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THE WANDERING MIDGET - The serpent coven

THE WANDERING MIDGET - The serpent coven
REVEREND BIZARRE sind unwiederbringlich Geschichte, MINOTAURI in der Versenkung verschwunden, die anderen irgendwie alle inaktiv bis auf FALL OF THE IDOLS. Wie bekommen wir je wieder eine Heldenband aus Finnland zu Gehör? Und dann sind sie da. Nach einer CD EP von knapp 50 Minuten Länge mit Demotracks und neuen Songs gibt es nun das erste volle Album von THE WANDERING MIDGET. Und ich kann sagen, es ist ebenso orthodox wie erstklassig.

Nach einem kurzen instrumentalen Intro, selbst hier wird schon astreiner doomiger Metal geboten, geht es dreimal hintereinander in die Vollen. Den Anfang macht „Taynia“ mit fast elf Minuten Länge, welches von einer langen, majestätisch dahinfließenden Doommetalwoge getragen im Mittelteil in ruhige, verträumte Momente einfließt, nur um dann brodelnden, aufgewühlten Parts mit sehr dramatischen Gitarrenläufen den Weg zum Ende des Stückes hin freizumachen. Grandios. Der Gesang ist melodisch, mittelhoch, sehr pathetisch, kommt dem von Magister Albert bei REVEREND BIZARRE sehr nahe, hat aber auch eine eigene Note.

Diese Band ist charismatisch, soviel fällt einem gleich von Anfang an auf. „Family curse“ macht sich dann mit knapp vierzehn Minuten daran, „Taynia“ in Sachen Eindringlichkeit noch zu übertreffen. Das klappt ausgezeichnet. Hier kommen folkige Melodien vor, die sehr düster und traurig klingen, in ruhigen Parts nur mit hintergründig zu erahnender Percussion und Bassgitarre nebst Gesang und in den melodischen Heavy Metal Parts, die wie alter Britenstahl auf Kaugummi klingen. Die Grundmelodie vom Gesang ist so unendlich ergreifend, so schön, sie drückt das tiefste Unglück des Protagonisten aus und wird von Sänger und Gitarrist Samuel Wormius mit viel Leidenschaft interpretiert. Nach dem langsamen Trauermarsch raut sich die See auf und THE WANDERING MIDGET setzen auf einen mittelschnellen Trab, mit eingängigen, sehr mystisch - majestätischen Riffs. Dann eine rüde Unterbrechung, die Band setzt einfach aus. Ein verdrehter, beinahe progressiver Part mit folkigem Polkafeeling in gemässigter Geschwindigkeit wird uns vorgesetzt, versiegt aber rasch und macht Platz für eine umherwirbelnde Doomabfahrt, die klingt, als würde der Song gleich explodieren, doch da sind dann die tieftraurigen doppelläufigen Gitarrenmelodien vom Anfang wieder, welche an THIN LIZZY auf Doom erinnern. Diese Band hat sicher einen guten Fundus an Schallplatten im klassischen Hardrock und 70s Rock Stil daheim. Und wieder, trotz des steten Wirbelns des Drummers, stampfen die Wanderzwerge durch eine bedrohliche Klanglandschaft der Verdammnis. Gesang und Soli wechseln sich mit eindrucksvollen Läufen ab. Und schon ist es irgendwie vorbei, dieses Stück, bäumt sich noch einmal auf und verebbt dann.

