SULA BASSANA - Dark days

SULA BASSANA - Dark days

Es ist ja unerhört, sich erst alten Krautrock, dazu noch FAUST reinzutun und dann hinterher ein Review zu neuem "Krautrock" von Onkel Dave aka SULA BASSANA schreiben zu wollen. Aber manchmal siegt die Frechheit und so mach ich mich mit bunter klanglicher Wonne im CD Player ans Werk. Zuerst einmal klingt die Scheibe für mich, als bräuchte ich noch einen Kaffee, was allein an meinen Ohren, meiner Schlaflosigkeit der Nacht zuvor und einem noch in der Kanne befindlichen Kaffee liegt.

Gar nicht so verschlafen wirkt der Opener "Underground", welcher ein klassisches Hardrockriff der späten 60er und frühen 70er auf verhalten treibendem Spacerockrhythmus seine hypnotische Wirkung entfalten lässt. Anfangs tut er das jedenfalls. Der Gesang darüber liegt irgendwo unter einer dichten Wolkendecke aus Hall und anderen Effekten vergraben, ein paar kosmische Geräusche dichten den Klangteppich ab und eine coole Leadgitarre jault in bester Tradition betörende Melodien auf einem Fundament aus stoisch geradlinigem Trommeln, einem kräftigen, ebenfalls straight bollernden Bass und sägenden Spacegitarren, zuweilen mit Wahwah Groove. Eine schön hypnotisch psychedelische Tanzpassage in der Songmitte, wo Bass und Schlagzeug einen unwiderstehlichen, sich umherwindenden Rhythmus spielen und über allem die Gitarren und Synthesizer einander umschlingen und umgarnen, zuweilen mit ihrer Melodik regelrecht den Verstand ausblasen ergibt sich aus dem Grundlauf, dann folgt ein leicht progressiv wirkender, umhertorkelnder Part, bevor der straighte Spacerock wieder das Ruder übernimmt. Hätten die alten HAWKWIND kaum schöner hinbekommen. Erster Hit auf der Scheibe. Wobei ich noch das sehr intensive Ende des Stückes erwähnen möchte, welches aus einem seine Form langsam auflösenden Umhergespiele besteht, dann in ein kosmisches Schnarren übergeht und gleich darauf im Aufbruch in den nächsten Song zu münden.

"Departure" hat einen wiederum stoisch eingehaltenen Verlauf, man kann beinahe von Monotonie sprechen, aber SULA BASSANA Macher Dave wäre nicht er selbst, wenn er nicht durch stete Steigerungen, Auftragen weiterer Klangfarbschichten und einem lebendigen Spiel einen kraftvollen Spannungsbogen errichten.

"Surrealistic journes" geht dann einen anderen Weg, beginnt mit freiformatigen Orgel - und Gitarrentönen, die ins Klangbild hineingedreht werden, dann wieder in sich zusammenfallen und entwickelt sich zu einem beschwörenden Ritualtanz als rhythmischer Basis, auf dem eine schöne psychedelische Orgelmelodie und sparsame, unverzerrte Wahwahgitarren liegen. Die Intensität dieser in ihrem Ausdruck schon die Sinne vernebelnden Passage steigert sich beinahe sekündlich, der Bass wird klarer und entschlossener in seinem Vorwärtsdringen, das Schlagzeug besessener, der Hintergrund aus Gitarre und Orgel brodelnder. Ein leichter Schlenker zurück in moderatere Gefilde wird gemacht, wobei in der Passage ein erheblicher Spannungsbogen aufgerichtet wird, weil man einfach merkt, dass gleich etwas kommt, als stünde die große Eruption bevor und ja, da ist sie, eine treibende, alles in ihrem Weg verschlingende Klangorgie aus dröhnenden Spacegitarren, vollkommen entfesseltem Orgelspiel, infernalisch laut, furios und ehrfurchterweckend. Es schält sich ein straighter Part heraus, der mit verzaubernden, aber auch schrägen Leadgitarrenläufen, straightem Weltraumrockrhythmus und schwungvollem Aufbau zum Trancetanz einlädt.

In gut zwanzig Minuten kann aber auch eine Menge passieren und ein Song kann sich mehrfach um die eigene Achse drehen. Jammig geht es weiter, immer weiter. Die Gitarre jault und röhrt oft bedrohlich und düster mit majestätischer Mystik in ihrer Melodieführung, kann auch kurze Momente von absoluter Helligkeit in Deine Sinne projezieren oder einen nebulösen, zischenden Spacesound einbringen. Dave tobt sich hier aus. Irgendwo vermeine ich dann über einer mit ruhigerem Rhythmus dahinwalzenden Passage auch eine kleine Querflöteneruption zu vernehmen. Es sind Details, die in dem gewaltigen Soundbrei erscheinen und tatsächlich klar hervortreten, aber das können auch Halluzinationen sein. Dieser Mammutbrocken von einem Psychedelic Song ist so gewaltig, dass die Grenze zwischen Realität und buntem Fiebertraum verschwimmt. Und so ist hier die Atmosphäre in den ruhigen Momenten oft ebenso fiebrig und geheimnisvoll wie sie bei den Augenblicken der vollkommenen Entfesseltheit infernalisch kocht. Gut ist, dass Dave Schmidt seinen Hörern ein wenig Ruhe gönnt.

