Manche Labels oder Promoagenturen sollten aufpassen, wie sie ein Produkt anpreisen, denn das Geschmiere, welches stets mitgeschickt wird, wollte mir das russische Projekt OPAQUE LUCIDITY (zu Dt. undurchschaubare Klarheit) als "Funeral Doom" verkaufen. Gewiss, solche Anklänge gibt es hier, aber in dieser Musik steckt mehr, viel mehr. Und genau dieser Mehrwert hat bereits einige Schreiberkollegen vor OPAQUE LUCIDITY kapitulieren lassen. Aber wer wird denn vor den Russen kapitulieren? Ich jedenfalls nicht, ich verteidige jeden Fußbreit Boden um meine Stereoanlage herum gegen die schlechten Gedanken über vorliegendes Album, impliziert von eher einseitigen Hörgewohnheiten frönenden Schmier - und Tippfinken.
Denn OPAQUE LUCIDITY sind bei einem Metalpublikum vollkommen falsch aufgehoben, abgesehen vom sporadischen Auftauchen einiger durchgerissener Akkorde auf einer sehr stark verzerrten Gitarre und bis auf die grollende Grunzstimme. Der weiteste Teil aller vier Songs wird von ganz spartanischen Keyboardpassagen mit einem Ausdruck von düsterster, bis über das Skelett hinaus reduzierter Kammermusik und spacig grollenden, blubbernden und wabernden Synthies bestritten, die sofort an alte deutsche Elektronikhelden der kosmischen Musik denken lassen.
Wären statt der Grunzgesänge hier eher opernhafte Vocals vorhanden oder ganz verrückte Stimmäußerungen, so wären mir dunkelste "Rock in opposition" / Avant Garde / Kammerprog Helden wie UNIVERS ZERO oder SHUB NIGGURATH als Vergleichspunkte eingefallen, die es ebenso sehr liebten, Musik bis auf die Knochen blankzulegen. Aber ihr Geist, die Essenz ihrer Kreativität ist spürbar in den Klangwelten OPAQUE LUCIDITYs.
Sicherlich, das hier ist keine Unterhaltungsmusik, das ist der Soundtrack zu einem Film in Deinem Kopf. Viele Parts, gerade diese nackte Kammermusik, könnten als Untermalung für absolut trostlose Szenen in Kriminal -, Horror - oder Kriegsfilmen dienen. Trostlos, hoffnungslos, ohne Farbe und Leben. Ich denke, meinen Schreiberkollegen wird zumeist das Leben in dieser Musik fehlen und das macht ihnen Angst.
Dabei haben OPAQUE LUCIDITY ein stattliches Arsenal an Instrumenten aufgefahren. Synthesizer, Gitarren, Gongs, Violinen, da gerät man vor der Studiotür schon ins Schleppen. Aber sie wissen schon, wofür sie all diese Klangerzeuger gebrauchen. Wer frei genug ist, sowohl ESOTERIC, als auch TANGERINE DREAM in ihrer düstersten Phase während "ZEIT" und dann UNIVERS ZERO und SHUB NIGGURATH zu hören, der wird mit OPAQUE LUCIDITY eine Katharsis erleben. So wenig Action hier auch ist, so befreiend ist dieser Schlag.
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
8,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Bad Moon Man Music
Release:
30.12.2008
Leserwertung:
noch keine Wertung
Eigene Wertung abgeben:
abstimmen
Gelesen:
374 x
Artikel eingestellt:
18.03.2009
Bookmark: