Gegründet wurden VOGELFREY bereits 2004 im Hamburger Stadtteil Bergedorf, das erste vollständige Album „Wiegenfest“ veröffentlichte die Band jedoch erst 2010. Mit “Zwölf Schritte zum Strick” legt das Sextett nun den Nachfolger vor:
Nach einem kurzen, mittelalterlich getragen gesungenen Intro geht es mit einer fröhlichen Folkrock-Nummer los, die mich irgendwie ein bißchen an FEUERSCHWANZ erinnert. Wesentlich härter und dunkler gehts dann im zweiten Song „Düsterpflicht“ zur Sache, um mit „Schuld ist nur der Met“ postwendend zur punkigen Folk-Stimmung des Openers zurückzukehren. Auch hier erinnert schon allein der Songtitel wieder ein bißchen an die bereits zitierte Met & Miezen Combo aus Franken.
Die nächsten drei Tracks „Der Tod und das Mädchen“ (das übrigens nichts mit dem gleichnamigen SCHANDMAUL – Instrumental zu tun hat), „Lindwurm Massaker“ und „Freitod“ sind dann sowohl textlich wie auch musikalisch eher mittelalterlich angehaucht und wieder deutlich metallischer. Doch VOGELFREY können nicht nur schnell und laut, sondern auch sanft – „Sommer“ punktet mit viel Melancholie und einem durch die Percussion beinahe orientalischen Flair.
„Der Tusch!“, das passend zum Text von Jahrmarktklängen eingeleitet wird, beweist, dass die Band auch keine Scheu vor großen Namen hat: Mit dem bekannten „Rondo alla Turca“ wird hier fröhlich-respektlos aus Mozarts elfter Klaviersonate zitiert, in diesem Fall allerdings auf der Geige. Spätestens an dieser Stelle ist es auch an der Zeit den beiden Streichern Alexander Suck (Violine) und Johanna Heesch (Cello) ein Kompliment auszusprechen. Mit ihrem präzisen wie gefühlvollen Spiel schaffen die beiden ein wunderbares Gegengewicht zur Härte von Gitarre und Schlagzeug und tragen damit erheblich zum sehr runden Gesamtsound bei.
Sanft und nachdenklich, aber auch herrlich ironisch kommt die Powerballade „Lebenslehre“ daher, bevor mit „Flamme bin ich sicherlich“ noch einmal ein hartes Brett serviert wird, für das eindeutig SUBWAY TO SALLY Pate gestanden haben könnten. Eher an die Kollegen von SCHANDMAUL, nur ein wenig härter, erinnert dann das abschließende, augenzwinkernde „Galgenvogel“.
Fazit: VOGELFREY bewegen sich irgendwo zwischen NDH, klassischem Heavy Metal, Powermetal, Polka, Mittelalter und Folk. Damit begründen die Hanseaten zwar kein neues Genre, aber dafür kombinieren sie die verschiedenen Einflüsse mit hörbarem Spaß zu einem höchst ansprechenden und abwechslungsreichen Ganzen. Da könnte sich so mancher der immer zahlreicher werdenden Genre-Acts eine dicke Scheibe von abschneiden. Um es kurz und bündig auf Facebook-Deutsch auszudrücken: Gefällt mir!
Anspieltipps: „Schuld ist nur der Met“, „Lindwurm Massaker“, „Sommer“, „Lebenslehre“
Autor:
redbeard
Bewertung:
8,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Trollzorn Records
Band-Webseite:
www.vogelfrey.net
Release:
18.05.2012
Leserwertung:
10 Punkte / 3 Stimmen
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Artikel eingestellt:
13.05.2012
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