Der Horror geht in die zweite Runde, L`IMPERO DELLE OMBRE sind zurück und weichen keinen Milimeter von dem auf dem selbstbetitelten Erstling eingeschlagenen Weg ab. Ein Mix aus klassischem Doom, sinisterem 70er Düsterprog und straightem Heavymetal, welcher das Blut in den Adern gefrieren lässt, wird uns von den eigentlich recht freundlichen Italienern, die zuweilen bereits ihre Sporen in der 80er Metalszene ihres Landes verdient haben, da vorgesetzt und man lässt sich nur allzu gerne von den einerseits zutiefst spirituellen, andererseits einprägsamen, sehr geradlinigen Heavysongs mitreißen in unwirkliche Horrorwelten hinein.
L`IMPERO DELLE OMBRE spielen wahrlich eine sehr bildhafte Musik, die jeden Hördurchlauf zu großem Kopfkino macht. Natürlich sollte man ein Faible für ein gewisses Gruselfeeling haben, das zwar fernab jedweder Realität liegt, aber durchaus spannend wirkt.
Das makabere Hörspiel beginnt mit einem verspielten Geflecht aus Keyboards wie alten und neuen Synthesizern, Bass und einer klaren, etwas frickeligen Gitarre und deutet tatsächlich auf Progrock hin. Die mächtigen Riffs des ersten richtigen Songs strafen das Intro Lügen. Metal, Hardrock, Doom, dahinwogend, majestätisch bis bedrohlich umherstampfend, kraftvoll im Groove und mächtig in der Gitarrenpower.
Der leicht spitze, helle, aber mittelhohe Gesang ist markant wie auf dem Vorgänger und die Texte natürlich in der Muttersprache gehalten, was wiederum auf den Italoprog der 70er hindeutet. Momente pompösen Hardrocks mit wuchtigem Orgelteppich und tollen Gitarrensoli oder entspannte, aber geheimnisvolle Passagen, die eher zurückhaltend psychedelisch mit singendem Synthesizer gestaltet werden, sorgen für Abwechslung.
L`IMPERO DELLE OMBRE bleiben hierbei allerdings stets auf schnurgerader Strecke und schreiben wahrlich kleine Hits, die gut ins Ohr gehen. Und so ziehen sie ihr Ding über die gesamte Platte hinweg durch. Zuweilen regt die Scheibe zum Schmunzeln an, wenn die eingestreuten gesprochenen Passagen, die man wahrscheinlich aus kultigen alten Horrorschinken der 70er Italoszene (und die hatten geile Streifen damals) entnommen hat, den einen oder anderen Song einleiten. Genau das macht die Gruppe sympathisch, dass sie eben auch zeigt, dass es sich hier um sehr viel Show und Spaß handelt.
Ernsthaft sind allerdings die Songs gemeint, wo man nicht selten eine obskure Mischung aus DEEP PURPLE Orgeln und BLACK SABBATH Riffing oder eine Affinität zu Bands wie WITCHFINDER GENERAL heraushört. Somit passen L`IMPERO DELLE OMBRE hervorragend in die ganze Szene in Norditalien, wo sich ABYSMAL GRIEF, SANCTA SANCTORUM (Steve von DEATH SS mit neuer Band), WITCHFIELD (mit Thomas Hand Chaste, u.a. DEATH SS, Paul Chain) und ein paar weitere Acts tummeln.
Ich für meinen Teil bin diesem Album echt verfallen, hier stimmt alles, von den knackigen Stücken, die nicht wenige kleine instrumentale Spielchen enthalten, wodurch sie eben trotz aller Geradlinigkeit und Eingängigkeit immer interessant bleiben, bishin zum kräftig direkten Sound, der aber die Lebendigkeit der einzelnen Stücke nur noch weiter unterstreicht. Und Gitarrist und Keyboarder sind wahre Killermaschinen als Solospieler. Mit viel Gefühl setzt sich der Axtmann bei den Leadgitarren in Szene, spielt wenige, aber mit Bedacht gewählte Noten und zeigt ein Händchen für sehr geile Melodien. Gleiches tut der Keyboarder mit seinen geheimnisvollen Synthesizerläufen und den donnernden Orgeleinlagen. Tolle Kombination! Und wenn die sympathsichen Italiener dann noch eine Coverversion von BLACK SABBATHs "Snowblind" aufs Parkett legen, die eine wirklich gelungene Verbeugung vor den offensichtlichen Einflüssen darstellt, ist der Spaß vollkommen. Eine dicke Empfehlung!

01. Compagni di Baal (Overture) 01:41
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
9 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
BLACK WIDOW RECORDS
Release:
04.02.2011
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511 x
Artikel eingestellt:
11.11.2011
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