Diese recht junge und sehr, sehr christliche brasilianische Band bedient die Fans von knalligem Thrash - und Powermetal der 80er aufs beste. Infernalisch wuchtige Gitarrenriffs und - läufe, peitschende Rhythmen, ein paar mystische Harmonien hier und da, rauer Gesang, zuweilen monumental epische Stimmungen und das alles dann nicht zu knüppelilg, sondern in allerfeinster Headbangergeschwindigkeit auf den Hörer eingedroschen.
Die Songs, ihre Riffs und Melodien, kommen einem zwar irgendwie vertraut vor, besitzen aber durch einen erdigen Sound und gute Ideen gleich im Dutzend einen eigenwilligen Charme, der Dich als hingebungsvollen Metalfreak (egal ob christlichen Glaubens oder nicht) bei den Hörnern packt. Eingängigkeit und Einprägsamkeit werden groß geschrieben. Der Gesang an sich schwächelt zuweilen etwas, mit mehr Charisma hätte der gute Mann eine Menge reißen können. Cool sind die melodisch klaren Einlagen, die ein wenig an Sänger US amerikanischer Progmetalbands erinnern. Auf einem Thrashsong kommt eine solche Stimme immer an.
Die Soli sind gigantisch, von großer Leidenschaft und ungezwungener Lebensfreude kündend, wild und besessen werden sie von den Griffbrettern der Klampfen entfesselt. ARNION können selbst in langsameren, stampfend wogenden Momenten überzeugen und geraten nicht in die Nähe von trendigem Neothrash. Das Feeling des alten Metal, der furiose Geist, lebt tief in den Kompositionen von ARNION. Innovation und wirkliche Eigenständigkeit sind nicht so sehr ihr Ding, man hört viele alte Thrashmetal - und Powermetalhelden raus, als Powermetal noch für Kraft und Aggressivität stand. Aber das ist schon okay so, denn der Ausdruck zählt und diese Songs reißen einfach alles mit sich in den Höllenschlund. Mir ist ein solches orthodoxes Album tausendfach lieber als stumpfe, zu Tode produzierte Neocoregewalt gegen meine Ohren und die kommt in den heutigen Tagen nicht zu kurz.
Interessantes Riffing unter beschwörenden Gitarrenmelodien mit fast doomiger Epik gibt es bei "Manipulacao", einem zornigen Stück Powermetals. Die Band weiß schon wie man groovt, nur setzt sie genau solche Passagen in den richtigen Momenten ein und lässt ihnen immer genügend Melodiösität, damit sie das Gefühl des Metals, die aufwühlende und emotionsgeladene Atmosphäre, nie verlieren. So ist diese Scheibe, wenn man vom rohen Thrashgesang absieht, großes Powermetalkino für US Stahlfanatiker. Bei den Vocals heißt es für Sirenenfreunde beide Ohren zuzudrücken. Aber an sich ist es nicht übel gemacht.
Dem Album liegt als Bonus CD noch das 2006er Demo bei, so dass es die Scheibe insgesamt als Doppel CD auf 65 Minuten bringt. Viel Metal fürs Geld und viel, viel guter, freundlicher, gewalttätiger Spaß. Wegen des Gesangs und der mangelnden Eigenständigkeit nur 8 Punkte, aber mit Sympathie geschenkt.

CD 1:
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
8 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Retroactive Records
Release:
04.04.2009
Leserwertung:
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Gelesen:
666 x
Artikel eingestellt:
16.04.2009
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