NIGHT - Soldiers of time

NIGHT - Soldiers of time

Fakt ist, dass der Markt an klassischem Hardrock und Heavy Metal mit Bands gut gesättigt ist, wovon viele wirklich noch sehr gute, eigenständige Musik machen. Aber kann man wirklich aus der gut klingenden Masse mit altertümlichem Songwriting herausstechen? Die schwedischen Jungspunde NIGHT beantworten mir diese rhetorische Frage mit einem fetten JA in Großbuchstaben.

"Waiting for the time", der ebenso klassische wie erstklassige Opener startet mit einem schönen Männerchor, bei dem Sänger Oscar mit seiner charismatischen, sehr hellen, spitzen und leicht schrillen Stimme heraussticht. Schöne Strophenmelodien, ein feiner melodischer Refrain und man ist drin. Die Gitarren spielen geschmackvolle Riffs und Licks abseits aller Standards und feine, ebenso melodische Soli verzieren den ohnehin coolen Song. Natürlich greifen NIGHT hier auch in die alte NWoBHM Kiste und schicken den Hörer zurück auf eine Zeitreise gen 1980 oder 1981, haben ihre Lektion aber gut gelernt und eine einprägsame Nummer geschaffen, die Bock auf mehr macht. Die Gitarren sind vom Klang her schön natürlich, irgendwie wuchtig und voluminös, aber mit gerade genug Zerreffekt, als dass sie auch nach Heavy Metal klingen.

"Across the ocean" marschiert forsch im kräftigeren Mid Tempo vorwärts und avanciert im Refrain sofort zur Hymne. Schöne Gitarrenmelodien erklingen überall. Auch dieser Song hier zieht einen unweigerlich mit in die frühen 80er und ist dabei so herrlich naiv unschuldig, zugleich aber strotzt er nur so vor Leidenschaft und Hunger. Mich beschleicht ein Gefühl wohliger Vertrautheit beim Anhören, aber NIGHT bringen ihre urklassischen Songs mit sehr viel Hingabe dar.

Interessant ist der stampfende Anfang mit Marchingdrums des Songs "We're not born to walk away", der dann in einen tänzelnden Rhythmus wechselt, über dem schöne Melodien gespielt werden und der letztendlich diesen lockeren Beat beibehält. Eingängig und für NIGHT Verhältnisse mit typischer Melodie und leicht mitsingbarem Refrain hat das Stück Potential, mir eine gute Zeit zu bereiten, wenngleich es natürlich alle Progressionen und Innovationen an andere Künstler verweist.

Das ist auch das Geheimnis vieler Bands der neuen schwedischen Heavy Metal Garde. ENFORCER, BULLET, SCREAMER, sie alle tauchen tief in die Strukturen der uralten Hardrock und Heavy Metal Musik ein, saugen den Geist der Musik in sich auf und basteln daraus neue, frische Stücke, die irgendwie schon da waren und doch wieder neu und lebendig klingen. NIGHT tun es ihnen gleich.

"Above the ground" mit mehrstimmigem Refrain, rockenden Gitarren, lässigem Mid Tempo Beat und einem Feeling wie bei JUDAS PRIEST 1978 lässt mein Bangerherz höher schlagen. Auch hier ist das traditionelle Spielgefühl der alten Kultscheiben am Start, wird von gerade mal 20 bis 22 jährigen Pimpfen Musik gezaubert, die von ein gutes Jahrzehnt vor ihrer Geburt schon hätte Bestand gehabt haben können. Und bei aller Rückwärtsschau haben NIGHT nur die Gegenwart im Blick.

Jetzt fällt mal ein Stück aus dem Rahmen, denn akustische Gitarren, entspannter Folk - und Countryrock im besten Amistil und der typische klassische Heavyrock der Band werden einfach mal zusammengeschmissen, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Spinnen die Schweden? Nein, sie machen es einfach. Und sie machen es gut. Das Stück hat Feeling, gute Melodien, Schwung und Stil. Es wird viele obertrue Kultmetaller vor den Kopf stoßen, aber die können sich gerne selbst am Arsch lecken mit ihrer Scheuklappenmentalität. Dieser Song ist ein Überhighlight unter den ersten fünf herrlichen Stücken.

Wiederum entspannt rockend, mit coolen Riffs und feinem, schwungvollen Beat, sowie straighter Gesangsmelodie präsentiert sich "Secret war". Einfach, unkompliziert, direkt die Seele kitzelnd. Der Refrain ist so typisch für NIGHT und viele Schwedenbands und allein Oscars Stimme reißt ihn heraus, aber er passt zum Song, welcher durch coole Gitarrenduelle und diese spielerische Leichtigkeit und Lockerheit mein Herz berührt. Kann man bei Musik das Gefühl haben, in der feinsten Gesellschaft allerbester Freunde zu sein? Kann einen das schiere Hören von Musik in einen Zustand tiefster Verliebtheit in eine Person versetzen und somit einen Glücksrausch heraufbeschwören? Geht! Und nun wollen wir weiterlauschen.

