Und noch mehr Doomdeath aus der russischen Talentschmiede Solitude Productions bzw. deren Unterlabel Bad Mood Man Music. MOURNFUL GUST schimpft sich diese ukrainische Band und legt uns gerade nach dem 2000er Debütalbum ihre zweite volle CD vor.
Der Opener ist ein schön schwerfälliger Klopfer mit einigen fantastischen Riffharmonien, grandiosem Gekotze voller Schmerz und ohnmächtiger Wut, der über neun Minuten lang seinen Zauber entfaltet. Keyboards, tonnenschwere Gitarren, alles eben, was des Doomdeathers Herz begehrt. Auch Passagen mit Stakkatogitarren und Keyboards, die man so eher auf einer aktuelleren Progmetalscheibe erwartet hätte. Nicht übel.
Schon "It's our own tragedy" zeigt die Band dann von einer anderen Seite, entpuppt sich als ein Konglomerat aus Doommetal von höchster Emotionalität und altem, sphärischem Gruftrock der getrageneren Art. Der Gesang besitzt eine schon fast ICED EARTH mässige Dramatik. Ich kann auch folkige Anklänge vernehmen, die gerade in den ruhigen Momenten des Stückes gut herausgearbeitet werden. Wohin wollen die Ukrainer hier mit uns?
Folkig und ruhig ist "To your deceits...again" im Anfang, wobei das folkige Melodienelement sich hartnäckig hält. Die nordische Kühle, die hymnischen Leadgitarren, das majestätische Feeling des dahinwogenden Stückes, ich bin geneigt, an die "Tales from the thousand lakes" Gottheit der finnischen Ex Doomdeather AMORPHIS zu denken, die Parallelen sind offensichtlich. Aber MOURNFUL GUST machen ihrerseits eine sehr gute Figur und haben ein schönes Lied geschrieben mit grollendem Deathmetalgekotze und den herrlich gefühlsüberfrachteten melodischen Vocals. Querflötenklänge bereichern das schöne Stück noch weiter. Da 1994 ja bekanntlich lange vorbei ist und AMORPHIS inzwischen eher progressiven bis psychedelischen Hardrock spielen, können sich alte Fans, die noch immer den damaligen Kultscheiben hinterhertrauern, jetzt an diesem Stück laben.
MOURNFUL GUST haben erkannt wo der Hase läuft. Gefühl ist das Stichwort. Diese Musik muss emotional sein, die Melodien müssen groß sein oder es darf sie gar nicht geben. So schwelgen die Ukrainer dann zuweilen in üppigen Harmonien, setzen zwischendurch aber auch auf düster - gruftige Slowdeathmomente, welche die Melodienseligkeit der Band geschickt kontrastieren, damit sich der geneigte Hörer nicht erdrückt, nicht in einem Bottich an Schönklang ersäuft fühlt. Weder diese typischen Keyboardpianoklänge, noch die Synthieteppiche, noch Gothicpomp stören das wundervolle Bild. So schrecklich ich dieses Genre auch allgemein finde, es gibt Ausnahmen von gigantischer Qualität und MOURNFUL GUST sind eine solche.
"From illusions to jealousy" könnte beinahe noch alten Progrock in sich tragen, ist auf jeden Fall wieder eine perfekte Mischung aus Gefühl, Dekadenz, Verspieltheit und Boshaftigkeit. Eingängig bis zum Erbrechen, aber auf gewisse Weise magenfreundlich. Vielleicht bin ich ja auch nur von der Heterosexualität abgekehrt und stehe jetzt auf fluffigen Bombastsound, der sich mit schwerer Süße wie von dunklem Honig auf die Sinne legt. Aber nein. Die meisten schuchteligen Bands dieser Sparte kann und will ich nicht anhören, auf den alten Gothicdeathdoom stand ich schon 1991 und gute Musik ist nun einmal gute Musik, mag mich der COTD steinigen, vierteilen, meine Überreste vergewaltigen und dann an die Schweine und Straßenköter verfüttern. Ich stehe voll zu meiner Meinung über dieses Album.
"The cold solitude" kommt wieder ganz ohne Grunzen aus, dafür ist der melodische Gesang emotional umso exaltierter. Der dahinwogende Doommetal des Songs würde sich beim DOOM SHALL RISE 2009 gut auf der Bühne machen. Insgesamt sollten Frank und seine Kollegen sich überlegen, diese Band hier statt der komischen Dronekapelle zu buchen, auch wenn die ganzen True Doomer erstmal aus der Halle flüchteten. Feines Stück Musik, um nochmal auf den Song zurückzukommen.
Erst wird es in "With every suffering" ganz heavy und düster, dann kommen eingängige Melodien mit etwas rauerer Stimme dargeboten, dann wird es ruhig, besinnlich und leicht folkig, dann kehrt man wieder zum Doomdeath zurück, nachdem man eine etwas treibendere Metalpassage eingeflochten hat. Und weiter wird geschwelgt. Trotz des dämonischen Gewürges vom Shouter ist diese Musik schon fast wie ein Lustwandeln durch einen ebenso farbenfroh blühenden, wie auch schon verfallenen Garten. Dass hier dann noch diese Gothicpopharmonien dazwischenfunken macht den Song nicht schlechter. Das Gesamtbild ist stimmig und reißt unweigerlich mit.
"Honey with my wounds" ist eine kurze Pianoballade mit Bombastoverkill für vier italienische Speedmetalkapellen, aber auch hier bewahrt die Band Anstand und lässt den Song nicht zu sehr ins Kitschige abtreiben. Ich lasse das gute Stück mal so durchgehen, weil gleich danach "Recover me in sores" kommt, melodischer Doomdeathmetal mit eben jenen großartigen, gigantischen Melodien, folkigen Referenzen, überwältigenden Gefühlen und der epischen, machtvollen Ausstrahlung, die eine solche Musik mit sich tragen muß. Ein paar verspieltere Momente deuten wieder gen Prog, was den Fluß des Stückes nicht verlangsamt. Ruhige Parts mit schönem Gitarrenheldensolo sind im Preis inbegriffen. Dekandent, fürwahr. Aber warum soll man sich nicht auch einmal was gönnen? Nur bodenständigen Boogie kann ich nicht jeden Tag ab.
Potzblitz, ist das eine mächtige Scheibe, das ist ein 4 Gänge Essen im 5 Sterne Restaurant, das ist einfach erhaben. Und zugleich steht die Band mit beiden Beinen auf dem Boden, was dem Album eine solide Grundlage schenkt. Wer sich im Bereich bombastischen Doomdeathmetals mit Gothiceinschlag behaupten will, der hat sich an MOURNFUL GUST zu messen. Und nun schweben wir alle gemeinsam ab ins Asenreich, halleluja!
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
8,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Bad Moon Man Music / Solitude Productions
Band-Webseite:
www.mournfulgust.com
Release:
10.04.2008
Leserwertung:
8.7 Punkte / 3 Stimmen
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Artikel eingestellt:
23.10.2008
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