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ISOLE

Interview mit dem Leadgitarristen Crister

Grüße in den Norden. Wie geht es euch?
Zu allererst mal ein großes Lob: „Bliss of Solitude“ ist ein wirklich fantastisches Album geworden. Man kann es wohl schon jetzt getrost zu den Highlights des Jahres zählen.


Vielen Dank.
Uns geht es sehr gut. Das Album ist endlich erschienen und wir hatten eine fette Releaseparty hier in Schweden. Am gleichen Morgen bin ich auch noch zum zweiten Mal Vater geworden, was den Tag noch viel besser gemacht hat. Wir werden sehen, wohin unser neues Werk ISOLE bringen wird. Es könnten interessante Zeiten werden.

Seit eurem letzten Album „Throne of Void“ sind knapp zwei Jahre vergangen. Was hat sich seither innerhalb der Band verändert – musikalisch und privat?

Innerhalb der Band hat sich nichts verändert, Jonas hat sich lediglich mehr dem Doom hingegeben. Eigentlich ist er eher ein Death Metal-Drummer, aber ich denke, er hat sich darin bewährt, auch außergewöhnliche Doom-Parts spielen zu können. Henrik hat wesentlich mehr zu den Lyrics beigetragen als zuvor. Er ist sozusagen unser Hauptsongwriter. Die Musik stammt nach wie vor überwiegend von Daniel und mir und wir sind um einiges düsterer geworden als auf den Vorgängeralben. Aber alles in allem ist alles beim Alten und wir genießen jede freie Minute mit der Band.

Worin siehst du persönlich die markantesten Unterschiede zwischen „Bliss of Solitude“ und den beiden Vorgängern?

„Bliss“ ist viel düsterer ausgefallen und die Vocals und Drums sind wesentlich besser. Daniel singt besser denn je und Jonas hat sich wie schon eher erwähnt mit dem aktuellen Album sehr stark in die Band integriert. Die Songs von „Forevemore“ wurden während einer Zeitspanne von ungefähr 15 Jahren geschrieben, deswegen fühlt es sich für mich ein wenig auseinander gerissen ab. „Bliss of Solitude“ verkörpert viel mehr, wie ISOLE heutzutage klingen. „Throne of Void“ war verglichen mit den anderen zwei Scheiben viel kompakter. Du kannst allerdings auch gewisse Parallelen zwischen allen drei Alben finden. Im Großen und Ganzen haben wir es mit „Bliss of Solitude“ geschafft, uns ein ganzes Stück vorwärts zu bewegen – in jeglicher Hinsicht. Auf der neuen Scheibe findest du beispielsweise Death Metal Parts, dann wiederum Passagen, die mit Metal so gar nichts am Hut haben – „Bliss“ ist vielschichtiger und abwechslungsreicher als alles zuvor. Abschließend möchte ich noch behaupten, dass die Produktion des neuen Albums besser und drückender ist.

Seid ihr denn selbst voll und ganz zufrieden mit „Bliss of Solitude“?
Oder würdet ihr gerne etwas anders machen, wenn ihr rückwirkend die Möglichkeit dazu hättet?


Ich für meinen Teil bin mit der Scheibe sehr zufrieden. Die Songs sind gut und der Sound passt zu den Kompositionen. Es gibt aber natürlich immer irgendwas, das man gerne anders machen würde, aber das lässt uns weiter machen und beim nächsten Album versuchen wir dann, diese Dinge zu besser zu machen. Wenn man vollkommen zufrieden mit seiner Musik wäre, sollte man wohl aufhören Musik zu machen. Denn dann hat man ja das höchste Ziel erreicht und hat nichts mehr, das einen anspornt.

Wie lange hat es denn gedauert, bis „Bliss of Solitude“ fertig gestellt war?

