Interview mit Bandgründer Matt Harvey

Obwohl EXHUMED dem alten CARCASS-Sound seit Jahren fröhnen und sie von Kritikern gern als „Abklatsch“ der britischen Ausnahmeband gesehen werden, sind sie nicht nur wegen ihres Kultstatuses und der spektakulären Live Shows einzigartig und metallisch wertvoll, wie selten eine andere Band im Gore-Bereich. Eigentlich goret kaum jemanders schöner als Matts Combo und mit einem neuen Album am Start, das zwar keine eigenen Songs beinhaltet, aber dennoch überaus gelungen ist, war es mal wieder Zeit, dem Bandgründer und Metalmaniac ein paar Fragen nicht nur zu „Garbage Daze Re-Regurgitated“ zu stellen.
T: Hi Matt! Ich habe Euer neues Album mit dem witzigen aber passenden Titel „Garbage Daze Re-Regurgitated“ als CD mit der Notiz erhalten, dass die Songs noch nicht in ihren endgültigen Versionen vorliegen. Habt Ihr in der Zwischenzeit noch etwas an den Songs verändert? Hört sich auf jeden Fall ziemlich gut an!
M: Freut mich, dass es dir gefällt. Wir haben dieses Mal so ziemlich alles selbst gemacht und mit einem alten Freund über eine lange Zeit hinweg zusammen gearbeitet, anstatt in ein professionelles Studio zu gehen und wie beim letzten Album alles innerhalb von zwei Wochen aufzunehmen.
Wir sind mit dem Sound und allem anderen sehr zufrieden, da er diese gewisse Rauheit und „mitten-in-die-Fresse“ – Attitüde hat, die uns sehr gut gefällt und er den `Vibe´ der Songs gut einfängt.
Wir wollten, dass der Sound klar und sauber wird, aber nicht so poliert wie beim „Anatomy“-Album.
T: Ihr habt einen neuen Gitarristen namens Wes Caley. Was zur Hölle macht denn Mike Beam jetzt?! Meiner Meinung nach war er absolut und einzig richtige Mann für diesen Job, da er auch noch die besten Grunts raus haute! Schafft Wes das auch? Wer hat das alles auf dem Album übernommen?
M: Mike arbeitet gerade, ist aber gerade in keiner Band beschäftigt, die ich kenne. Ich hoffe aber mal, dass sich das schnellstens ändert, da er überaus begabt ist und für ihn wäre es scheiße, wenn er nicht ein wenig Krach in der Metalszene machen könnte.
Mike hat seine Sache innerhalb der Band immer großartig getan und uns immer geholfen, unseren Sound während der „Gore Metal“-Tage zu verbessern.
Seine Stimme hat ebenfalls wunderbar gepasst, aber manchmal war sie schon fast so tief, dass man sie fast nicht mehr wahrnehmen konnte. Es war lediglich Gebrumme.
Seine Vocals sind zwar auf der „Garbage Daze…“-Scheibe zu hören, allerdings hat er kein einziges der Gitarrensoli eingespielt - das haben Wes und ich gemacht.
Die ersten zwei Soli in „The Power Remains“ sind von Wes und auch zwei meiner absoluten Lieblingssoli der gesamten Scheibe.
Ich wollte mehr als „Gitarrenteam“ arbeiten, mit Mike erwies sich das als äußerst schwierig, da er und ich schon immer von zwei unterschiedlichen musikalischen Ecken kamen, die das Ganze zwar interessant machten, aber in den letzten Jahren hatten wir immer weniger eine gemeinsame Basis.
Wes und ich haben wesentlich mehr ähnliche musikalische Einflüsse und er hat mehr von einem klassischen Metal-Gitarristen als Mike, der ein sehr atonaler und irgendwie bizarrer Musiker und Komponist ist.
Außerdem hat er ziemlich oft das Instrument gewechselt und ist mittlerweile mehr ein Drummer als ein Gitarrist, so dass er zusätzlich das Interesse verloren hat.
Wes und ich liegen musikalisch gesehen mehr auf einer Wellenlänge und er schreibt bereits Songs für das neue Album, und ich denke, dass es auf lange Sicht gesehen ein sehr positiver Wechsel war.

T: Mit „Garbage…“ habt Ihr ein Coveralbum aufgenommen, auf dem Ihr Songs von Bands covert, die in Deutschland kaum jemand kennt. Nur die echte „Die-Hard“-Front hat schon mal Namen wie SAMHAIN, UNSEEN TERROR oder AMEBIX gehört.
Waren das Bands, die Euch dazu bewegt haben, Musiker zu werden?
M: Wir wollten, dass es in erster Linie ein EXHUMED- und kein Tribute-Album wird.
