Der Herbst, die Tage werden kürzer, die Schatten länger und Nebelschwaden durchziehen die Wälder. In diese Stimmung wird man von MÖRKER geworfen, gleich von den ersten Klängen an. Dabei ist der Herbst nicht nur Jahreszeit, sondern Sinnbild, für eine siechende Welt und für mit ihr siechende Leben. Musikalisch umgesetzt in einer durchaus eigenen Mischung irgendwo zwischen Pagan und der suizidalen Version von Black Metal, mit krachenden Cymbals in melancholischen Folkmelodien, verträumt treibenden Rhythmen und dominanten Gitarrenläufen.
Die Gitarren sind gar nicht so extrem verzerrt, bringen aber dennoch eine angenehm schrammelige, krachige Wucht mit, was mit den krachig inszenierten Drums gut harmoniert. Ebenfalls schön integriert ist das heisere Krächzen, mit dem sich Ascaroth durch seine emotionalen Abgründe bewegt. Hier und da werden weitere Folkinstrumente eingestreut, sehr organisch in den Sound eingewoben. Auch das Piano kommt sehr dezent zum Einsatz, wie zum Beispiel in "I Kamp Mellan Liv och Död", ein folkig flottes Stück, in dessen Bridges das Piano interessante Akzente setzt.
Kontraste sind wichtiges Stilmittel der Musik MÖRKERs, treibend folkige, oftmals beinahe ausgelassen wirkende Rhythmen werden von unendlich traurigen Melodien kontrastiert, wie in "Själen vandrar sin egen väg" oder auch "I Flodens forsande brus", das pure Verzweiflung völlig natürlich in die Folkmelodie verwebt. "Segertåg" ist dagegen fast rockig ausgefallen und treibt gut voran, ohne übermässig schnell zu werden, lässt aber auch der Melancholie ihren Raum. "Mitt Arv" zelebriert dann SuicideBM auf hohem Niveau, heftigst krachende Cymbals mit verzweifelt schönen Riffs, deren Schönheit an die von ABYSSIC HATE erinnern, schneiden sich tief in die Seele, immer noch eingebettet in die sehr natürlich wirkenden Folkmelodien. "Dödsångest" ist eine mit Spannung inszenierte Befreiung vom Willen zum Leben, zu Beginn mit Angst, ein gehetzter Geist rekapituliert die Sinnlosigkeiten des Seins in harschen Wechseln aus gehetzten Rhythmen und melancholischen, aber nicht leisen Melodieläufen und kulminiert in enspannter Erlösung, die von dem intrumentalen "Dödens Visa" aufgefangen wird.
Von dem ebenfalls instrumentalen "Undergangen" hätte ich gerne mehr gehört, eine unglaublich schöne Melodie zaubert eine angenehme Gänsehaut und entführt den Geist auf eine Traumreise in die Nebel, ist aber nach knapp einer Minute leider schon wieder zu Ende. Aber die Schönheit bleibt erhalten, wenn "Själen Vandrar Sin Egen Väg" mit krachenden Cymbals in purer Melancholie diese Welt verlässt und mit dem "Falk" gen Sonnenuntergang entschwebt. Der Titelsong "Höstmakter" ist die musikalisch inszenierte Unausweichlichkeit des Herbstes, eine Zeit, in der alles allmählich stirbt, die Bäume verlieren ihre Blätter, die Sonne wird blasser, die Natur zelebriert ihr eigenes Sterben in ästhetisch bunten Farben und die Seele sehnt sich nach der Heimkehr in die Unendlichkeit. "När allt är över" begegnet dem Sein mit der ihm gebührenden Gleichgültigkeit, leise wird der Hörer entlassen.
"Höstmakter" ist ein Album voller herbstlich verfärbter Melodien, die sich wie Blätter über die Seele legen, während die kaltorange Sonne am Horizont Farbspiele in die Abendnebel zeichnet. Ein Album, um sich mit einem guten Glas Wein hinzusetzen und sich treiben zu lassen...
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