‚Last Action Hero’ Horn verlor zwar mit seinem langjährigen Weggenossen Sobo einen beständigen Teil seiner Band, doch wer dachte, dass man nun in eine tiefe Depression fallen würde, hat sich selbst ans Bein gepisst. Es hat sich zwar einiges bei JACK SLATER geändert, was sich natürlich auch auf den Stil auswirken würde. Doch legt man die neue, im Gegensatz zum Vorgänger „Blut/Macht/Frei“ komplett in den polnischen Hertz Studios produzierte Scheibe ein, kommt einem doch wieder alles vertraut vor. Nur eben frischer und lebendiger als jemals zuvor.
Das Fehlen Sobos fiel also nicht einmal so ins Gewicht, denn mit Robert Nowak hat man einen mindestens ebenso hochtalentierten und fitten Gitarristen in die Band aufnehmen können. Und irgendwie auch nicht, denn live wird man nicht immer mit ihm rechnen können. Mehr dazu aber im Interview.
Der Groove regiert die Welt und wenn man schon über ‚Pheromone’ singt, dann bitte mit dezenten Blasts und einer fetten Portion Groove unterlegt. Der Song klingt dermaßen nach JACK SLATER, dass man erst einmal beruhigt ist. Anfangs besteht er aus den gewohnten Tonleiterhetzereien, den gekonnt gesetzten Stopps und sonstigen instrumentalen Ferkeleien. Doch spätestens ab der Bridge streicht frischer Wind die Segel der alten Fregatte. Es wird doch tatsächlich ‚atmosphärisch’! Wenn auch mit ein paar Blasts unterlegt, so zeigt sich hier bereits der neue Weg, der die Band durch viele Länder führen wird.
Über jazzige Einflüsse brauchen sich JACK SLATER-Fans nicht unterhalten. Sie gehören zum Sound, wie das Salz in die Suppe. Auch wenn ‚Dysthymia’ mit Blasts eingeleitet wird, so zeigt man sich später wieder von seiner jazzigen Seite. Hier zeigt Drummer David wieder einmal, dass es im Grunde genommen absolut wurst ist, welcher Takt verlangt wird – er kann ihn einfach und es groovt immer!
‚Martyr’ steht dem in Nichts nach. Es werden höchstens noch ein paar Knochen mehr geschält. Sobald das abgeschabte Fleisch gut gewürzt ist, darf ganz tief in die Knie gegangen und Robert gehuldigt werden. Diese kranken Töne, die er aus den Saiten rausholt, kennt man vielleicht nur vom Zahnarzt, aber was gut werden soll, muss Weh tun!
‚Funkenflug’ ist vermutlich der atmosphärischste Song der JACK SLATER-Ära und ein Stampfer vor dem Herrn. Hier zeigen die Jungs, dass sie nicht nur bolzen und flink irgendwelche Tonleitern runter schraddeln können. Der Song wird sicher ins Live Set aufgenommen, denn er bietet der Meute eine Verschnaufpause ohne dass die Glieder erkalten.
Quicky gefällig? Dann aber bitte in der ‚Happy Hour’! Oder zumindest genauso flott und brutal wie es JACK SLATER zelebrieren. Eine Minute purer Wahnsinn und Schweiß für eine Zeit, die man schnell vergisst und sich immer wieder gern zurück erinnert.
Ja, es stimmt. Horn beherrscht die englische Sprache. Für viele wird es gewöhnungsbedürftig sein, den Bartträger so zu hören, doch im Grunde ist auch dies absolut wurst, denn das Endergebnis zählt. Wie in den (längeren) Songs zuvor, weht ein frischer Wind in Form von Raumfüllenden Akkorden.
Normalerweise bestechen Instrumentalstücke mit wundervollen Akkustikspielereien und/oder zuckersüßen Melodien. ‚4 8 15 16 23 42’ erinnert ein wenig an alte Napalm Death (‚Evolved As One’) und verbindet somit die Basis mit dem neu eingeschlagenen Kurs.
‚Konstrukt’ bietet wieder viele alte JACK SLATER-Roots und eine große Portion Groove. Endlich hört man einen richtig fetten Eierknackerbass, der die Marschroute für den Mittelteil vorgibt. Überhaupt bekam jedes Instrument auf „Extinction Aftermath“ den Sound, den es verdient, ohne dass es sich allzu sehr in den Vordergrund drängt.
‚Resser Frednik’ ist nichts anderes als der ‚Kinderfresser’, nur eben rückwärts. So wird alles noch kranker, als es das Thema bereits vorgibt.
Der zweite englischsprachige Song ist zugleich auch der Titeltrack und letzte auf dem kongenialen Streich der Freaks vom Rhein. Voll in die Fresse und mitten ins Magendreieck ohne die schnelle Verarztung zu vernachlässigen. Jungspund Gitarrist wird vermutlich für die kleinen OPETH-Splitter verantwortlich sein. Das macht aber nichts, denn von den ‚Anleihen’ früherer Tage scheint man tatsächlich weg zu sein.
Bei JACK SLATER herrscht frischer Aufwind. Also Segel gesetzt, gen Sonnenaufgang gesteuert und die alte, zerstörte Welt hinter sich gelassen. Es gibt Ufer, die nicht nur neu, sondern auch noch flauschig sein sollen. Doch wer will schon kuscheln, wenn er JACK SLATER lauschen darf?
JACK SLATER - Metzgore
(Rezension)
JACK SLATER - Blut/Macht/Frei
(Rezension)
JACK SLATER - Playcorpse
(Rezension)
Autor:
Trabi
Bewertung:
9 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Unundeux
Band-Webseite:
www.jack-slater.de
Release:
26.02.2010
Leserwertung:
8 Punkte / 1 Stimmen
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Gelesen:
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Artikel eingestellt:
24.01.2010
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