Da ist es wieder, dieses merkwürdige Pflänzchen aus dem Beet des paganen Metals. Des 'Black' hat man sich mittlerweile entledigt, was eher der grundlegenden Ideologie geschuldet ist als einer grösseren musikalischen Änderung. Hatte ich schon so meine liebe Not, mich in die letztes Jahr erschienene EP "Der Erde entwachsen (gewollte Wunden)" hereinzuhören, so habe ich die gleichen Probleme hier wieder, was allerdings rein gar nichts mehr mit der Musik zu tun hat, die hat sich nämlich ihrer songwriterischen Mängel, die ich noch für die EP angebracht habe, ebenfalls entledigt.
KERBENOK klingt nach wie vor wie ein knorriger Baum, roh und grob und rauh, hier aber nun doch auf deutlich höherem Niveau, was nicht zuletzt an der Beteiligung diverser Gastmusiker liegen dürfte, die den KERBENOKschen Klangkosmos mit allerlei hochwertigen Beiträgen bereichern. Sowas kann böse nach hinten losgehen und das Konzept verwässern, dieses Malheur ist hier aber nicht passiert, im Gegenteil intensivieren die Beiträge die Essenz der beiden Hauptprotagonisten. Nicht nur mit den üblichen Instrumenten, sondern es wird reichlich Folktypisches wie Cello, Horn, Querflöte, Klavier, allerlei Percussions und sogar weiblicher Gesang eingeflochten, und selbst das ist in das knorrig-rauhe Gewand gehüllt. Nein, typisch sind dessen Klänge jedenfalls nicht und wenn man es nicht weiss oder nicht drauf achtet, wird man zum Beispiel das heulende Cello auch nicht unbedingt als solches wahrnehmen. Knorrig und heulend wie Wind in morschen Gemäuern und von Kitschgedudel weit entfernt.
Auch die rauhe, tiefe Stimme ist Teil des für KERBENOK typischen Klangbildes, und durchaus reizvoll. Allein, ich habe mit manchen der Texte doch so meine Probleme, es schleichen in meinem Hinterkopf die ganzen bösen Wörter herum, von Okö über Mülltrenner bis Baumknuddler, und so manches Mal wedelt mir ein erhobener Zeigefinger vor dem geistigen Auge herum, wenn mir die ganze Geschichte zu belehrend wird. Dagegen gibt es aber, vor allem in der zweiten Hälfte der CD, extrem starke Songs, und eine gewisse Wut, die ja in Bezug auf die behandelten Themen doch auch angebracht ist, wohnt allen Songs inne, wo wiederum die wütend geknurrten Vocals letztlich auch das Album retten. Trotzdem bleibt es wohl eine Frage der eigenen Stimmung, ob man sich das in Gänze immer so geben kann.
So, nun aber genug gemeckert, denn es gibt eben auch solche Hammersongs wie das stolze "Frihet er våres", "Verstandes Klinge" oder das "Hardangervidda", das zwischen wild, ausgelassen und tief melancholisch wie selbstverständlich pendelt und ziemlich grosses Kino macht. "O" ist insgesamt ein sehr eigenwilliges Album, das sich zielsicher an den Kitschfallen des Pagan/Folk Metals vorbei bewegt und sich damit positiv aus der Masse der Trittbrettfahrer abhebt. Musikalisch auf jeden Fall eine Empfehlung wert und Fans der EP greifen hier sowieso zu.
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