Da wir immer in unserem eigenen Studio aufnehmen, können sich Aufnahmen unter Umständen ziemlich in die Länge ziehen, zumal wir beispielsweise bei „Bliss of Solitude“ einige Wochen gar nicht im Studio waren.
Wir haben im Juli mit den Aufnahmen begonnen und waren irgendwann im November fertig. Ich betrachte es als einen großen Luxus, sich soviel Zeit zu lassen, wie man braucht. Man hat nicht ständig den Gedanken im Nacken, dass man für jede Stunde, die man im Studio ist, bezahlen muss.

Um mal auf das sehr stimmige Cover-Artwork zu kommen: wer ist dafür verantwortlich und was stellt es dar?

Es zeigt eine Frau, die in Schande und Schuld ertrinkt. Die Idee stammt von Shakespeares „Hamlet“, wo Ophelia Selbstmord begeht. Die Farben sind sehr herbstlich gehalten und passen zum Titeltrack des Albums. Ich hatte die Idee, als ich ein Gemälde fand, das mir sehr gut gefallen hat. Es war ein altes Ölgemälde auf Leinwand und ich wollte die Rechte daran kaufen, um es als Cover für „Bliss of Solitude“ verwenden zu können. Allerdings wäre das unsagbar teuer gewesen, weswegen wir auf die Hamlet-Idee zurückgegriffen und uns für ein digital erstelltes Artwork entschieden haben. Peter Sallai aus Ungarn hat uns dabei sehr geholfen.

Nun eine recht allgemeine Frage: wie entstehen eure Songs in der Regel? Was inspiriert euch dazu?

Normalerweise haben Daniel oder ich immer irgendeine Idee im Kopf, die wir dann zu Hause aufnehmen, damit sie jeder anhören kann. Wenn wir dann zusammen proben, bringen die anderen noch ihre persönliche Note ein und so wird dann ein Song geboren. Normalerweise feilen wir sehr viel an den einzelnen Stücken, ehe sie ihre endgültige Form erhalten. Wir stecken in jeden einzelnen Song sehr viel Arbeit und hoffen, dass sich das Resultat sehen lassen kann. Da wir viele unterschiedliche Musikstile hören, haben wir natürlich auch viele unterschiedliche Quellen, die uns inspirieren. Du kannst ebenso Death Metal Parts als auch melancholische Pop-Elemente in unserer Musik hören. Manchmal beeinflusst uns auch unsere Umgebung; das kann beispielsweise das Wetter sein, Jahreszeiten oder der Lauf des Lebens.

Die nächste Frage ist vielleicht ein wenig schwer zu beantworten, aber du kannst es ja mal versuchen. Welches eurer drei Alben magst du am liebsten? Gibt es überhaupt eines, das du bevorzugst?

Ich mag unser neues Album am liebsten, da es ein Spiegel dessen ist, wie wir uns momentan fühlen. Außerdem bin ich der Meinung, dass wir es auf „Bliss of Solitude“ geschafft haben, die Schwachstellen der Vorgänger auszubügeln. Ich habe zwar auch eine Schwäche für unsere erste CD, aber die neue gefällt mir einfach am besten.

Gibt es irgendwelche lustigen Anekdoten aus dem Bandleben, die du unseren Lesern erzählen kannst?

Eigentlich ist es nicht witzig, ich weiß, aber das ist mir zuerst eingefallen, als ich deine Frage gelesen habe. Als wir „Forevermore“ veröffentlicht haben, waren wir mehr oder weniger unbekannt und bekamen die grandiose Gelegenheit auf dem Doom Shall Rise Festival zu spielen. Wir sind mit dem Auto angereist, was ungefähr 24 Stunden gedauert hat. Am gleichen Tag, an dem wir spielen sollten, bekam unser Leadsänger plötzlich fürchterlichen Durchfall und musste sich die ganze Zeit übergeben. Wir hätten den Auftritt beinahe absagen müssen und das wäre zu diesem Zeitpunkt wirklich mehr als ärgerlich gewesen. Wir haben es geschafft, Daniel halbwegs aufzupäppeln und haben ihn mehr oder weniger auf die Bühne geschleppt. Er hat wirklich den ganzen Gig tapfer durchgehalten und wir haben an diesem Abend eine Menge CDs verkauft. Es hat sich also sehr gelohnt und markiert für uns so etwas wie den Grundstein für den Erfolg von ISOLE. Stell dir nur vor, wir hätten nicht auftreten können und hätten den ganzen langen Weg umsonst gemacht. Fuck…ich bin wirklich froh, dass Daniel durchgehalten hat.