Donnernde Doublebass, flotte Riffs und blitzende Soli machen "Kings and queens" zu einer Erfrischung, die mich in einen verrauchten Club in Birmingham um 1979 herum versetzt. Klar, PRIEST waren damals schon größer, aber es gab ja auch feine NWoBHM Nachzügler, die mal ausloten wollten, wie schnell Heavy Metal gespielt werden kann. Eine Dampfmaschine, die einen kilometerlangen Güterzug in Schwung bringen könnte.

"Ride on" tänzelt wieder lässig und mit eindringlicher Melodie aus den Lautsprechern und die simplen, aber extrem packenden Riffs wollen mich auffordern, wie in Trance umherzutanzen. Einfach und schlichtweg schön ist dieser Hardrocker. Warum sind sie so zeitlos frisch dabei? Das mag ihre jugendliche Unbekümmertheit sein, aber vielleicht sind sie auch durch ein Zeitloch aus dem Jahre 1979 direkt in die Gegenwart gefallen. Vollkommener kann man diesen Urmetal der zweiten, neuen Welle nicht spielen, es sei denn man war damals dabei.

"Wanderlust" bekomm ich auch immer, wenn man mir mit schönen akustischen Gitarrenmelodien kommt und das imaginäre Lagerfeuer dazu prasselt. Die Nummer ist sanftmütig, betörend und kurz. Aber sie streichelt Deine Sinne für anderthalb Minuten, bevor "Power" ganz im Sinne seines Titels losrockt. NIGHT werden immer abseits der härtetechnischen Ultras in ihrer Liga spielen, aber das ist okay. Gefühl zählt und das haben sie. Sie machen einfach nur gute, ich würde sagen vollkommene Musik, weil dieser straighte Heavy Metal Rock mich berührt und glücklich macht. Das mag ein jeder für sich entscheiden, aber ich hab meine Lieblingstraditionsmetaller der letzten 25 Jahre entdeckt und keiner der Boyzz ist überhaupt annähernd 25. Das könnten meine Söhne sein und ich wäre stolz.

"Stars in the sky" beginnt mit einem folkigen Akustikgitarrengemenge und hat so eine leicht sehnsuchtsvolle Stimmung dabei. Oscar singt so ergreifend schön und leidenschaftlich, dass ich tatsächlich zu weinen Anfange. Und das ist ein Zeichen dafür, dass diese Platte zumindest in meinem Universum für ewig ein Klassiker sein wird. Weiterhören...weiterhören...yeah! Schlagzeug setzt ein, der Bass kommt und da ist eine Orgel, die im Hintergrund scheuert und schubbert. Meine Güte ist das schön. Eine cleane E - Gitarre spielt die Gesangsmelodie nach und ich erwarte noch weitere Entwicklungen. Und da ist die Quasieruption. Es bleibt melodisch und unverzerrt, aber das Schlagzeug bringt dem Stück noch mehr Schwung. Diesen Song müssen die Leute hören, überall auf der Welt. Sie müssen sich dabei von Grund auf glücklich fühlen und einfach alles und jeden lieben. Keine Ahnung warum ich das so schreibe, aber ich bin einfach glücklich.

Ja, sapperlot, was ist denn das für ein Album? So alt kann kein Metaltraditionalist werden, solche Songs je komponiert zu haben und doch klingt hier alles lebendig und lebensbejahend, vor allem aber erfrischend. NIGHT haben es geschafft, sie haben den Steinzeitheavymetal wiederbelebt. Das wäre so, als ob man in freier Wildbahn wieder Säbelzahntiger und Mammuts beobachten könnte. Ach, ich schreibe Blödsinn. Wer auf Endsiebigermetal steht und gerne auch mal eine junge Band unterstützt, der darf sich dieses Album als CD oder schönes Vinyl zulegen. NIGHT sind für den Heavy Metal was die BLUES PILLS für den Bluesrock sind. Junge Spunde mit ganz alter Seele.

Bei Amazon suchen! Bei blackscaped.de suchen! 01. Waiting for the Time
02. Across the Ocean
03. We're Not Born to Walk Away
04. Above the Ground
05. Towards the Sky
06. Secret War
07. Kings and Queens
08. Ride On
09. Wanderlust
10. Power
11. Stars in the Sky

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Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9,5 von 10 Punkten

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Label:
GAPHALS
Band-Webseite:
www.facebook.com/heavymetalinthenight
Release:
02.03.2015

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7277 x

Artikel eingestellt:
22.04.2015

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