Volle Kraft voraus! So lautet das Motto der griechischen Band HEATHENDOM, die sich zwar grob an den texanischen Doomgöttern SOLITUDE AETURNUS orientieren, daneben aber auch eine Menge theatralischer Power - und Horrormetalelemente verarbeiten. KING DIAMOND meets SOLITUDE AETURNUS passt so in etwa.
Der Klang der Scheibe ist fett wie nichts, hat seine Natürlichkeit aber nicht eingebüßt. Die Songs an sich sind schmissig komponiert, werden mit immenser Leidenschaft für Doom und Powermetal gespielt. Einer Leidenschaft, die fast an Besessenheit grenzen will. Das große Geschleppe fehlt bei HEATHENDOM, weswegen ich sie noch eher in Richtung majestätischen Mid Tempo Powermetals einordnen würde, dann aber sind CANDLEMASS mit "Chapter VI" und "Tales of creation" auch nie auf Dauer langsam gewesen.
Mit "Burn" gibt es den ersten Überhit, der einen einfachen, aber unheimlich emotionalen Refrain offenbart, einen doomigen Mittelteil mit makaber - clownesken "lalala" Einlagen und mittelalterlichem Feeling auf den Hörer loslässt und einen mit seiner schieren Kraft beinahe erschlägt. Warum klingen nicht mehr aktuelle Powermetalbands so wie HEATHENDOM, lustvoll, wild und eindringlich. Den Stil neu erfinden kann niemand, ihn zu erfrischen ist aber möglich und das machen diese Griechen.
Die Keyboards hätte man im Grunde nicht gebraucht, aber sie treten nur sporadisch in Erscheinung und untermalen einige besonders dramatische Abgänge oder vertiefen die Atmosphäre in sanfteren Momenten. Paßt also schon. Der Bass gefällt mir, kommt er im Mix doch sehr gut durch und wird von einem wahren Könner gezupft. Anbrennen lassen HEATHENDOM sicherlich nichts, man merkt ihnen die zehnjährige Erfahrung an. Wenn sich doch alle jungen Bands nur soviel Zeit lassen würden.
Mit diesem Album verblasen die Griechen leicht einen gewaltigen Teil der europäischen Powermetallandschaft. Man möge nicht vergessen, sie sind noch immer als Doommetal klassifiziert. Mein erster Höreindruck schien ein nur knapp überdurchschnittliches, aber doch rasch abbauendes Album zu zeigen. Der zweite und dritte Durchlauf brachen dann meinen Widerstand und inzwischen hat es mich komplett erwischt. Solange also der CANDLEMASS Klampfer im Knast sitzt und die Schweden damit ausfallen, können sich HEATHENDOM mit einigem Geschick locker auf den Doomolymp schwingen und die Szene mit neuem Futter versorgen, bis die großen Skandinavier wiederkehren.
Im Vergleich mit dem ganzen wirklich guten Stoff der letzten Jahre sind HEATHENDOM verdammt weit vorne. DOOMSHINE sind vergessen (und das trotz eines packenden Klopfers von einem Album), FORSAKEN halten nicht ganz mit, auch wenn mit "Via crucis" DER Hitsong im epischen Powerdoom immer noch auf ihr Konto geht. HEATHENDOOM sind einfach überwältigend. Mit ihrem Album im Gepäck sollten sie den Schritt über den Atlantik wagen und die USA niederbrennen können. Sicherlich, das hier ist orthodoxe Ware, das sind Melodien, die man so oder so ähnlich bereits in den letzten zweiundzwanzig Jahren seit "Epicus Doomicus Metallicus" aus aller Welt gehört hat, aber darauf kommt es ja auch nicht an. HEATHENDOM, ich sagte es oben bereits, zelebrieren den doomigen Powermetal und kräftigen Doommetal mit quasi schon religiöser Hingabe am Rande der Willenlosigkeit und darüber hinaus.
Mein Nacken ist vom Headbangen schon ganz steif, da hilft jetzt nur noch eine Massage meiner Liebsten und eine schöne Jazzplatte als Entspannungsmaßnahme. Ich strecke vor HEATHENDOM die Waffen und freue mich insgeheim schon auf die nächsten Durchläufe!
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
9,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Metal on Metal
Band-Webseite:
www.heathendom.tk
Release:
15.07.2008
Leserwertung:
9.3 Punkte / 3 Stimmen
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Artikel eingestellt:
08.08.2008
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