Hoffentlich werden unsere Fans sich die Scheibe zulegen, um EXHUMED zu hören, und nicht etwa eine der anderen Bands. Die können ja schon AUTOPSY oder CARCASS oder alle anderen Bands hören, von denen wir nichts gecovert haben. Ursprünglich wollte ich eigentlich die ganzen Bands wie INSANITY, WEHRMACHT, INDESTROY, CRYPTIC SLAUGHTER, MASSACRE, REPULSION, NECROVORE, das ganze alte Speedcore-Zeug und frühen Death Metal-Stuff covern, aber NAPALM DEATH haben das auf ihren Cover-Alben schon so gut gemacht, dass ich die Idee verworfen habe.
Ich höre mir jede Art von Musik an, egal ob heavy oder nicht, und es gab jede Menge Songs, von denen ich dachte, dass sie sich in unserer Art von Musik sehr geil anhören würden, wie z.B. „No Quarter“ oder „The Ghoul“. Es hat also sehr viel Spaß gemacht, diese Songs, die ja nun wirklich nichts mit Death Metal zu tun haben, in eine viel extremere Version umzusetzen.
Bei „The Ghoul“ haben wir die Riffs komplett an Grind angepasst, also es sind dieselben Riffs, nur eben anders gespielt und viel schneller, was das Ganze wirklich interessant macht.
EXHUMED ist eine Kultband, die nie wirklich sonderlich erfolgreich war, deswegen machte es Sinn, Songs von anderen Kultacts zu covern, deren Namen niemals zu den größten der Szene, auch nicht in der Metalszene, zählten.
T: „A Reflection“ von THE CURE ist ein wirklich gutes Intro, das Original ist allerdings langweilig. War das der Grund, warum Ihr den Song gecovert habt? Jetzt hört es sich wie ein METALLICA-Instrumental aus der „And Justice For All“-Ära an.
M: Ich persönlich mag das Original sehr gerne, es ist sehr hypnotisierend. Ich liebe das ganze „Seventeen Seconds“-Album und eigentlich diese ganze Phase von THE CURE.
Aber ich dachte mir, wir können es ca. 10 Millionen Mal härter machen und Spaß damit haben. Es hat auf jeden Fall einen METALLICA-Vibe, aber ich dachte mir, dass das Intro der letzten Scheibe eine Mischung aus der „Justice“ und „Mental Funeral“ Ära von AUTOPSY war, so schien es Sinn zu machen, zumindest für mich!
Das ist meine Gelegenheit einfach ein paar abgefuckte Gitarrentracks aufzunehmen und im Studio auszuflippen. Ich liebe es, Gitarre für Gitarre tiefer zu stimmen und zu versuchen, dass irgendwas total gigantisch klingt – das war also die Idee.
Das mit der Akustikgitarre ergab sich zufällig im Studio, es hat sich wirklich gut angehört, also haben wir sie verwendet. Ursprünglich hatte ich geplant, alles verzerrt aufzunehmen, aber ich denke, es klingt so nun wesentlich interessanter.
T: Eine andere Version, die meiner Meinung nach besser als das Original ist, ist „No Quarter“ von LED ZEPPELIN. Warum habt Ihr diesen Song gecovert?
M: Ich habe LED ZEPPELIN jahrelang leidenschaftlich gehasst, aber vor ein paar Jahren habe ich plötzlich angefangen, sie komischerweise richtig gut zu finden.
Als wir auf Tour waren, kaufte ich diese LED ZEPPELIN-Compilation mit den Kornkreisen vorne drauf und hörte mir immer wieder ununterbrochen „No Quarter“ an.
Das Haupt-Riff war so verdammt hart und ich dachte daran, wie man es noch viel härter machen könnte. Ich denke, wir haben es wesentlich härter, düsterer und sumpfiger gemacht. Zudem war es eine Herausforderung wieder etwas langsames zu zocken, im Gegensatz zu unserer normalen, schnellen Spielart.
Es war cool, an einem Song mit viel Freiraum, wo nicht permanent irgendwelche Riffs/Notes/Vocals vorkommen, zu arbeiten. Ich dachte irgendwie, dass der Song entweder total cool werden oder sich als der letzte Mist herausstellen würde. Es war natürlich auch ein Risiko dabei, aber ich denke, wir haben es gut hinbekommen. Sogar unserem altem Drummer Col Jones, der eigentlich nur Death und Thrash mag, gefiel es und wir waren wirklich froh, das von ihm zu hören. 
T: Mit „Necrophilia“ der britischen Hardcore Punks GBH habt Ihr ja einen Punk Song gecovert. „Trapped Under Ice“ von METALLICA ist auch sehr punkig geraten. Hast Du viele Punk Songs auf CD oder Platte?
M: Yeah, Punk war schon immer ein großer Einfluss für EXHUMED.
Als ich aufgewachsen bin, hörte ich DARK ANGEL, CELTIC FROST, ONSLAUGHT etc., aber ich war eben die einzige Person in meiner Schule, die solche Bands gehört hat und alle meine Freunde mochten die MISFITS, DEAD KENNEDYS, ANGRY SAMOANS, BLAG FLAG, DESCENDANTS etc., so dass von ca. 87-89 die Musik dieser Bands für mich neben dem ganzen extremen Death- und Thrashzeug eigentlich durchweg präsent war.
