Süßlich romantischer Doomdeathmetal aus Russland kommt hiermit auf meinen Tisch, wobei das süßliche Element durchaus von Verwesungsduft stammen kann. Ja, diese Band hat es mit Düsternis und morbidem Ausdruck trotz sehr ausführlicher Melodieführung und betörend schöner Leadgitarrenharmonien. Aber irgendwie ist die russische Doomdeathszene für solche Truppen von großer Intensität bekannt, wie es u.a. VO SKORBYAH beweisen, die ebenfalls im letzten Jahr ihr Debütalbum veröffentlichten.
REVELATIONS OF RAIN bevorzugen eindeutig die schleppenderen Geschwindigkeitsregionen, kriechen jedoch nicht durchgehend, sondern haben auch leichtere Passagen mit tänzelndem Beat und Headbangerriffing. Darüber zelebrieren die Keyboards eine heilige Messe von großer Helligkeit. Allerdings hält solche Euphorie nicht lange an, der zähflüssige Doom holt sich sein Territorium stets zurück und das mit noch stärkerem Ausdruck von Qual und unendlicher Trauer.
Spielen können die Vögel wirklich ausgezeichnet, beim Sound kann man ebenfalls nicht meckern. Die Songs an sich sind schmissig und leidenschaftlich auf ihre ganz ureigene Art. Ich würde hier als Vergleich eine Mischung aus WHILE HEAVEN WEPT und steinalten ANATHEMA mit etwas MY DYING BRIDE als geschmackliche Abrundung einbringen. Ihr lest schon, es ist nicht innovativ, was uns hier an guter Musik geboten wird, aber dennoch höchst liebenswert, von kaum zu benennender Anmut. Denn im höchsten Glück der Liebe, in innigster Romantik, steckt oft nicht nur ein Fünkchen Wehmut vor dem bereits zu erahnenden Ende und Niedergang, sei es der Niedergang schöner Momente oder der des Lebens insgesamt. So klingen REVELATIONS OF RAIN, verzweifelt liebend, sich in ihrer Erfüllung suhlend und jauchzend vor unbändiger Lebensfreude, sich des Todes aber ultimativ bewusst.
Diese russische Band weiß wirklich genau, was sie hier auf diesem Album tut. Leider fehlen die ganz großen markanten Stellen, die aus sehr guten Songs absolut unverkennbare Hits werden lassen. Daran aber feilen ROR noch. Es ist auch so, daß durch die Langsamkeit und die daraus resultierende Sperrigkeit der Musik die Stücke viele Durchgänge brauchen, bis sie sich richtig in die Seele des gebannt Lauschenden eingebrannt haben. Für Doomdeathlunatics eine absolut lohnende Anschaffung.
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
8,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Solitude Productions
Leserwertung:
noch keine Wertung
Eigene Wertung abgeben:
abstimmen
Gelesen:
757 x
Artikel eingestellt:
13.08.2008
Bookmark: