Thüringen scheint ein Kreativpool im deutschen Metal zu sein, grad bei den deftigeren Kapellen. BA'AL tanzen dort zwar durch ihren brutalen, apokalyptischen Deathmetal etwas aus der Reihe, da sonst viele Blackmetal und Paganbands aus den thüringischen Wäldern entfleuchen, aber sie machen ihre Sache sehr gut, spielen mit Leidenschaft und Besessenheit ihre sehr intensiven Stücke direkt in unsere Seelen hinein.
Man kann die Band nicht auf eine lokale Deathmetalszene zurückführen, weder die skandinavischen, noch die britischen, noch die amerikanischen Gruppen haben allzuviele Spuren hinterlassen und doch sind BA'AL ihre geistigen Kinder, die sich aus dem Schatten der großen Urväter freigeschwommen haben. Der Gesang allein ist schon komplett überdreht, geisteskrank, ekelhaft und grausam, wie es sich für Deathmetalvocals gehört. Keine Spur von Melodie entströmt der Kehle des guten Julian. Dafür sorgen die Bandkollegen Steffen und Stefan im Gitarrenbereich mit viel Schmissigkeit und einer guten Portion Dramatik. Basser Peter und Drummer Matthias zocken mit beängstigender Genauigkeit unter all den Riffgebirgen peitschende, treibende Rhythmen, die trotz ihrer willenlos scheinenden, maschinenhaften Präzision mit pulsierendem Leben gefüllt sind.
BA'AL haben eine sehr epische Art und Weise, ihre majestätisch großen Songs zu präsentieren. Ich habe lange keine so wilde und doch hitverdächtige Deathmetalkapelle aus deutschen Landen mehr erlebt. Die wuchtige Brutalität der Band sorgt dafür, daß sich trendige Mainstreamkonsumenten mit schwersten Krämpfen in ihren ausgekotzten Eingeweiden wälzen werden. Yessir, hier kocht die Hölle über. Eventuell kann man grob BLOODBATH und BOLTTHROWER als Eckpfeiler der BA'ALschen Kreativität nehmen, aber wie gesagt, sie sind zu eigen, um generell auf die Vorbilder festgenagelt zu werden. Und zu gut noch dazu. Hier stimmt das Songwriting endlich wieder. Mit der Zeit wird man den einen oder anderen Minihit für sich entdecken, so wie dereinst bei der Welle der frühen 90er noch üblich. Sind BA'AL einfach achtzehn Jahre zu spät dran? Niemals, ihr Sound ist brandaktuell und doch herrlich traditionell und orthodox.
Sie geben dem Genre keine Innovationen, aber spirituelle Impulse. Ihre Musik entsteht aus purer blasphemischer Liebe zum Deathmetal und das bekommt der Hörer zu spüren. Spätestens wenn er benommen auf dem Rücken liegt und in wilde Verzückung verfallen die packenden Riffs auf einer imaginären BC Rich nachspielt, wird ihm die Erleuchtung nicht mehr fern sein. Solche Killeralben sind echt selten geworden in unserer Zeit.
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
9 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Maintain Records
Band-Webseite:
www.baalmetal.com
Release:
06.06.2008
Leserwertung:
9.7 Punkte / 3 Stimmen
Eigene Wertung abgeben:
abstimmen
Gelesen:
1300 x
Artikel eingestellt:
08.08.2008
Bookmark: