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ORCUS CHYLDE - Orcus chylde

ORCUS CHYLDE - Orcus chylde

ORCUS CHYLDE, meine lieben Freunde, sind eine junge süddeutsche Kapelle, die sich den Klang der späten 60er und frühen 70er auf die Fahnen geschrieben hat, dabei allerdings auch frischere Elemente einfließen lässt. Psychedelische, bleischwer rockende und nachdenklich ruhige Momente sind hier die Regel, die Melodien sind eher betörend denn spektakulär, der helle, charismatische Gesang sehr emotional und das Spiel der Jungspunde kraftvoll.

Gleich der Opener "The day the 7th angel came" macht die Marschrichtung sehr deutlich. Kräftiges Orgelspiel, bluesige, brodelnde Heavygitarren, schöne singende Soli, gefühlsintensive Gesangsmelodien, eine wunderbare Melange, die eine sehr dichte Klangwand ergibt. Der Sound ist leicht verschwommen, damit die Musik an sich noch mehr mystische Tiefe erhält und die Sinne des Hörers mit hinunter in eben diese reißt, aber durchaus klar genug, dass man sich bei konzentriertem Hinhören auf jedes einzelne Instrument ausrichten kann.

"Valley of thornes" hat dann eine geradlinigere, rockende Ausrichtung, wiederum mit sehr gefühlvoller, vielleicht ein wenig rührseliger Gesangsmelodie (ich finde das schön) und in der Mitte einem etwas sanfter dahintänzelnden Part, bei dem schöne akustische Gitarrenläufe den Hintergrund durchziehen und die Struktur verfestigen, der allerdings rasch von einer vorandrängenden Orgel und einer tosenden Heavypassage mit feurigem Gitarrensolo abgelöst wird. Der Song ist recht treibend und eingängig, aber in seiner Gesamtwirkung eindringlich und durchaus hypnotisierend.

Ruhig und verträumt dann in seinem Anfang das Titelstück, welches ja zugleich die Bandhymne darstellt. Ein Fundament aus fast rituell wirkendem Getrommele, darüber schwebend eine melodische Gitarre und dieser durchdringende Gesang, dann der Wechsel zu einem wuchtig harten Rock und schließlich eine schleppend stampfende Doompassage. Die Wucht wird etwas zurückgenommen und dann wieder voll ausgespielt. Von der Gitarre kommen ein paar markante Läufe, dann kracht die gesamte Band wieder los, angeführt vom Sänger. Und man merkt schon, dass die Songs der Band abseits von Pop und Mainstream liegen, dass man sie sich erarbeiten muss, Passage für Passage, instrumentale Schicht für instrumentale Schicht.

Aus dem Brodeln schälen sich Harmonien und Melodien, wunderschöne, verspielte Bassläufe und Gitarrenstrukturen, auf denen die Stimme umhertanzt, mal in sich versunken nachdenkend, mal von größten Gefühlen getrieben schier explodierend vor Leidenschaft. Obgleich der Sänger stets den Gesang an sich wahrt und das Schreien unterlässt.

Akustische Wandergitarre, eine sachte dazugespielte klare E Gitarre, eine melancholische Gesangslinie und ein paar Zischer der Becken, so beginnt "As time will bury us all", ein Stück psychedelischer Rock mit sanfterem Ausdruck. Es wird bei Hinzutreten des Schlagzeugs intensiver, wobei der Drummer sich in manchen Passagen auch zurückzunehmen weiss. Der Keyboarder hat sich ein Piano dazugeholt, die Orgel summt nur leise im Hintergrund. Das Klavier mit seinem wuchtigen Sound passt hervorragend zu den einzeln geschlagenen verzerrten Gitarrenakkorden. Wieder entsteht so eine dicke, feste Klangwand, deren einzelne Schichten man auf sich wirken lässt und in der sich feingliedrige, aber feste Strukturen der einzelnen Instrumente gegenseitig halten. Insgesamt habe ich einen leichten Neil Young Ausdruck bei diesem Song feststellen mögen, wobei das tatsächlich eher eine ähnliche Richtung ist, in die sich ORCUS CHYLDE bewegen.

