Rezension von Simone Nitsche:
Die Alternativerocker von INZAINE stammen aus Hamburg und legen nach dreijährigem Live-herumtingeln mit „Asylum Ends Here“ ihr Debütalbum vor.
Zugegebenermaßen habe ich beim ersten Blick auf Anschreiben und Albumcover gedacht, ich hätte es mal wieder mit einer dieser durchschnittlichen Nu-Alternative-Schmerztruppen zu tun. Doch diese Befürchtung wurde sogleich vom ersten Song „Asylum Ends Here“ zerschlagen, und zwar kräftig. INZAINE haben einen ganz besonderen Trumpf im Ärmel: ihren ausdrucksstarken Front-mann Sammy Barry, dessen Stimme sich wie eine Mischung aus CREED, GODSMACK und den allmächtigen PEARL JAM ausnimmt und den Opener in eine warm-melancholische, aber keinesfalls pathetische Ballade verzaubert. „Bleeding“ röhrt da schon härter aus den Boxen und überzeugt durch geschickt eingesetzte Melodieabschnitte, die dem Song in ihrer Vielfalt das gewisse Etwas verpassen. Groovige Gitarrenriffs bilden den Einstieg zu „Cold Places“, doch auch bei diesem Track siegt die Abwechslung, und nicht nur die Vocals betreffend: der Song schwankt zwischen tiefgründig-treibenden Parts und einfühlsamen, eher ruhigen Einschüben.
Überaus gelungen das Ganze. Mit „Echoes“ bewegen wir uns dann in düster-langsamen Gefilden, die dieses spezielle Grunge-Feeling ausstrahlen. Wer „Ten“ von PEARL JAM (ja, ich mag diese Band) kennt, weiß, was ich meine. Der Anfang von „Headnut“ irritiert mich allerdings ein wenig, da dröhnen mir irgendwelche unverständlich-verzerrten Stimmen entgegen. Nein, ich sehe keine kleinen grünen Männchen und da sitzt auch niemand in meinem Ohr. Das scheint wohl so eine Art Intro zu sein. Erinnert mich leicht an MOTÖR-HEADs „Nightmare/The Dreamtime“, aber wie gesagt nur geringfügig.
„Headnut“ an sich erscheint mir ein wenig schwächer als die restlichen Songs, aber eventuell bin ich immer noch von diesem seltsamen Intro und den ab und an auftauchenden synthetisch verzogenen Vocals benebelt. Da schafft dann jedoch „Kick It“ sogleich wieder anständige Verhältnisse, das lockt und groovt an jeder Ecke. Ein Highlight auf „Asylum Ends Here“ bildet definitiv „Master And Slave“, ein völlig auf der GODSMACK-Schiene liegendes Stonerknallbonbon mit inte-griertem waschechten Sexgestöhne. „Motherfuckers“ schlägt dann wieder etwas dunklere Töne an und sticht insbesondere durch das an den richtigen Stellen eingesetzte Spiel mit der Geschwindigkeit heraus, während „Private Babylon“ durch den seltsam Nu-Metal-lastigen Refrain ziemlich versaut wird. Glücklicherweise ist auch dieses Lied irgendwann vorbei, und „Spilot“ kann auf uns losgelassen werden.
Zwar handelt es sich hierbei um einen relativ gemütlichen Track, dennoch zeugen Melodieführung und natürlich mal wieder die grandiosen Vocals von eingespielten Musikern, die ausreichend eigene, teils sogar ein bisschen psychedelische Ideen aufweisen und es nicht wie manch andere Band nötig haben, mit aufgewärmten Riffs hausieren zu gehen. „What About Me“ zeigt INZAINE dann noch einmal eher von ihrer wilden Seite, bevor „The Mac“ mit beinahe zehn Minuten (!) ins Rennen geht und uns balladenhaft beglückt. Besonders die geschickt angewandte Montagetechnik, die den Song mit verschiedensten – und diesmal auch wirklich passend klingenden – Stimmeinwürfen und Klangwelten versorgt, macht „The Mac“ beinahe schon zu einem Meisterstück.
Die auf dem Promozettel vermerkten deutlichen Einflüße von DISTURBED und LIMP BIZKIT kann ich allerdings nur sehr geringfügig verzeichnen, und das ist zumindest im letzteren Fall auch gut so. INZAINE sind eine starke, musikalisch selbständige Band mit sehr viel Potential. Punkt.
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