Sludge ist der böse Bruder des Dooms geworden. Wo Doom schon edel und mit majestätischer Erhabenheit die Szenerie betritt, da scheppert und klappert der Sludge einem rostigen Kahn, einem zum Sinken verdammten Seelenverkäufer modrig und ohne Hoffnung ins Bild und gewinnt gleich einige Sympathien, wenn er denn gut gemacht ist.
Die Niederländer HEAVY LORD könnten fast Amis sein, so authentisch sludgen sie sich ins Nirvana. UR - SABBATH Riffing, raue, halb gegrollte, halbwegs gesungene Vocals, die auf den Drogenkonsum einer ganzen Armee von Unterweltbewohnern schließen lassen könnten, extrem wuchtige Beats und ein bollernder Bass sind das Grundgerüst ihrer Musik, irgendwo ist da ein Schuss doomiger Melancholie enthalten, irgendwo entspannter 70er Hardrock, irgendwo auch betörende Psychedelik und an manchen Stellen auch das Zerrbild erdigen Bluessounds. Im alles zermalmenden "Gods of DOOM" gibt es sogar etwas treibendere Passagen, die an Boogie erinnern, 70er Style. Aber die bleierne Schwere zieht den Song immer wieder zurück in die Kloake.
Bei "The holy grail" handelt es sich um das 2004er Demo der Band, neu aufgepeppt im Soundbereich mit einem siebten Stück als Bonus. Die ursprünglichen sechs Songs waren schon fast eine Stunde lang, was am 22 Minuten Monster "F.T.S.S." liegt. Überwältigend! Spielen können die Boys aus Holland, Ideen haben sie erst recht, schon damals in den Demotagen. Wobei sie von der Gründung bis zum Demo satte zwei Jahre Zeit nahmen, der erste Schliff war also schon drin.
Ihr Songwriting ist dementsprechend sehr orthodox, orientiert sich an EYE HATE GOD, ELECTRIC WIZARD, BLACK SABBATH, WARHORSE US, CATHEDRAL in der frühesten Phase, aber da sind einprägsame Songs, da ist Charisma in der völlig wrackigen Stimme und da ist dieses Gefühl von Tod und Wahnsinn, aber auch von Entgültigkeit, wie es eher einer True Doom Band der Marke REVEREND BIZARRE entströmen würde. Vergleiche sind für die Katz, möchte ich mal sagen, Vergleiche. Diese Band wird das Genre nicht innovieren, was HEAVY LORD weiter in die Doomecke bringt, denn Doom ist absolut spirituelle Musik und kann gar nicht so weit aus sich selbst heraus, wenn nicht die ursprüngliche Magie verloren gehen soll.
Eine der besten dirty Underground Sludge Doom Scheiben des letzten Jahrzehnts, möchte ich mal meinen. Auch wenn man viel, viel Geld haben muss, damit man alles kaufen kann, diese Platte hier lohnt sich.
HEAVY LORD - Chained to the World
(Rezension)
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
8 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Solitude Prod.
Band-Webseite:
myspace.com/heavylord
Release:
12.07.2009
Leserwertung:
4 Punkte / 1 Stimmen
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347 x
Artikel eingestellt:
15.09.2009
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