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SERPENTINA SATÉLITE - Nothing to say

SERPENTINA SATÉLITE - Nothing to say

Peruanischer Doom und Heavypsyche oder Spacerock sind uns dank REINO ERMITANO und LA IRA DE DIOS schon ein Begriff, nun schweben SERPENTINA SATÉLITE nach mit ihrem zweiten Werk "Nothing to say". Und es ist eine Abfahrt sondergleichen, das kann ich Euch zwitschern.

Der Opener ist ein dahinmäandernder Klangstrom aus Gitarren, Synthies, Bass und Drums, der sich langsam aber sicher in Sachen Intensität steigert und in einer grandiosen Eruption sein leuchtendes Ende am Nachthimmel findet. Hier und da flüstert eine Stimme in der spanischen Muttersprache der Band. Treibender, härter und wilder wird es gleich drauf mit dem Titelsong, der straighten Heavyrock mit einem bluesigen Einschlag, 69er Protopunk und oft schon verdächtig in Richtung kosmischer Musik abfliegenden Spacerock in sich vereint. STOOGES meets ASHRA TEMPEL, das wäre eine fast korrekte Beschreibung. Der nur wenig in Erscheinung tretende Gesang ist in der Muttersprache gehalten, nach wie vor.

Bluesig und bis über beide Ohren zugedröhnt hallt es uns bei "The last drop" entgegen. Echogitarren, entspannt groovender Rock, ein mit knarzender Stimme darüber zusammenhangsloses Zeug, diesmal auf Englisch, von sich gebender Sprecher mit ebensoviel Hall überlagert wie die Gitarren, Soli zum Wegfliegen und ein über allem liegendes Aufbruchsgefühl machen diesen Song aus, als würde man sogleich mit seiner Raumfähre den Erdboden gen offener Galaxie verlassen, jedoch nicht ins tief schwarze Weltall, sondern durch knallbunte Tunnel einer anderen Dimension entgegen schweben. Yeah! Fast kommt mir die Band TIGER B. SMITH in den Sinn, alter deutscher Heavy / Psyche Rock, aber die waren deutlich weniger verflogen.

Rasch ist der letzte Tropfen (gemeint ist wohl flüssiges Acid) aufgeleckt, da geht es ab nach "Madripoor" (könnte irgendwo in Indien zu finden sein) und einem hypnotisch groovenden Rhythmusteppich werden eine verwegene Leadgitarre in Dauerbetrieb, rauschende, zischende, blubbernde und surrende Synthiesounds mit Spaceatmosphäre und härtere, zerrige Riffs hinzugegeben. Allein der Beat hält das Stück zusammen und den Hörer am Boden. Sehr kurz eigentlich, aber dafür auch sehr phreakig.

Natürlich wird das beste Stück für den Schluß aufbewahrt. "Kommune 1", eine Huldigung an die deutsche Hippiegemeinschaft der späten 60er, ein wildes, verkrautetes Stück jammigen Spacerocks, bei dem die Band schon einmal komplett chaotisch durcheinander spielt. Am Anfang höre ich nach kurzem Warmlaufen schwebende Leadgitarren, einen straighten Bass und einen packenden Beat, beides sehr gut dazu geeignet, den Hörer gleich zu hypnotisieren. Da sind dann aber auch harte Rhythmusgitarren, hallende Echoeffekte, bluesige Soli und ein Gefühl, als sei hier eine gigantische Orgie mit Drogen, Weibern und einer völlig entfesselten Band in Gange. Die Intensität dieser Orgie steigert sich ins Unermessliche. Insbesondere die Leadgitarre mit ihren klassischen Blueslicks, die jedoch durch das Echo immens verfremdet und weggedröhnt wirken, hält Dich gefangen. Oh, es dauert, bis man sich in dieses Durcheinander reingehört hat, bis man es lieben lernen kann, dürfte man eigentlich schon tot sein, es sei, man liebt es bedingungslos schon von der ersten Note an. FAUST hätten an solcher Musik damals ihre Freude gehabt, GURU GURU, CAN, solche Namen fallen mir ein. Synthies gibt es im ersten Abschnitt noch nicht so wirklich. Dann schwillt die kreischende, schrille Klangorgie langsam ab, wird zu einem dahinwabernden Fluß aus repetativen Basslinien, diesem Bass folgenden Beats auf der Eins, betörend monotonen Rhythmusgitarren und einer fast ausgepowert wirkenden Leadgitarre. SERPENTINA SATÉLITE drehen aber sofort wieder auf, lassen Schlagzeug und Bass wummern und donnern, während die Gitarren darüber mit viel Hall und Echo sirren.

