Nach dem überraschenden 2010er Album "The shining darkness" hat sich die aus ehemaligen DEATH SS Mitgliedern, unter ihnen Bandleader Stefano Silvestri, bestehende Truppe SANCTA SANCTORUM eine Singleauskopplung gegönnt. Kult, haha. Wird sicherlich alle Radiostationen dieses Erdballs überfluten. Ich meine, psychedelischer Spacehardrock und Aciddoom mit progressivem Einschlag und deutlicher 70er Connection sind ja auch der Hit momentan bei den Discotänzern und Radiohörern.
Aber egal, dieses Kleinod ist natürlich für Liebhaber von obskur verquerem Italopsyche ein gefundenes Fressen. Los geht es mit dem schönen Psychedelichardrocker "Black sun", welches man vom Album her in einer etwas ausladenderen Version kennt. Schöner, verträumter, mit harten Gitarren verstärkter Psycherock wird geboten, dessen betörende Grundmelodie Dich in einen Strudel an bunten Farben saugt.
Der zähflüssig dahinkriechende, höllenheiss glühende Lavarocker "Rainbow demon" wird einem sicher in etwas weniger ekstatisch verlangsamter Fassung von URIAH HEEP und ihrem 1972er "Demons and wizards" Album bekannt sein, was aber SANCTA SANCTORUM daraus machen, ist ein infernalisches Gefühlsfeuerwerk. Die Gitarren und Tasteninstrumente in Verbund mit Steve Sylvesters markanter, schneidender Stimme bringen Deine Schwingungen auf Höchstgeschwindigkeit. Dieses Stück ist einerseits ein absoluter Hit, natürlich, aber auch eine brodelnde, blubbernde Masse an diabolischer Magie. Eine Coverversion zum Niederknien.
"Crash" ist kurz, lärmig, eine kurze Spacerockeruption, verfasst vom Drummer Tommy Hand - Chaste, der ja u.a. auch die Doom / Horror Kapelle WITCHFIELD am Start hat. Und in all dem eruptiven Aufbrausen dieses Stücks liegt doch so etwas wie Popappeal. Das krachende Inferno hat Struktur und betört, hypnotisiert und verführt Dich und sicher jede supersüße blonde Minimaus auf der Welt.
"21st century schizoid man", ja klar, KING CRIMSON, "In the court of the crimson king", eigentlich Protodoom mit Jazz gemischt, bei SANCTA SANCTORUM in den Strophen Heavydoom mit Orgel - und Synthiebegleitung, im Mittelteil schwerer, wuchtiger Heavyprog mit packendem Beat und abgefahrenen Läufen, die Variationen der Originalparts in Verbund mit Eigenkreativität der Italiener darstellen. Die Verrückten jammen sich wie in Trance die Seele aus dem Leib und entfesseln eine pure Macht. Und wo die Vocals von Greg Lake beim Original noch verfremdet werden mussten, klingt Steve Sylvester von sich aus wie der Teufel persönlich.
Dieses Spacerockinferno ist leider nur eine EP mit vier Songs, auf der CD gibt es "Black sun" noch als Video. Aber die hat es in sich. Leidenschaft, Sexualmagie, wilde Lust, entfesselte spirituelle Urgewalten, SANCTA SANCTORUM sind all dies und mehr. Pure Liebe in Musik gefasst. Erhaben, majestätisch, einzigartig.
SANCTA SANCTORUM - The shining darkness
(Rezension)
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
9 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Black Widow Records
Release:
15.12.2011
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Artikel eingestellt:
10.03.2012
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