Ich bin ja ein Verfechter des songorientierten Deathmetals, wie er vor etwa zwanzig Jahren (Oh, Gott, ich werde alt) die Szenerie beherrschte. Da passt eine Scheibe von und mit Kam Lee, dem Kultgröhlhans von DEATH (hab ein 84er Livetape worauf er die Stimme erklingen lässt), MASSACRE und einigen neueren Projekten wie DENIAL FIEND und BONE GNAWER, sehr gut in meine Rechnung. Also, checken wir mal an.
Die Story gefällt mir, da geben sich Poe und Lovecraft die Klinke in die Hand, da werden die düsteresten und, dem Bandnamen entsprechend, groteskesten Bewohner der Zwischenwelten durch unaussprechliche Beschwörungen in unsere Welt geholt, um den Urfeind des Menschen, den Tod, zu besiegen. Die Geschichte handelt von einem Mann, dessen Sohn im Sarg geboren wird, bereits verrottend und missgestaltet. Dieser Mann wagt sich in seiner Verzweiflung zu tief hinein in die Welt des Wahnsinns, um seinen Sohn am Leben zu erhalten, er schließt mit den Übermächtigen einen Pakt, jedes Jahr ein anderes Leben dafür zu opfern, dass der Filius ein weiteres Jahr auf dieser Welt verweilen darf. Morbide...
Sehr schön bei dieser Story sind die mit düsterer, verzerrter Stimme gesprochenen Einleitungen zu jedem Song, die einen Monolog des Vaters darstellen. Das Albumcover unterstreicht die makabre Atmosphäre der Scheibe auf hervorragende Weise. Es ist ein Abbild der geistigen Verwesung und eigentlich nicht typisch splatterig. Ein wahrlich boshaft dreinblickender älterer Herr sitzt mit einem in Verbandmaterial gewickelten Baby auf dem Schoss neben einer bereits etwas länger tot zu sein scheinenden Dame in einem Kellergewölbe. Vor ihm auf einem schlichten Holztisch ein Buch, welches wohl die Beschwörungen enthält, die er anwenden muss. Daneben ein Totenschädel mit einer Kerze obenauf.
Aber wir wollen ja auch noch die Musik beleuchten, denn das ist für mich stets die Hauptsache beim Kauf einer Scheibe gewesen. Der Sound ist wuchtig und klar, wobei man von lebendiger Musik und lebendigem Klang reden kann. Old School Deathmetal wird geboten, stilistisch zwischen 1989 und 1993, niemals später gelagert. Nun, Kam Lee darf das ja, er ist inzwischen über 40 und Wegbereiter des ganzen Sounds. Originell ist die Musik irgendwie nicht mehr, aber sie hat wirklich packende, eindringliche Momente, betörend schöne morbide Leadgitarren, peitschende Rhythmen, selbst in mittleren Geschwindigkeitsregionen, flankiert von ein paar walzenden und wenigen rasanteren Passagen. Die Riffs an sich scheinen oft wohlvertraut, sind urtypische Deathmetalabläufe, aber sie werden mit Inbrunst und Leidenschaft gespielt. Das ist wie beim Blues, da kannst Du auch nur Anhand einer gewissen Anzahl von Tönen Variationen erstellen. Es kommt auf die Ausführung an. Die erzeugte Stimmung ist bösartig, verdorben und dämonisch. So wie sich das gehört.
Die Scheibe donnert sich in gut sechsundvierzig Minuten dem sogar ein wenig hymnischen Schluß entgegen, der da "The fall of the house of Grotesque" heißt, verschafft einem eine schöne Zeit mit sehr viel makaberem Vergnügen. Ja, ich habe auch andere Meinungen zu diesem Album angehört und finde nicht, dass es hier keine herausstechenden Passagen gibt. Es ist eben stilistisch nicht revolutionär, aber immer noch mit soviel Leidenschaft und einigen verrückten Ideen behaftet, dass man es auch niemals als reaktionäre Musik bezeichnen kann. Es ist DEATHMETAL, es ist guter Deathmetal. Wer sich das heute noch anhören mag und nicht dem totalen Grunzgekloppe und Technikgewürge verfallen ist, der ist mit THE GROTESQUERY so gut bedient wie mit den alten MORGOTH, UNLEASHED, ASPHYX und MASSACRE.
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
8,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Cyclone Empire
Band-Webseite:
www.myspace.com/thegrotesquery
Release:
22.01.2010
Leserwertung:
10 Punkte / 4 Stimmen
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Artikel eingestellt:
03.01.2010
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