Hast du irgendeine peinliche Lieblingsband, für die du dich sogar ein wenig schämst?

Ich schäme mich nicht für meinen Musikgeschmack, deswegen kann ich dir auch keine peinliche Lieblingsband nennen. Es gibt einfach keine.


Stell dir vor, du hättest die Chance, dir deine eigene Band für eine Party zusammen zu stellen. Welche Musiker würdest du wählen und wieso?

Mhm, keine leichte Frage. Ich zähl dir jetzt einfach mal ein paar Musiker auf, allerdings habe ich keine Ahnung, wie sie sich zusammen anhören würden.

Guitars: Reine Fiske (LANDBERK, PAATOS & DUNGEN), mein Lieblingsgitarrist
Guitars: Greg Mackintosh (PARADISE LOST) ‘Master of Avantgarde Riffing’
Bass: Gjermund Landrø (GǺTE)
Drums: Rune Hoemsnes (THE 3rd AND THE MORTAL & SPUNDBYTE), der beste Drummer
Vocals: Jim Morrison (THE DOORS), Deep voice and dark poems

Nenne mir doch bitte drei Dinge, ohne die du nicht leben kannst.

• Meine Musik
• Meine Freunde
• Meine Familie

Gibt es einen Ort, an dem ihr gerne mal auftreten möchtet?

Ich habe gehört, dass es ziemlich cool sein soll, in Südamerika zu spielen. Da ich noch niemals dort war, würde ich dort gerne spielen. Sämtliche Doom Festivals auf der ganzen Welt wären natürlich auch super – ich liebe diese Events und man trifft jede Menge coole Leute.

Wisst ihr schon, ob ihr in diesem Jahr vielleicht mal für einige Auftritte nach Deutschland kommen werdet?

Kein Kommentar, dafür aber eine Erklärung:
Beide Touren zu unseren beiden ersten Alben wurden aus Gründen abgesagt, für die wir nichts konnten. Es kommt uns manchmal so vor, als wäre diese ganze Sache verhext, deswegen sprechen wir nicht darüber. Ich kann nur sagen, dass wir unser Bestes geben werden, um in naher Zukunft aufzutreten.

Und wie sieht es mit einem neuen Album aus? Schon etwas in Arbeit?

Wir haben bereits angefangen, Material für unsere nächste Scheibe zu schreiben und proben viel. Allerdings ist es noch zu früh, um konkretere Informationen zu geben. Wir wissen ja schließlich noch nicht, in welche Richtung wir uns musikalisch bewegen werden. 

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Ich würde mir wünschen, allein von der Musik leben zu können, aber dafür haben wir uns eindeutig dem falschen Genre verschrieben.
Das Wichtigste ist auch, dass meine Musik mich zufrieden stellt und mir Spaß macht. Es wäre auch schön, einige Wochen im Jahr zu touren und so viel Merchandise zu verkaufen, dass wir nicht drauflegen müssen. Das würde mir schon genügen.

Das war es auch schon. Ich danke dir vielmals für deine Zeit und deine Antworten.
Alles Gute für die Zukunft und macht weiter so!
Die letzten Worte gehören dir...

Ich hoffe, wir kommen in diesem Jahr mal nach Deutschland. Gebt unserem Album ein paar Anläufe Zeit, denn die muss man schon investieren, um es zu mögen.
Doom on!

 

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Zu diesem Interview:

Autor:
Kath

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Artikel eingestellt:
15.02.2008

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