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MARTYR LUCIFER - Farewell to Graveland

MARTYR LUCIFER - Farewell to Graveland

Die 2009 gegründete Dark Metal-Band MARTYR LUCIFER aus Italien legt mit „Farewell to Graveland“ ihr Debutalbum vor. Die Gruppe ist benannt nach ihrem Sänger, der früher schon bei der Black Metal-Truppe HORTUS ANIMAE an Bass und Mikro zu hören war. Als Intro der insgesamt sehr düster gewordenen Scheibe dient der knapp eine Minute lange Opener „Janus“, der schließlich in den Titeltrack „Farewell to Graveland“ übergeht. Hier wird das Tempo schneller, das Schlagzeug gibt einen treibenden Rhythmus vor. Der dunkle, unpräzise Gesang wird auf der ganzen Scheibe häufig etwas verfremdet, dem Englisch hört man noch den weichen, italienischen Akzent an.  Positiv wirkt es sich aus, dass bei einigen Tracks weibliche Vocals dazukommen und das Ganze etwas auflockern. Das zweite richtige Stück „Turmoil“ beginnt mit einigen ruhigen Keyboardklängen, kurz werden die Gitarren lauter, dann fällt der Song wieder auf das gemäßigte Anfangslevel zurück. So wechseln Tempo und Lautstärke im Verlauf des Stückes noch mehrmals, wobei die Keyboardpassagen teils schon klebrig süß sind, während die krachenden Gitarrenparts durchaus als metalwürdig einzustufen sind. Auch „From under the Ground“ donnert erst kräftig los, wird durch den einsetzenden Gesang aber auch wieder gezügelt. Ein wenig an NICK CAVE erinnert die melancholische Gothicballade „Noctua Munda“, bei der die leisen Synthies im Hintergrund deutlich zum Flair beitragen. Im Gegensatz zu „Turmoil“ haben die (deutlich dezenter eingesetzten) Keyboards hier auch durchaus ihre Berechtigung.

„Onironauta” hat einen spacigen Beginn und lässt sich viel Zeit, bevor die repetitiven Strukturen nach über 2,5 Minuten durch vorsichtig gesprochenen Text durchbrochen werden. Noch eine Minute später setzen die Gitarren wieder mit ein, sie übertönen den Sänger weitgehend. Eine kurze Pause noch, dann werden die monotonen Anfangsstrukturen für einige weitere Takte wieder aufgegriffen. Es ist schon beinahe eine Erlösung, als das Akkordgeschredder mit Drumuntermalung zumindest für einige Takte einer anderen Tonfolge weicht. Bevor der Song zu Ende geht, dürfen die Gitarren aber noch einmal richtig abgehoben drauflos spielen, bevor sie in eine schöne, akustische Melodie münden, die langsam ausgeblendet wird. Schwere Kost für den späten Nachmittag!

An siebter Stelle findet sich überraschend das FRANCESCO GUCCINI-Cover „L'Albero Ed Io“, das ursprünglich 1970 auf dem Album Due Anni Dopo veröffentlicht wurde. Als einziges Stück wird es in der Muttersprache Italienisch gesungen. Das Keyboard klingt dabei beinahe nach Cembalo und es ist schade, dass das Stück am Ende einfach abgewürgt wird. Lauter wird es wieder mit „The Dustflower“, selbst wenn auch hier eine an sich sanfte Melodie zugrundegelegt ist. Auch das leicht pathetische „They said with time all woulds will heal“ folgt dem durchgehenden Konzept der Scheibe, das sich in der Kombination von harten Gitarren, weichem, schwermütigen Gesang, viel Keyboard und progressiven, teils abgehobenen Strukturen zusammenfassen lässt. Zwischendurch werden aber mit akustischer Gitarre Akzente gesetzt. Was am Anfang noch Abwechslung bietet nutzt sich im Lauf der Scheibe einigermaßen stark ab, insbesondere auch das Drumming und die Kernmelodien hätten gut und gern etwas variabler sein können. Auffällig ist auch, dass das Tempo innerhalb der einzelnen Songs mehr variiert, als zwischen den unterschiedlichen Stücken. So kann „The Horseride“, mit über 10 Minuten der längste Track der Scheibe, nicht mehr wirklich überraschen, auch wenn einige sehr schöne Elemente und gerade sehr gelungene Gitarrenpassagen eingebaut sind. An einer früheren Stelle auf dem Album hätte der Track wohl noch mehr Begeisterung ausgelöst. Zu Ende geht das Album schließlich mit „Waiting for the Dawn“, das sehr getragen beginnt, zwischendurch aber auch wieder mehr Power offenbart. Trotzdem zählt es insgesamt zu den ruhigeren Stücken der Scheibe und entlässt den Hörer nach den teils surreal anmutenden Ausflügen wieder zurück in die reale Welt.

Was beim ersten, oberflächlichen Hören noch ziemlich gut klingt verliert deutlich, wenn man sich die CD etwas genauer zu Gemüte führt. Zugute halten muss man der Band jedoch ihre relative Eigenständigkeit und dass sie ihr Handwerk beherrschen. Wer also kräftigen Dark Metal mag und auch den ausgiebigen Keyboardpassagen nicht abgeneigt ist, der sollte hier eindeutig mal reinhören!

 

Bei Amazon suchen! Bei blackscaped.de suchen! 1. Janus
2. Farewell To Graveland
3. Turmoil
4. From Under The Ground
5. Noctua Munda
6. Onironauta (The Demon Of The Earth)
7. L'albero ed io
8. The Dustflower
9. They Said With Time All Wounds Will Heal
10. The Horseride
11. Waiting For The Dawn

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Zu dieser Rezension:

Autor:
Kolyma

Bewertung:
6,5 von 10 Punkten

So bewerten wir...

Weiteres:

Label:
Buil2kill Records
Band-Webseite:
martyrlucifer.net
Release:
07.11.2011

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9.4 Punkte / 17 Stimmen

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436 x

Artikel eingestellt:
22.01.2012

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