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SPIRIT DESCENT - Doominion

SPIRIT DESCENT - Doominion

Manchmal überkommt es selbst mich lebensfrohen und im Grunde glücklichen Menschen, dann wird die Grundmelancholie zu übermächtig und droht mich zu erdrücken. Dann ist es Zeit, in schleppenden, wuchtigen Klängen zu schwelgen, auf denen mit erhabener Stimme die Düsternis propagiert wird. DOOMTIME!

Aus Schleswig Holstein kommt ein Teil der Burschen, Lübeck und Pinneberg (bei Hamburg). Aus Restdeutschland respektive England der Rest. Und wie klingen sie? Heavy bis zum Anschlag, schleppend und doch oft groovy. Beim majestätischen "The path of doom" teilen sich Gitarrist und Initiator Andreas Libera (COLD EMBRACE) und Hauptsänger Jan Eichelbaum (lokale Größe aus dem Südwesten Schleswig Holsteins und seit Urzeiten dabei...u.a. DECEPTIVE SILENCE) den ergreifenden Leadgesang und haben sogleich auch unterschiedliche Hintergrundmusik. Andreas bekommt den klassisch schweren Schleppersound mit den rollenden Akkorden, bei Jan gibt es coole Heavyrockrhythmen, auf denen sich die Gitarren und sein Gesang entfalten können.

Und ein Stück wie "Demon", welches dem Pfad der Verdammnis folgt oder sogar dessen Ziel ist, hat mit den ergreifendsten Leadgesang, den ich in den letzten Jahren von einer Doomband gehört habe. Eichel hat eine helle Stimme, mittlere Lagen und ein paar Screams, die auf jeden Fall sehr eigensinnig klingt. Der sanfte Hüne legt stets all seine dunklen Gefühle in die Wagschale und bringt auf den wuchtigen Gitarrenmauern Melodien, bei denen man automatisch ins Schwelgen gerät. So haben die Stücke von Beginn an ein nicht zu verkennendes Hitpotential für eben dieses Genre, ohne dass sie dabei auch nur einen Zentimeter näher an den Mainstream rücken.

Abwechslung ist Trumph auf "Doominion". Da wird der absolute Doom zelebriert, langsam, schwerfällig, mit einer Stimmung so unheimlich traurig und doch auf irgendeine Weise erleuchtet. Da schälen sich betörende Leadgitarren aus den bleiernen Akkordkombinationen heraus, die zwar auf wenigen, dafür jedoch umso geschickter gewählten Noten in den neuen Morgen reiten. Die Musik stimmt nachdenklich und das durchaus im positiven Sinne.

Spielerisch sind die Burschen fit. Das hört man trotz der niedrigen Geschwindigkeit heraus. Wobei, gerade das langsame Spiel will erlernt oder im Gefühl verankert sein, denn bei solchem Tempo hört man alles. Und bei SPIRIT DESCENT sitzt alles fest an seinem Platz. Der Sound ist, typisch Rosenquarz Studio (Hail Michael Hahn), sehr direkt und wuchtig, hat aber eine Menge Platz unter der Oberfläche, wo sich die eigentliche Musik abspielt. Er klingt sehr natürlich und präsentiert die Band in all ihrer Pracht.

Ich finde es so faszinierend, wie Eichel von verlorenen Nationen singt und dabei ohne Schamesröte im Gesicht den Eindruck erweckt, er berichtete aus erster Hand. Wusste nicht, dass Pinneberg solch ein schlimmes Pflaster ist. Sein Gesang ist durchdringend, wenn er gedoppelt oder ergänzt wird, dann weht ein Hauch von Irrsinn mit ihm aus den Boxen. Sogar grollende Lagen a la frühe ANATHEMA beherrscht der Mann. Kann auch sein, dass ihm an diesem Punkt dann Heiserkeit und Erkältung befallen haben. Spaß beiseite, er ist ein flexibler Sänger und ein charismatischer Kopf, das sag ich aber schon seit 15 Jahren.

Ob man nun den grandiosen zweiten Song "Land of tears" anhört oder das sandwürmig erhaben dahinwalzende "Of a nation forlorn", man ist dabei. Man wird von den eindringlichen Stücken regelrecht aufgesogen und durch den Wiedererkennungswert der Melodien verankern sie sich tief in den Sinnen. Doomiger geht es auch gar nicht mehr, alles danach ist langsamer Deathmetal oder Ambientdrone, keine Ahnung. Diese Scheibe birst vor Gefühlen.

SPIRIT DESCENT sind sehr feindlich gegenüber Innovationen eingestellt, was aber auch vollkommen legitim ist, denn erstens malt ein jeder guter Maler mit Pinsel und Ölfarbe auf Leinwand, erschafft erhabene Kunstwerke mit eben den gegebenen Mitteln und zweitens gibt es an spiritueller Vollkommenheit in Klangform eben nichts zu rütteln. Wer auf DOOM steht, DOOM in seiner ganzen erhabenen Reinheit und nicht mehr irdisch scheinenden Anmut, der wird hierfür sterben. Bei einigen der ruhigen Passagen von "Stranger on earth" muss ich fast weinen, ach was soll's, weg mit der Selbstbeherrschung. Zu schön sind diese Gesänge. Ich bin FAN!

Für Freunde schwarzer Langrillen kommt übrigens im Frühjahr noch ein sattes Doppelalbum auf den Markt. Da empfiehlt sich dann ein rasches Zugreifen. Absolut mächtige Scheibe!

Bei Amazon suchen! Bei blackscaped.de suchen! 01. Greed
02. Land of tears
03. In hatred
04. The path of doom
05. Demon
06. A new dawn
07. Of a nation forlorn
08. Stranger on earth

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Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9,5 von 10 Punkten

So bewerten wir...

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Label:
Eyes Like Snow
Band-Webseite:
www.myspace.com/spiritdescent
Release:
03.09.2010

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Leserwertung:
9.8 Punkte / 4 Stimmen

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1141 x

Artikel eingestellt:
22.09.2010

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