Es ist nicht ihr erstes Album, jedoch meine erste Begegnung mit den verwundeten Königen aus dem vereinigten Königreich und ich höre da Dinge, die mir doch wohl vertraut anmuten. Doom, meine Damen und Herren, ist eben kein innovationsfreudiges Genre, sondern eine spirituell sehr reine Musik, die ohne gewisse Charakterzüge vollkommen an ihrem eigentlichen Sinn vorbeispielen würde.
Doom also, langsamer, düsterer Doom, der eher einer makaberen Prozession in dunklen Gewölben die rechte klangliche Untermalung verleiht, denn leichtfüssige Unterhaltungsmusik darstellt. Wobei hier keinerlei trendige Deathmetalelemente eingebaut werden, trotz aller Radikalität. Die Musik ist schwer und sakral, die Leadgitarre mit betörend klagenden Läufen im ständigen Einsatz, während der Gesang hell, aber eher mittelhoch und beschwörend, einem Geschichtenerzähler ähnelnd, deine Seele dahinglühen lässt.
Nach ca. sieben Minuten bricht der Doom im ersten Song „The swirling mist“ in sich ein und macht Platz für eine kurze orgelig untermalte Passage kosmischer Musik, bevor er sich wieder träge in Gang setzt und dahinbrodelt, bestückt mit einer apokalyptisch jaulenden Leadgitarre.
Ein kurzes Wabern, Scheppern, Brummen und Tuckern leitet auf sehr kosmische Weise den zweiten Song „Baptism of Atlantis“ ein, der nicht weniger tieftraurig und verzweifelt klingt und der ebenfalls eine nicht unerhebliche Eingängigkeit mit sich bringt. Die Leadgitarre über den knarrenden, tiefen Riffs singt geheimnisvolle Melodien mit einem Klang, der eher an metallschneidende Maschinen in einer Werkshalle erinnert. Das hat schon fast gruftrockigen Charakter. Insgesamt sind hier sehr tiefsinnige Melodien mit einer sehr räumlichen Atmosphäre zugegen, die sich langsam zu einer morbiden Pracht hin entfalten und von großen Gefühlen beherrscht werden. Die Soli und Leitharmonien sind oft so erhaben schön, dass man kaum mehr Herr seiner selbst ist und sich in schierer Ekstase unter den Klängen der Gitarren winden möchte wie der irrsinnige Gott Tsatthogua.
Eine verlorene Pianomelodie, ein dumpfer Schlag im Hintergrund von Zeit zu Zeit, dann ein Gitarrenbrummen ohne wirkliche Melodie, so klingt die zweiminütige Überleitung „Into the ocean’s abyss“, der „The sons of Belial“ folgt, ein extrem schwerer Doomer mit unheimlicher, dem Wahnsinn naher Melodieführung und sehr zerrigen, sägenden Gitarren. Herrlich dirty, was sich da abspielt, alles unter sich zermalmend. Auch hier entschwindet nach einer Weile der Rhythmus komplett und eine verstörende Passage tut sich auf mit Gitarrenrückkopplung, fieser Pianomelodie, einem besessenen Flüsterer. Dann brodelt der sphärisch majestätische Doom erneut drauflos, als gäbe es kein Morgen, kein Heute, ja gar keine Zeit mehr. Diese Musik ist mehr als nur Unterhaltung, für das hier muss man spirituell in der richtigen Verfassung sein, es ist erhaben und emotionsgeladen, aber auch sehr schmerzhaft und zugleich reinigend. Katharsische Musik, wie wäre das?
„Deathless echo“ entsteht aus einem grollenden und hallenden Tosen in weiter Ferne heraus, ist eine schöne Orgelmelodie, auf sehr einfacher verzerrter Gitarre und wird im weiteren Verlauf mit zauberhaften Pianoläufen verziert, nicht ohne das Grollen und Krachen im Hintergrund beizubehalten. Und fort ist es.
Jetzt werden die Altvorderen angerufen, beschworen. „Invocation of the ancient“ macht zu Beginn den Eindruck von kosmisch krautiger Freiformklangmusik, Surren, Zischen, Knirschen, Wabern, alles spacig und kosmisch klingend, aber mit eingeflochtenen Männerchören, die irgendwo in diesem Klanghaufen zu versinken scheinen. Dann schälen sich Bass und Gitarre aus dem Dunkel heraus, kommen näher, werden deutlicher. Das Riff ist wirklich ein satter Doomstandard, aber immer wieder sehr gerne gehört, weil es einem durch seine Wucht und seine brachiale Intensität eine fiese Gänsehaut über den ganzen Körper treibt. Eine massive Klangwand von monumentaler Urgewalt tut sich vor einem auf, wächst aus dem Boden. Die Melodien sind spröde, jedoch von eruptiver Leidenschaft getrieben. Die Orgel haut fantastische Läufe in diesen kochenden Hexenkessel verzerrter Gitarren und tosender Zeitlupenrhythmen hinein. Und wiederum klagt die Leadgitarre verzeifelt und dem sicheren Tode näher als dem blühenden Leben, wird mit jeder Sekunde wilder und verzweifelter.
So orthodox THE WOUNDED KINGS auch sein mögen, sie haben ein sehr charakterstarkes Album geschaffen, welches man sich als Doomfanatiker mit Vorliebe für die allerfrühesten CATHEDRAL, REVEREND BIZARRE und WARNING getrost einfahren kann, ohne diesen Kauf zu bereuen. Und es werden ohnehin nur die Die Hard True Doom Fans ihre Klauenhand nach dieser Scheibe ausstrecken, für Stonerposer und Gothics ist es zu radikal, für Dronefreaks zu musikalisch.
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
9 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
I HATE RECORDS
Release:
08.01.2010
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Artikel eingestellt:
01.02.2010
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