Ich liebe DISCHARGE, das ist eigentlich meine all-time favourite Punk-Band, aber auch den alten NY Hardcore und haufenweise Bands wie AMEBIX, AXEGRINDER, die frühen HELLBASTARD, DEVIATED INSTINCT, ebenso wie die UK Hardcore-Szene, die ELECTRO HIPPIES, EXTREME NOISE TERROR, RIPCORD… .
T: Letztes Jahr hast Du bei EXODUS gesungen! Wieso habt Ihr keinen Song von ihnen gecovert?
M: Aus dem einfachen Grund, dass Wes und ich alt ausschauen würden, wenn wir uns an Holt und Hunolts Soli versuchen würden. Diese Kerle sind einfach der helle Wahnsinn!
Sie waren auf jeden Fall auf der Liste mit den potenziellen Bands, von denen wir einen Song covern wollten…. „A Lesson In Violence“ wäre mit einigen Blast Beats sicher zermalmend!
Ich liebe Baloffs Lyrics, die zu den besten der Metal-Geschichte gehören.
T: SIEGE, die eigentlich kaum jemand kennt, war eine der ersten Grindcore Bands. Die meisten Leute denken, dass NAPALM DEATH die Grind-Pioniere waren, aber das stimmt nicht. Es gab zahlreiche Bands wie SOB und SIEGE. Welche Band war Deiner Meinung nach ´die erste Grindcore Band´?
M: Möglicherweise LÄRM, aber SIEGE sind definitiv die Vorkämpfer. GENOCIDE / REPULSION kamen etwas später, aber nicht wesentlich. NAPALM DEATH waren die ersten, die wirklich Notiz von sich machten und sie machten den Grind merh oder weniger bekannt und brachten einige Klassiker raus.
Sie gaben immer etwas für die Szene und ihre Einflüsse und ohne NAPALM DEATH-Interviews hätte ich wohl niemals etwas von meinen Lieblingsbands wie MASTER, SIEGE und REPULSION gehört.
T: Letztes Jahr solltet Ihr auf dem Obscene Extreme Open Air und dem With Full Force spielen, aber beide Shows wurden abgesagt. Auf Eurer Homepage habt Ihr geschrieben, dass „andere Leute diese Shows gebucht und arrangiert haben“. Habt Ihr jetzt diese „anderen Leute“ getötet oder übernahm das Curby für Euch? ;)
Ich war jedenfalls dort und Curby war nicht gerade erfreut, dass es nicht geklappt hat. Mag Curby Euch jetzt immer noch? ;)
M: Wir haben niemals behauptet, wir würden jemanden umbringen, wir haben uns bei diesen Leuten übermäßig entschuldigt. Curby und ich sind alte Freunde. Ich habe es gehasst, ihn hängen zu lassen. Die Band hatte sich zu dieser Zeit fast aufgelöst.
Mike war mehrere Male kurz davor, die Band während der letzten paar Konzerte der Tour zu verlassen. Wir waren zu dieser Zeit nach sechs Monaten auf Tour ziemlich zersplittet und es bestand keine Möglichkeit, diese Gigs zu spielen, obwohl es uns sehr schwer gefallen ist, die Necromaniacs zu enttäuschen.
Offensichtlich mussten Neuerungen her, und die sind mit dem neuen Line-Up eingetreten und nun sind wir bereit, auszuschwärmen und ein paar Schädel zu knacken sowie ein paar Flaschen Bier…
T: Gibt es Pläne für Konzerte oder eine Tour? 
Werdet Ihr die Coversongs auch live zum Besten geben?
Wollt Ihr eine Headliner Tour?
Falls nein, welche Bands werdet Ihr in Euren kühnsten Träumen supporten und welche in der Realität?
M: Im September und Anfang Oktober sind ein paar Gigs in Europa geplant. Unsere Pläne haben sich schon an die 30 mal geändert, seit wir angefangen haben, darüber zu sprechen, aber so wie es aussieht, werden wir im Herbst ein paar Konzerte in Europa und dem UK spielen. (Hat ja nicht sollen sein, aber wie ich gehört habe, wird sich Bruchstein Tours um eine Tour im Winter kümmern – trabi)
Aber wir werden die Daten natürlich auf unserer Website veröffentlichen, sobald wir genau Bescheid wissen. Wir werden ein paar der Coversongs spielen, ebenso wie Lieder von anderen Alben, Sachen von den ersten beiden Scheiben… wir wollen es einfach „raw und simpel“ halten.
Diese Scheibe und die Tour sind für die 100%igen Hard Gore-EXHUMED-Fans.
T: Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir…
M: Vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns schon, wenn wir wieder in Deutschland unterwegs sind. Uns fehlt das Bier! Hoffentlich seid ihr alle da…Cheers!
EXHUMED - Interview mit Matt Harvey
(Interview)
EXHUMED - Garbage Daze Re-Regurgitated
(Rezension)
EXHUMED - Anatomy is Destiny
(Rezension)
EXHUMED - Slaughtercult
(Rezension)
EXHUMED - Platters Of Splatter
(Rezension)
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