Wie passen blumenumsäumtes Artwork und eine Totenkopfverzierung auf dem Longplayer selbst zusammen? Überhaupt nicht. Das scheint MISS MARPLE bei der Herstellung ihres Debütalbums „Fades“ entgangen zu sein, denn keine abenteuerliche Bezugnahme auf die schrullige alte Dame (Blumen) und ihr Lieblingsthema Mord (Totenschädel) kann diesen stilistischen Fehlgriff hinreichend erklären. Vielmehr erinnert mich besagter Totenkopf an diesen fürchterlichen japanischen Katzenschmuck, Kittydingsbums, und der ist bei einer seriösen Alternativeband wohl eher fehl am Platz. Doch vielleicht sind MISS MARPLE gar nicht so ernstzunehmen?
Einen Hinweis darauf gibt schon der erste Titel „Creation Of Doom“: insgesamt bewegt sich das alles im Durchschnitt der üblichen Garagenrockbands, „Liquidation“ steuert dann noch das obligatorische 'goddamn shit/fuck you/asshole/shut up' bei und schraubt das Niveau des ansonsten ziemlich annehmbaren und mit einem coolen Groove versehenen Stücks nicht gerade hoch. „Reason“ musste ja so kommen, denn hierbei handelt es sich um die auf jedem im Mittelmaß angesiedelten Album vertretene Pseudoballade, die trotz ganz viel Emotion auch ganz viel Rock vorzuweisen hat, naaaja, aber die Lyrics sind ganz gut, was man von „Story Of Nobody“ leider nicht behaupten kann – this little game of biology? Hä?
Wenigstens kann mich das amüsante und leicht abgedrehte „Trip“ überzeugen, und „Shelter“ lässt durch eingängige Melodien und ansprechende Vocals ebenfalls ein Licht am Horizont aufblinken. Es scheint aufwärts zu gehen, denn die mitreißende Nummer „Fall“ und das konzentrierte „Friend“ liefern zum ersten Mal auf diesem Album eine authentische Atmosphäre ab, so klingen MISS MARPLE, wenn sie schlicht und einfach sie selbst sind und nicht übermäßig viel Zeit damit verschwenden, anderen Bands nachzueifern. Diesen Zauber bricht „One 2 Three“ allerdings rasant, hier versucht man sich an Hardcore und mönchischen Gesängen, sehr einfallsreich. Das instrumentale „Bubble Breaker“ soll vermutlich innovativ sein, ist jedoch einfach nur langweilig und klingt nach tausendmal gehört, genauso wie „Something Wrong“, denn der kleine Tropfen Identität kommt erst mit dem Titelsong wieder zurück.
„Fades“ ist eine wenig überzeugende Mischung aus den QUEENS OF THE STONE AGE, SYSTEM OF A DOWN und dem Nachbarskind, das mit seinen Freunden Marvin und Lea-Marie ganz gerne angesagte Songs von amerikanischen Collegebands nachspielt und seine Eltern damit in den Wahnsinn treibt. Zudem fällt mir der Sound auf die Nerven, nehmt den Drumcomputer beiseite und stellt diesen schrecklichen Lautsprecher ab, der über allem zu thronen scheint.
Autor:
Thunderhead
Bewertung:
4,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Lex Artis /Radar
Band-Webseite:
www.missmarple.info
Release:
20.10.2008
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Artikel eingestellt:
08.10.2009
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