Mir kommen viele alte Vorbilder in den Sinn, PINK FLOYD, CAN, DOORS, AMON DÜÜL II, HAWKWIND, aber der Meister grüßt die Altvorderen allein das eine ums andere Mal mit tiefem Respekt, lässt aber stets die Musik aus seiner Seele heraus sprechen. Und so steigert sich der langsamere Abschnitt von "Surrealistic journey" wiederum in ein tosendes und krachendes Inferno hinein, worin Dich der stoische Bass und das groovende Schlagzeug in einen Zustand von Trance hineinmanövrieren und die Leadgitarrenmelodien auf dem Teppich aus Orgel und mit Effekten überladenem Saitenkrawall Deine Sinne garkochen. Wie die Fahrt einer Achterbahn, so wird die Dynamik dieser Songpassage immer wieder gesteigert und gemildert, bis das Stück irgendwann zu einem Ende kommt und mit freiformatigem Krach der Titelsong einsetzt.

Ein wildes Durcheinander aus Schlagzeug, klarer Wahwahgitarre, verzerrtem Brodeln einer anderen Klampfe und allerlei Tastaturgedrücke verwirrt Dich zunächst, bevor sich ein klarer, entspannt, aber majestätisch stapfender Rhythmus herauskristallisiert, auf dem die brodeln sägende Gitarre mystische Melodien spinnt und über den sich dann fast schon himmlisch schöne, eine Atmosphäre vollkommener Friedfertigkeit erschaffende Harmonien der Tasteninstrumente legen. Doch die werden nur angespielt, bleiben nicht die ganze Zeit auf der knarzenden, knirschenden Gitarre stehen. Im Hintergrund wabert es derweil kosmisch. Ein schöner Jam ist das hier, der zwar durchaus seine komponierten Momente hat, aber gerade durch die vielen frei improvisierten Aufbauten seine magische Wirkung entfaltet.

"Bright nights" entwickelt sich erneut aus einem formatlosen Geplinke und Gezirpe, zeigt Ansätze von Gitarrenmelodien, was aber auch wieder eine Sinnestäuschung sein kann. Sind das doch nur Strukturlosigkeiten? Aber nicht doch, auch hier entwickelt sich ein krautig psychedelischer Jam aus dem vollkommenen kosmischen Chaos mit durchaus beschwörend mystischer, orientalisch anmutender Grundmelodie, wird lauter, intensiver und steigert sich zu einem dahin monolithischen Dröhnen, das auch nicht weniger atonal scheint, wenn das infernalische Element zurücktritt und wieder das freiformatige Klanggewabere das Bild bestimmt und urplötzlich ist da auf den letzten Minuten eine doomig schwere Rockstruktur mit eindringlichem, allerdings verfremdetem Gitarrensound und verzaubernden Riffs, bevor es wieder in dieses kosmische Dröhnen hineingeht. Dave ist hier ein kleines Meisterstück abartigen Kraches gelungen, welches mit den frühen Prachtwerken von großen Visionären wie TANGERINE DREAM oder KRAFTWERK eine Stufe teilt.

"Arriving nowhere" beginnt schon fast friedvoll mit leichten Gitarrenmelodien betörend psychedelischer Art, bevor ein elektronischer Rhythmus zum Tanzen einlädt. Dies ist somit das modernste Stück auf dem Album, welches nebenher zwar durchaus durch das Spiel von Bass und Gitarre an die jammigen Momente alter Krauter erinnert, aber vom sehr eindringlichen Beat her gesehen nur aus der heutigen Zeit stammen kann. So verbinden sich hier moderne Elektronik und die experimentell psychedelischen Sounds der Ära von 1967 bis 1974 auf sehr eigensinnige und einnehmende Weise.

Tja, ich komme nicht umhin zu erwähnen, dass ich hierfür gerne mein Portemonnaie gezückt und mein sauer verdientes Geld ausgegeben habe.  Zusammen mit der letztens besprochenen VIBRAVOID "Gravity zero" CD wurde "Dark days" eingesackt und für absolut grandios befunden. Freunde von geschmeidiger Popmelodik sollten sich warm anziehen, wenn ihnen dieses Album zum Anhören aufgezwungen wird, denn so sehr SULA BASSANA einen auch verzaubert, so wenig Mainstream ist dieses Projekt.

Und nochmal zurück zu "Arriving nowhere", der groovige Acidrockpart nach all den elektronischen Spielereien ist eine absolute Macht. Dave Schmidt lässt hier wahrlich seine innere, seine Herzensmusik sprechen. Progressiv mag das 40 Jahre nach soundsovielen Heldenbands nicht sein, bewegend, anregend und sexy ist es allemal und ich steh auf sexy Musik.

 

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Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9 von 10 Punkten

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Label:
Sulatron
Band-Webseite:
www.sulatron.com
Release:
07.11.2012

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Artikel eingestellt:
07.11.2012

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