Wenn man in den Neunzigern seine aktive Teenagerzeit zubrachte, Gitarrenmucke liebte und auch ein wenig Innovation und Entwicklung in der Musik zu schätzen wusste, musste man entweder Black Metal oder Grunge hören, oder wie ich einfach beides. Und wenn es eine Band gab, die es wie kaum eine zweite verstand Grunge und Metal zu verbinden, dann waren es ALICE IN CHAINS. Nun sind sie nach immerhin vierzehn Jahren ohne Studioalbum, dem tragischen Verlust von Sänger Layne Staley und nach wie vor ungebrochenem Kultstatus mit einer neuen Scheibe am Start.
„Black Gives Way To Blue“ ist der Titel des Rundlings und nach so langer Zeit kann wohl jeder meine gemischten Gefühle vor dem ersten Hören der Platte verstehen.
Eins vorweg, ich kenne keine andere kontemporäre Scheibe, bei deren Hören ich mich direkt wieder wie fünfzehn fühle. Alles ist irgendwie vertraut, als würde man nach einer langen Reise nachhause kommen. Alles ist ganz unverkennbar ALICE IN CHAINS, so sehr, als hätte es die lange Schaffenspause nie gegeben.
Die markanten, drückenden und so unverkennbaren Riffs von Jerry Cantrell haben nichts an ihrer Wucht verloren und klingen nach wie vor zeitlos, wie in ihrem eigenem Kontinuum aufbewahrt. Schon der Eröffnungssong „All Secrets Known“ macht das klar. Das gesamte Arrangement um die Gitarren hat nichts von seiner Düsternis und Schwere eingebüßt und kommt hier und da mit kleinen Ausreißern, die man als tongegossene Ironie identifizieren könnte. Melodien und Härte zu einem herrlich melancholischen und dennoch kraftvollen Soundteppich verwoben, der einige echt mitreißende Grooves zu bieten hat, wäre wohl eine gute Beschreibung. Natürlich kommen auch die eher ruhigen Momente nicht zu kurz, allen voran der Titelsong, der auch mit Gastpianoarbeit von Elton John aufwarten kann und einen schönen ruhigen Abschluss bildet.
Aber die Gretchenfrage stellt sich gerade bei dieser Band beim Gesang. Layne Staley ist und bleibt der Stoff aus dem Legenden geformt werden. Oft kopiert, eigentlich nie erreicht ist sein Erbe für den neuen Sänger William DuVall kein Zuckerschlecken. Erreicht er die alte Extravaganz? Ganz klar nein. Aber das muss er auch nicht, denn die Stimmakrobatik früherer Tage lebte zu einem nicht unwesentlichen Teil vom zweistimmigen Gesang, den Staley und Gitarrero Cantrell ablieferten. Da Zweiterer ja nun noch mitmischt und eine ebenfalls recht markante Stimme hat bekommt das Gesamtwerk auch stimmlich eine so eindeutige ALICE IN CHAINS Note, dass es schon an Hexerei grenzt. Aber wann immer DuVall alleine die Stimmbänder bemüht bemerkt man den Unterschied durchaus, was aber keinesfalls negativ zu sehen ist, der junge Mann kann singen.
Da haben wir also instrumental und gesanglich alles auf der Reihe und was machen die Songs? Teilweise ganz schön rocken! Mit einem tiefen textlichen Zynismus wird da gearbeitet, stets ins richtige Soundgewand gekleidet, von wütend über eher melancholisch und vor einem beißenden Glanzstück wie „Check My Brain“ kann ich nur den Hut ziehen. Einfach nur böse und wundervoll pointiert.
Es ist nicht alles perfekt. Es mangelt etwas an herausragenden Momenten, wie sie „Last One Of My Kind“ und "Lessons Learned" liefern. Die Ballade „Your Decision“ ist für meine Begriffe etwas zu dröge und flach. Dazu erwecken die teilweise durch das ganze Album gezogenen Soundthemen manchmal einen Eindruck von Monotonie, wenn auch nur sehr selten.
Aber sieht man davon ab, haben wir ein 100%iges ALICE IN CHAINS Album, das auch zu überzeugen weiß. Welcome Home.
Autor:
Mr. Vandemar
Bewertung:
8,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Virgin Records
Band-Webseite:
www.aliceinchains.com/
Release:
29.09.2009
Leserwertung:
9 Punkte / 1 Stimmen
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Artikel eingestellt:
12.10.2009
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