Pause? Nee, vergesst es. Ein morbider Basslauf eröffnet „The thing from the Black Reef“, welches eine klassische Horrorstory zugrunde liegen haben sollte. Ebenso klassisch ist eigentlich der sinistere Lavametal, den THE WANDERING MIDGET hierbei auffahren. Genau auf zehn Minuten kommt das gute Stück und wird uns sicher mehr zu bieten haben, als die einleitende Passage uns weismachen will. Ja, natürlich hat man die Riffs und Gesangslinien irgendwie schon woanders gehört, aber waren sie besser? Oder ist das hier weniger durchdringend und intensiv? Doom, wie er von THE WANDERING MIDGET zelebriert wird, ist weniger Unterhaltungsmusik, sondern mehr ein uraltes Ritual unausprechlicher Kulte, welches Deine inneren Dämonen beschwört und Dich von allem Schmerz, ja sämtlichem Gefühlsmüll reinigt. Da ist es gleich, ob man gewisse Melodien zu kennen glaubt, die Intensität und der Ausdruck sind entscheidend. Und da kann ich dieser Band bei diesem Song nichts vorwerfen. Der Song an sich wogt schön im mittleren Tempo dahin, hat hier und dort auflockernde, hellere Gitarrenleads, Passagen mit nicht ganz so übel verzerrter Harmoniegitarre und bei den Gesamten Melodiestrukturen den Ausdruck archaischer Fokloremusik, nur eben sehr verlangsamt. Die Band kann aber auch schön schmierig und sludgy gen 70er Jamrock abschippern, wenn sie nur will. Doch das sind so kleine Verzierungen, quasi die Gewürze auf dem gebratenen Fleisch. Der blökende Basslauf vom Anfang erscheint wieder. Eine zurückhaltend gespielte Gitarre dazu, darüber dämonisch - boshaftes Lachen und wieder ein ebenso orthodoxer, wie zermalmend schöner Doompart. Yeah...

Nur acht Sekunden kürzer ist dann „Bring forth the accused“, welches nicht minder zermalmend und heavy daherschleicht und mir die alten REVELATION in den Sinn ruft. Wäre dieser beschwörende Gesang nicht, sondern ein nasalerer, weinerlicherer Stimmfall, dann könnte man tatsächlich an die Kultband aus Baltimore glauben. Nein, es sind unsere neuen finnischen Doomsuperstars. Aus dem Nichts gekommen, werden sie den nationalen Doomthron rasch erklommen haben. Diese Band weiß einfach zu betören, den Hörer einzusaugen in die dichte, mystische Atmosphäre. Und auch bei diesem Song kommen dann Läufe vor, die ihre Harmonien aus der Folklore entnommen haben, ohne dass man es direkt merkt. Man wird schöne Notenfolgen mitbekommen und lieben lernen. In der Songmitte gibt es einen wilden, der Welt entrückten Solopart mit Basssoli und Gitarrensoli, verspielt, freimütig improvisiert im 70er Stil gehalten. BLACK SABBATH, ganz eindeutig, oder? Sogar ein Drumsolo von furiosem Ausdruck wird kurzfristig in Gang gebracht, bevor die Band sich wieder auf den ursprünglichen Doomsound besinnt.

Der Titelsong zum Albumende hin ist dann ein heidnischer Beschwörungstanz mit hypnotischem Grundbeat und dunkler, aber irgendwie vom alten Blues entlehnter Gesangsmelodie. Die Riffs sind so puristisch Doom, wie sie nur sein können, die brodelnden, kochenden Gitarrenleads übelst verzerrt. Diese Platte ist ein verdammter Anachronismus, anders kann ich das nicht sagen. Die Band ist eigentlich so komplett innovationsfrei und urtraditionell, dass böse Zungen ihre Überflüssigkeit ansprechen könnten. Aber, fuck, doppelt fuck, dreifach fuck, dieses Doomritual gehört mit zum Besten, was die Szene weltweit je hergegeben hat. Die Emotionalität bei THE WANDERING MIDGET ist extrem hoch, die diabolische Lust, die brennende Leidenschaft. Kann man Sex neu erfinden? Niemals! Ist er trotzdem immer wieder schön? Ich rechne nicht mit einer Antwort auf diese Frage. Ja, diese Platte ist Seelensex der wunderbarsten Art und ich bin vollkommen hin und weg. Ich wüßte nicht, warum diese Band nicht jetzt schon als genauso gigantisch eingestuft werden sollte wie REVEREND BIZARRE? Die Spacerockabfahrt zum Songende hin ist einfach nur noch verrückt, das macht Dich komplett platt.

Ich brauche nach dieser Dosis Doom jetzt erstmal eine schöne Jazzplatte um die Ohren. Man liest sich...
Bei Amazon suchen! Bei blackscaped.de suchen! 01. Pillars Of Sapiris
02. Taynia
03. Family Curse
04. The Thing From The Black Reef
05. Bring Forth The Accused
06. The Serpent Coven

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Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9,5 von 10 Punkten

Weiteres:

Label:
Eyes Like Snow
Band-Webseite:
www.the-wandering-midget.tk
Release:
10.10.2008

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1277 x

Artikel eingestellt:
29.10.2008

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