metal-district.de presents: Not Dead Yet - Fest 5

IRONWOOD - :Fire:Water:Ash:

IRONWOOD - :Fire:Water:Ash:

Eine australische Eigenpressung? Ich bin gespannt! Das Digipack ist wunderschön aufgemacht, ein dickes Booklet verbirgt sich in der Frontklappe, das Cover ist auf seine Weise mystisch, ohne aber an irgendwelche Klischees ranzugehen. Siebzig Minuten Spielzeit sind auch eine ganze Menge Holz. Schnell mal bei den Metal Archives gespickert, ja, es ist ihr Debüt nach dem 2006er Demo. Ich entsinne mich an Wortfetzen wie Folk, Black, Pagan, Viking, Epic und Progressive, die ich aufgeschnappt habe, als es um die Beschreibung der Musik ging. Das schuf in mir ein recht direktes Bild, welches sich allerdings sehr bald schon wandelte. Aus der anfänglichen Skepsis wurde ein intensives Interesse, welches dann in Leidenschaft umschlug und schließlich in Besessenheit mündete.

Was war denn nun beim Abspielen der CD und dem hingebungsvollen Lauschen über die folgenden 70 Minuten mit mir geschehen? Was hatten die Australier mit mir gemacht? Was hatten sie überhaupt getan? Die Musik der Band lässt sich in drei Abschnitte unterteilen, die stets in verschiedenen Variationen einen Song bilden. Derer neune gibt es auf diesem Album. Da sind Folk und Neofolk, melancholisch, hypnotisierend, betörend. Da ist der harsche Metal, der immer am Rande der schieren musikalischen Gewalt kurz vor dem Abkippen steht und sich doch im Zaume zu halten vermag. Und dann sind da progressive, zuweilen spacige Elemente, die eine Art spiritueller Brücke zwischen den beiden Extremen bilden.

Der sehr klare und fast schon unschuldig reine Klang fällt mir zuerst auf, selbst bei den wildesten Blackmetaleruptionen. Du hörst alles, Du hörst es genau, Du kannst Dich auf einzelne Instrumente konzentrieren und den Rest schon beinahe ausblenden. Dann beginnt mich das sehr lockere Spiel der Herren zu faszinieren, der Bass, welcher selbst in speedigen Sequenzen ganz entspannt seine Läufe zockt, cool as Hell, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Ja, diese Band strahlt die Selbstverständlichkeit einfach aus. Ist das Größenwahn oder Genie? Ich habe auch beides schon in Kombination erlebt, aber dafür ist die Band vom Feeling her zu erdig. Technisch gesehen hat man es mit versierten Musikern zu tun, die sich einer gewissen Filigranität nicht schämen mögen. Und selbst beim Geballere kommt ihre Fingerfertigkeit noch durch.

Der größte Teil des Albums, so scheint es mir, wird von den ruhigen nachdenklich stimmenden Folk - und Neofolkeinlagen bestimmt. Eine akustische Gitarre, eindringliche Gesänge mit viel Gefühl, sich langsam entfaltende Melodien, die einfach ihre Reifezeit brauchen, um den Hörer gänzlich in Beschlag zu nehmen, eventuell dezente Keyboarduntermalung, Wind, Naturgeräusche, mehr braucht es nicht, um eine sehr dichte, intensive Stimmung zu erzeugen. Oft wird daraus eine Atmosphäre von reinster Friedfertigkeit, die Dich sanft in ihren Armen wiegt.

Die Musik der Band IRONWOOD ist sehr bildhaft und dementsprechend durchaus "episch" zu nennen, man braucht ein gutes Dutzend Durchläufe, bis sie sich dem Hörer erschlossen hat, man muß sich mit den ruppigen Ausbrüchen schwärzeren Metalls zwischen den verzaubernden Folkpassagen arrangieren, dann wird es was. Verfechter der reinen Metallehre sind hier wohl die Verlierer, denn der Metal, dazu noch alter, eindringlicher Blackmetal, ist nurmehr ein Aspekt eines umso größeren Gesamtwerkes. Ich freue mich immer diebisch darüber, wenn eine Band tatsächlich wieder so eine absolut verwunschene Scheibe auf den Markt bringt, der bereits mit kommerziellen Plastikprodukten, musikalischem Fastfood von mittelmässiger bis erbärmlicher Qualität bis zum Rand gefüllt ist. Mich ärgert es dann gar fürchterlich, wenn tumbe Tore sich erdreisten, ihre vom Mainstreamklang verdorbene Perspektive, unter der sie die Musikwelt betrachten, auf solche außergewöhnlichen Kleinode anzuwenden. Meist endet das in Unverständnis und geistlosem Gepöbele.

Man kann IRONWOOD nicht am Mainstream messen, der da draußen vor sich hin pulsiert und den Menschen die musikalischen Geschmäcker verdirbt. IRONWOOD sind einzigartig magisch. Vor 35 Jahren wären sie reich und berühmt damit geworden, was ich ihnen nach wie vor wünsche. Ja, so ist er, der schöne Aspekt meiner Schreiberlingstätigkeit, ich darf dann und wann eine dieser ganz seltenen und absolut kostbaren Perlen entdecken, die mir eventuell verschlossen geblieben wären, hätte ich anhand von Stilbeschreibungen meine eigenen Maßstäbe angesetzt.

Als Anspieltipp möchte ich mal ganz am Anfang der CD den zweiten Song "The oncoming storm" benennen, der wirklich alle Aspekte des IRONWOODschen Schaffens vereint. Treibend hymnische, dabei schön raue Vikingmetalparts, rasenden Blackmetal mit grandiosen Bassläufen und feurigen Gitarrensoli, in sich gekehrten verträumte Folkpassagen. Zu schön für diese Welt.

 

Bei Amazon suchen! Bei blackscaped.de suchen! 01. Önd Ascending
02. The Oncoming Storm
03. The Raven Song
04. Jarnvidr Gallows
05. The Serpent seeks its Tail
06. Tide of Memory
07. Love in Death
08. River of Fire
09. Eihwaz Descending

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Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9,5 von 10 Punkten

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Band-Webseite:
http://www.ironwoodsound.com.au

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Artikel eingestellt:
15.05.2009

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1. Buffalo - Dead forever (AUS, 1972)
2. ZZ Top - First (USA, 1971)
3. Bloodrock - same (USA, 1970)
4. Shizoey - Lineaments
5. Fates Warning - Awaken the guardian

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