"Over frozen rivers" wird marschiert, eine schöne, fast poppige Orgelmelodie und ein paar einzelne Widerworte der restlichen Instrumente leiten einen wie der Stern von Bethlehem jene drei Weisen, welche den Messias zu finden gedachten. Aber auch das ist nur der Anfang, da der Song mit Einsatz des Gesangs einen fließenden Charakter bekommt und ein paar kräftigere Acidhardrockmomente im, ich nehme an, dass es der Refrain ist, die Sinne des betört dahinträumenden Hörers kitzeln. Intensiv wird der Hardrockhintergrund des schönen Gitarrensolos, auf den eine kurze Schlagzeugbrücke folgt, die wiederum eine treibende Heavypassage mit tollen Gesangsmelodien einleitet. Das ganze wirkt sehr emotionsgeladen und mitreißend hymnisch.

ORCUS CHYLDE haben einen verspielten Ausdruck, obschon sie zumeist recht gerade Songs schreiben und gar nicht so sehr ins Jammen verfallen. Sie kommen auf den Punkt, was für psychedelische Rockbands heutzutage beinahe unüblich ist. Aber das macht sie aus, dadurch erhalten ihre Stücke ihre Ausdruckskraft. Und wenn, wie bei "Over the frozen rivers", mal ein wenig länger im Abgang oder in der Mitte soliert wird, so bleibt stets eine feste Struktur erhalten. Schön ist es, dass die Einflüsse der Band die gesamte Epoche der Ursprünge pschedelischer Rockmusik umfassen, statt immer wieder einzelne Bands als Helden preiszugeben.

"U Ime / In The Name Of" ist ruhig, mit akustischer Gitarre, Perkussioninstrumenten, einer Hirtenflöte und gesprochenem Text. Dieser ist in einer slawischen Sprache gehalten und da ich einen Namen bei den Bandmitgliedern ausmachen konnte, der durchaus der Balkangegend entstammt, nehme ich an, es handelt sich um serbisch oder kroatisch, gesprochen von eben jenem Bandmitglied. Die Hirtenflöte und der leicht folkige Ausdruck des Songs könnten mir Recht geben. Ein schönes Interludium auf jeden Fall.

Dunkel und atmosphärisch dann "Quiet walls", erfüllt von größter Sehnsucht und intensiver Melancholie. Im Refrain mit einem satten Männerchor im Hintergrund verstärkt und von einer donnernden Gitarre begleitet. Hier dominieren Bass, Schlagzeug, Gitarre und Gesang, die Tasteninstrumente werden sehr zurückhaltend eingesetzt. Ein weiterer Glanzpunkt auf diesem sehr reichhaltig bunten Album.

Ruhig und nachdenklich geht es mit "Cold man" in die letzte Runde. In seinen Anfängen fließt der Song entspannt dahin, nimmt dann Fahrt auf und treibt laut rockend drauflos, bevor sich seine Bewegung wieder etwas beruhigt und sein Fluß gemächlich wird. Da sich diese Abfolge wiederholt, möchte ich einmal von einer straighten Rockstruktur sprechen.

ORCUS CHYLDE sind trotz vieler geradliniger und gut nachvollziehbarer Momente stets eine Undergroundband. Der Sänger singt so, wie ihm halt der Schnabel gewachsen ist, das sehr gut abgestimmte Spiel der Musiker ist locker und befreit, die Melodien wunderschön, aber durchaus auf den ersten Eindruck hin mit sprödem Charme versehen. Und das tut der Musik sehr gut, ebenso der Seele des Hörers, welcher in dieser prachtvollen Klangwelt schwelgerisch lustwandeln kann.

Zurück zu "Cold man", der einen perfekten Albumabschluß bietet, natürlich hier und da ein kleines Break in seinen straighten Acidrockstrukturen präsentiert und mit enormer Lockerheit und Leidenschaft gespielt wird. Perfekt.

Diese Band wird man sicherlich noch öfter zu hören bekommen, sie ist noch jung, auf der Suche, voller Hunger und Lerndrang. Ich freue mich schon jetzt auf weitere Alben. Sie haben bereits ihren eigenen Charakter, sie haben ihren Stil gefunden, den sie sicherlich noch ausbauen und perfektionieren werden. Für Freunde von neuen Psychedelicbands wie VIBRAVOID, die ebenfalls sehr undergroundig begonnen haben, ist das hier eine schöne Sache.

 

Bei Amazon suchen! Bei blackscaped.de suchen! 01. The Day The 7th Angel Came
02. Valley Of Thornes
03. Orcus Chylde
04. As Time Will Bury Us All
05. Over The Frozen Rivers
06. U Ime / In The Name Of
07. Quiet Walls
08. Cold Man

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Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
8 von 10 Punkten

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Label:
World In Sound
Band-Webseite:
www.facebook.com/orcuschylde
Release:
09.07.2012

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1353 x

Artikel eingestellt:
13.08.2012

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