Bereits von 2001 ist die ursprüngliche Fassung dieses Albums des französischen Ein Mann Projektes BELENOS, welches sich dem heroisch hymnischen, ruppigen Paganmetal, einige würden "Celtic Black Metal" sagen, verschrieben hat. Die Musik wurde vor einigen Monaten neu aufgenommen, da dem Komponisten Loic Cellier, der hier alle Instrumente spielt, die Ausführung einfach nicht mehr zusagte. Zwei Bonusstücke wurden zusätzlich zu den eigentlichen Albumtracks noch mit auf die aktuelle Version genommen. Lohnt sich die Sache denn?
Nun, Fans von episch angelegtem, kräftigem Blackmetal ("Pagan" sind eher die Texte), die mit schönen Melodien in Form von majestätischen Leadgitarrenharmonien was anfangen können, speedige Parts nicht missen möchten und sowohl auf dezente, klar gesungene Männerchöre, als auch auf ruppiges Keifen abfahren, werden hier wohl das kleine oder gar große Glück finden. Ich komme nicht umhin, dem Künstler Loic Cellier ein gelungenes, schmissiges Album zu attestieren, welches jedoch sehr typisch für das Genre ist. Aber eventuell muss es sich ja auch erst entwickeln und mit jedem Hördurchgang wachsen.
Gespielt wird auf den Punkt genau mit viel Wucht und Leidenschaft. Der Klang ist roh und natürlich, aber schön sauber. Alle Instrumente klingen auch wie sie klingen sollen. Die Songs an sich sind gut durchkomponiert, bleiben im Fluss und wirken ebenfalls sehr ehrlich und echt. Schöne Breaks und Passagenwechsel halten die Stücke abwechslungsreich. Von Raserei über schwungvolle Parts mit Polkabeat, atmosphärisch dichte Momente und wogendes Schlachtengetümmel findet sich alles, was das Blackmetallerherz begehren kann. Die Melodien sind eindringlich und emotionsgeladen.
Bilder formen sich vor meinem geistigen Auge, keltische Kriegerhorden, die in wilder Verzückung den Tod verachtend über die gut ausgerüsteten Truppen der Besatzermächte, in diesem Falle römische Legionen, herfallen und ein infernalisches Blutbad anrichten, bevor die Lanzen und Speere der überlegenen Angreifer sie in den Tod reißen.
Besinnliche Passagen auf dem Album bringen bildliche Eindrücke von den ersten Momenten nach der Schlacht, wo die Gefallenen zu Hunderten schräg verrenkt in ihrem Blute liegen. Wiederum andere, mittelschnelle Abschnitte untermalen den Weitermarsch der Legionäre. Ja, diese CD ist sehr bildhaft, wenn man sich denn drauf einlassen will. In der französischen Blackmetalszene gehört Loic mit seinem BELENOS Projekt nicht zu den schlechtesten Vertretern. Wäre Kaiser Wodhanas mit AD HOMINEM nicht politisch bereits jenseits von aller Tolerierbarkeit, würde wohl nur er ihm den Rang ablaufen.
"Errances oniriques" ist tatsächlich eines jener Alben, die am Anfang typisch wirken und durch viele kleine Details dann Stück für Stück die Kruste des Standards durchbrechen und sich zu einem gern gehörten Stück Musik mausern.
"Morfondu" ist ein gutes Beispiel mit seinen von der Klassik inspirierten Melodiethemen, die mit gewaltiger Inbrunst aus den Boxen gedonnert werden. Ein sehr rasantes, dabei majestätisches Lied mit tollen Gitarrenläufen. Hier könnte man bereits von einem kleinen Hit sprechen. Schön sind wieder die dunklen klar gesungenen Chorpassagen als Kontrast zum Gekeife.
Für Freunde folkiger und von traditioneller bis klassischer Musik inspirierter Blackmetalsounds ist dieses Album echt ein gefundenes Fressen. Somit lohnt sich die aktuelle Neueinspielung ohne Zweifel.
BELENOS - Chemins De Souffrance
(Rezension)
BELENOS - Chants De Bataille
(Rezension)
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
8,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Northern Silence Productions
Band-Webseite:
www.myspace.com/belenosbzh
Release:
15.05.2009
Leserwertung:
noch keine Wertung
Eigene Wertung abgeben:
abstimmen
Gelesen:
704 x
Artikel eingestellt:
05.06.2009
Bookmark: