So, um erst einmal Verwirrung zu vermeiden, bei diesen COMMON GRAVE handelt es sich nicht um die Brutal Deather, sondern um ein Pflänzchen der Kategorie DepressiveBM. Nun ja, im weitesten Sinne, denn COMMON GRAVE brauen ein recht kreatives Süppchen aus progressiver, depressiver und experimenteller Musik mit verträumten, halb-akkustischen Einlagen, ohne aber in diesen durchaus genrefremden Momenten die Depressivität zu verlieren. Im Gegenteil muss man feststellen, dass die Ausbrüche schreiender Verzweiflung die lethargische Grundstimmung noch krasser wirken lässt.
"Il Male di Vivere" ist ein Konzeptalbum, das sich um die Idee der Spleens herum aufbaut, die entfernt eine gewisse Ähnlichkeit zu den von Baudelaire verarbeiteten Ideen in "Der Spleen von Paris" aufweisen; die personelle Demontage des Lebens nach der Erkenntnis, dass man keine Spuren hinterlassen wird, Sinnlosigkeit, Verzweiflung, Hoffnung und Fall kulminieren in einem vom Wahn und Manie getränkten, faszinierendem Wechselbad der Gefühle. Und was COMMON GRAVE musikalisch aus dieser Idee machen ist mehr als hörenswert.
Die unterschiedlichen emotionalen Schattierungen werden nicht gegenübergestellt, sondern bauen sich auseinander auf, Wutausbrüche enden plötzlich, aber nicht abrupt in einer lähmenden Lethargie, tränenverhüllte Momente schweifen ab in träumende Erinnerung, in denen der verzweifelte Schmerz für kurze Momente dem Vergessen überlassen wird, bevor er um so heftiger zurückkehrt. Hier fliessen manisch-wilde Drum- und Riffpassagen beinahe unmerklich in verträumte Akkustikmelodien, traurig in kreischenden Harmonien schwelgende Melodien explodieren in wütend jagende Angriffe, sich verzweifelt in Einsamkeit wälzende Passagen brechen in brodelnde Wut aus, ohne dass dies auch nur ein einziges Mal einen harten Bruch im Songfluss darstellen würde.
Man muss es einfach zugeben, Eerie Art hat ein absolutes Gespür für hochklassigen Düstermetal der besonderen Art. Nicht, dass "Il Male Di Vivere" schwer zugänglich wäre, dennoch offenbart das Album seine gesamte Schönheit erst nach und nach, wächst dabei stetig und verdient sich einen Platz in den vorderen Reihen der Veröffentlichungen dieses Jahres. Ein vielschichtiges Werk grosser Kunst, die aus den dunklen Fäden der Depression gewoben ist.
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