Auf einmal bricht das Lied in sich zusammen, nur noch der Bass ist zu hören, dazu eine durch Wahwah und Oszillator gejagte Gitarre, die nichts als ein Schnarren von sich gibt, eine Kinderstimme spricht etwas, weg ist sie. Entspannte psychedelisch mystische Wüstenmelodien mit zwitschernden Synthies und zischenden Effekten belegt treten auf. Ein Klangschwall beginnt anzuschwellen, ohne daß sich die Rhythmen groß zu Worte meldeten. Echogitarren wie Walgesänge im besten David Gilmour Stil tauchen auf. Man könnte jetzt auch in einem alten PINK FLOYD Jamrocker gelandet sein. Gleich wacht man auf und Rick Wright steht neben einem, alles wird dann gut sein. Erste Rhythmen setzen wieder ein, es ergibt einen lockeren, schwerelos dahinspringenden Groove. Die Atmosphäre wird immer dichter, das Gefühl in meinem Kopf wird verdichtet sich ebenfalls. Als hätte alleine die Musik eine halluzinogene Wirkung. Gefangen in einem Klangtraum. Wow.

Die Leadgitarre rockt jetzt straighte Soli raus, die Rhythmen werden flotter und treibender, bleiben straight. Doch der Hörer, in diesem Fall ich als Rezensent, ist schon längst verloren, fällt durch einen Trichter mit Seitenwänden in sehr intensivem Rosa, die noch dazu mit türkisgrünen Wirbeln geschmückt sind, hinein in eine bodenlose Leere, in der es keine Zeit und keinen Raum zu geben scheint. Mag derweil die Musik auch noch so chaotisch und aus dem Rahmen gelaufen wirken, der Irrsinn hierbei hat Methode. Die Jungs von SERPENTINA SATÉLITE sind fantastische Musiker, die bei den größten der Großen in die Lehre gegangen sind und nun dem spacig psychedelischen Free Rock der 70er zu einer adäquaten Auffrischung verhelfen.

Eigentlich könnte ich LA IRA DE DIOS ganz und gar vergessen, denn das hier ist radikaler, wüster und gewaltiger, aber das ginge ja ins Dissen rein und das wäre ein Frevel. Sagen wir mal so, LA IRA DE DIOS machen den Spacerock auch dem eher straighten Gemüt vertraut, SERPENTINA SATÉLITE lassen einfach los, sie lassen sich und ihre Hörer fallen.

Dezent höre ich irgendwo auf dem Album auch ein Mellotron quietschen, nur wo? Oder ist das die Echogitarre? Auf jeden Fall schaltet diese Musik den Kopp aus. Bevor ich nun sämtliche Sinne abstelle und dann nicht einmal mehr Herr über meine Rechtschreibung bin, steige ich lieber aus dem Review aus und verweise alle Fans von alten PINK FLOYD, HAWKWIND, CAN, FAUST, GURU GURU, EMBRYO und ASHRA TEMPEL an Trip In Time respektive World In Sound Records. Holt Euch dieses fiese kleine Miststück! Phreak out, yeah! Das hätte Peter Fonda und Dennis Hopper 1967 gefallen.

 

 

Bei Amazon suchen! Bei blackscaped.de suchen! 01. The Last Drop
02.Nueva Ola
03. Nothing to say
04. Madripoor
05. Kommune I

Leserkommentare

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velvet

Na herzlichen Dank, das spart mir doch heut mal das Drogen- selber- Konsumieren, da wird man ja schon beim Review lesen breit von *muhahaha*
Lausche dem Zeug grad auf MySpace, schräg in der Tat, phreakig Very Happy

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Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9 von 10 Punkten

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Weiteres:

Label:
Trip In Time Records
Band-Webseite:
www.serpentinasatelite.com
Release:
15.11.2008

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Leserwertung:
8.8 Punkte / 9 Stimmen

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Gelesen:
2219 x

Artikel eingestellt:
14.11.2008

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