Endlich haben es die schwedischen Doombrüder um den unermüdlichen ex COUNT RAVEN Basser Tommy "Wilbur" Eriksson zu einem gar nicht schlechten Deal und einem neuen Album gebracht. "Suffering in silence" ist fast fünf Jahre alt und mit dem selbstbetitelten Scheibchen hier steht nun das eigentliche Debüt in sämtlichen relevanten Läden. Ein guter Vertrieb macht es möglich.
Und "Semlah" bietet dem Doomhead seine gewohnte Kost in der natürlich erwarteten Qualität. Dahinschwebende, sehr intensive Läufe, wuchtig - hypnotische Metalriffs mit einer trotz der Langsamkeit recht aggressiven Rhythmik, Jolenis charismatisch eindringlicher Gesang, der jede vernünftige Heavy Metal Platte der letzten 20 Jahre zu einem Highlight gemacht hätte, vor Leidenschaft brodelnde, kochende Soli, die nicht allein aus Gefiedel bestehen, sondern durchaus betörende Melodien bilden. Ein erstes abwechslungsreiches Highlight ist der schleppende, immer wieder psychedelisierende Banger "Axioms of life", über acht Minuten lang und zutiefst mystifizierend. Dieses Lied spricht von Doommetal nicht allein als Musik, sondern als Religion.
Die schleppenden oder rein metallisch - epischen Komponenten sind nicht die einzigen Bestandteile der Musik hier. "My spirits fail" lebt von vielen groovigen, peitschenden Gitarrenläufen mit deutlich heavyrockigem Ausdruck, die einen eindeutigen Querverweis auf die 70er Vorbilder darstellen, ohne aber nur eine Sekunde angestaubt zu klingen. Sie haben Schwung und eine urwüchsige Kraft, die Dich nicht kalt lässt, die Dich packt und umherwirbelt.
Schon bei der bis auf ein paar gesprochene Worte am Anfang instrumentalen Einleitung "From the seat of false judgement" kriegt man ob der dunklen Tönung der Gitarrenläufe eine Gänsehaut. Der treibende "Path of a warning moon" Banger massakriert sogleich Deine Nackenmuskulatur auf ganz urtypische Weise, egal ob von CANDLEMASS; THUNDERSTORM oder FORSAKEN bislang dargeboten. Treibendes Mid Tempo in der Strophe, wogendes Gestampfe im Refrain. Hier sind dann auch noch mehrstimmige Leadgitarren, zermalmende Riffs und ein latentes Hymnenfeeling gegeben. Guter Opener, eher Doommetalstandard in den letzten Jahren aber allzeit ein vergnügliches Unterfangen.
Über "Axioms of life" hatte ich mich weiter oben ja schon ausgelassen. Da sind auch verspieltere, gewiefte Läufe dabei, die Dich nicht mehr loslassen. Der Schwenk in atmosphärischere, kriechende Gefilde bringt das Stück in eine neue Position. Man hat gar nicht den Eindruck, als wäre da ein Bruch im straighten Fluss der Musik. Der jeweilige Song gleicht einem lebenden Organismus und wechselt seine Stimmung ganz natürlich. Wie eine gute, tiefsinnige Geschichte, die Dich fesselt und von der Du nicht mehr ablassen kannst.
Man braucht zuweilen ein wenig Zeit, um sich mit den Melodien der Band anzufreunden, wobei viele, viele sehr emotionsgeladene Notenfolgen die Sinne kitzeln. Balladen von traumhafter Anmut, die gefühlsintensiv aber nie verkitscht wirken. So wie der bezaubernde Anfang von "Perennial movement III", welcher schon fast zu Tränen anrühren möchte, wäre da nicht der Umschwung in dahinwogenden Doom hinein. Hier kochen die Gitarrenharmonien unter der Oberfläche, während der Gesang Dich mit beschwörenden Linien einlullt. Die Gitarre wird im Solopart ganz im klassischen Heavyrockstil zum Singen gebracht. Alleine der ebenso fette wie transparente Klang, der sämtliche Instrumente gut erkennbar macht und ihnen ein beinahe livemässiges Feeling verpasst, ist eine kostbar da selten gewordene Ausnahme im heutigen Metalbereich.
Hier ist eine Scheibe, die sich Dir mit jedem Hören wieder ein Stück erschließt, Dich aber von Anfang an zu packen weiß. Ihre Einladung in die musikalische Welt von SEMLAH ist aber auch zu verlockend. SEMLAH sind Orthodoxe unter den Doomern, aber sie wissen ihre Anhänger immer wieder zu erfrischen. So mögen sie gepriesen sein. Für alle Fans von klassischem Doommetal ein Highlight, gerade wegen des Charismas der Gruppe und ihrer Musik.
SEMLAH - Ruin
(Rezension)
SEMLAH - Suffering in Silence
(Rezension)
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
9 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Cyclone Empire
Band-Webseite:
www.semlah.se
Release:
27.03.2009
Leserwertung:
8 Punkte / 1 Stimmen
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Gelesen:
696 x
Artikel eingestellt:
11.04.2009
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