibt. Die Scheibe kann man für zehn Euro inklusive Porto und Verpackung bei dem Label der Band bestellen: OTR Productions, Otto Raab, Franckestr. 13, 91052 Erlangen,
www.otr-productions.de
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