metal-district.de presents: RDD 2010

JACK SLATER

Sänger Horn exklusiv über "Extinction Aftermath"

 

Zwei Jahre sind ins Land gezogen und der Versuch die Beziehung zwischen dir und Sobo zu stabilisieren, ist anscheinend in die Hose gegangen. Dieses Mal durfte aber kein Rosenkrieg befürchtet werden. Sobo ging frische Luft in der Welt schnuppern und half euch sogar beim letztjährigen Summer Breeze-Gig aus. Das dürfte aber die letzte Zusammenarbeit mit ihm gewesen sein, oder?

Horn: Auch wenn ich dafür 5 Mark in das Phrasenschwein stecken muss: „Sag niemals nie“. Ich kann mein eigenes Leben gerade mal bis zum nächsten Kaffee planen, von daher habe ich ehrlich gesagt keine Ahnung, was die Zukunft bringen wird. Als uns der Sobo vor anderthalb Jahren gesagt hat, dass er 2009 einmal quer durch die Welt reisen wird, haben wir nichts Konkretes abgemacht. Wenn er demnächst wieder fest in Deutschland wohnt, wird man sehen, ob man noch einmal zueinander findet und ob daran überhaupt noch ein beiderseitiges Interesse besteht. Auf so einer Weltreise erlebt man viele Dinge, die einen verändern und prägen, wer weiß, vielleicht kommt er zurück und will demnächst sowieso nur noch lateinamerikanische Volksmusik machen, dann stellt sich die Frage ohnehin nicht.

Sobo ist eigentlich ein netter Kerl, ich kenne ihn seit 13 Jahren und wir haben hunderte Konzerte zusammen gespielt und tausende Stunden im Proberaum miteinander verbracht. Es gab dabei gute und schlechte Zeiten, aber so ist das eben, wenn zwei Sturköpfe aufeinander prallen, da fliegen schon mal die Fetzen. Er ist sehr konsequent darin, seinen eigenen Willen und seine eigenen Vorstellungen durchzuboxen und ist da wenig kompromissbereit. Das macht das Arbeiten mit ihm teilweise sehr anstrengend, gerade wenn auf der gegenüberliegenden Seite so jemand sitzt, der Kontra gibt, dann bleiben Diskussionen nicht aus. Sollte es also noch einmal zu einer gemeinsamen Zusammenarbeit kommen, dann ist das wahrscheinlich nur möglich, wenn beide Seiten kompromissbereiter wären und man mehr gemeinsam als gegeneinander arbeiten würde.

Andererseits bin ich mit dem aktuellen Line-Up und dem neuen Album mehr als zufrieden und glücklich, so dass es momentan eigentlich keinen wirklichen Bedarf gibt, sich diese Frage überhaupt zu stellen. Time will tell…

 

Am Songwriting war Sobo jedenfalls nicht beteiligt. Ich dachte ja immer, dass er neben Chris der maßgebliche Ideengeber in der Band war und dass ihr euch dieses Mal schwer tun dürftet, aber genau das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Noch nie klangen JACK SLATER so frisch und lebendig, als auf „Extinction Aftermath“! Woran lag´s?  

Es freut mich zu hören, dass du das Album als „frisch und lebendig“ beschreibst, denn genau das sind auch meine Gedanken, wenn ich mir unsere neuen Songs anhöre! Ein neuer Drummer (David) und zwei neue Männer hinter den Gitarren (Kevin und Robert) haben natürlich einen immensen Einfluss auf das neue Material, ich finde das hört und spürt man auch zu jeder Sekunde von „Extinction Aftermath“. Und doch ist es uns irgendwie gelungen, ein astreines Jack Slater Album aufzunehmen, das neue Einflüsse integriert und trotzdem dem Stil von Jack Slater erstaunlich treu geblieben ist. Wie wir das gemacht haben? Frag mich nicht, ich habe absolut keine Ahnung, haha! Als wir damals im Januar 2009 mit dem Songwriting für die Platte begonnen haben, hatte ich überhaupt keine Vorstellung davon, wie dieses Album einmal klingen würde, umso zufriedener bin ich mit dem Ergebnis, wie ich finde das bisher bei weitem beste JACK SLATER Album in allen Belangen!

Die musikalische Seite von JACK SLATER wurde schon immer am stärksten durch die Gitarristen und den Drummer geprägt, das war früher so und daran hat sich auch bei diesem Album nicht viel geändert. Bedingt durch die räumliche Trennung der einzelnen Musiker, verteilt auf Bonn, Köln, Essen und Sundern (irgendwo im tiefsten Sauerland), sind die meisten Songs in ihrem Grundgerüst bei dem jeweiligen Gitarristen zu Hause entstanden. Diese haben sich dann meist alleine mit dem David getroffen, um mit ihm zusammen an dem jeweiligen Songideen weiterzuarbeiten und die Drums für die einzelnen Songs abzuchecken. Die ganze Band war aber durch Gitarren- und Proberaumaufnahmen, die wir uns in der Zeit ständig zugemailt haben, immer im Bilde, wie und an was die Leute gerade arbeiten. Chris konnte dadurch dann größtenteils zu Hause seine Basslinien ausarbeiten und hat diese auch teilweise aufgenommen und wieder als MP3 an alle verschickt, so dass von den meisten Songs eine richtige Demoversion existiert. Im Proberaum wurden dann die verschiedenen Teile des Puzzles zusammengeführt und wir haben mit allen zusammen die Songs weiter bearbeitet, verändert, verfeinert und verbessert. Der ganze Songwriting Prozess hat sich bis kurz vor dem Studiotermin im Juni 2009 hingezogen, erst dann waren die Songs soweit fertig und jeder mit dem Ergebnis zufrieden.

Nur ich musste wieder ne Ausnahme machen und habe wie immer die meisten Texte und Vocalpatterns erst im Studio geschrieben, teilweise erst in der Nacht bevor ich den Song einsingen musste. Das mache ich schon immer so, fühle mich aber durch den Druck irgendwie kreativ angespornt und habe es daher bisher nie wirklich versucht zu ändern. Vielleicht falle ich damit irgendwann mal auf die Schnauze und stehe in der Gesangskabine ohne zu wissen was ich singen soll, aber bis zu dem Tag werde ich es wahrscheinlich weiterhin so handhaben, weil ich mit dem Ergebnis meist sehr zufrieden bin. Außerdem gibt mir diese Arbeitsweise die grandiose Möglichkeit, niemandem die Chance zu geben mir irgendwie reinreden zu können. Ich schreib den Text, singe den ein und die anderen müssen dann mit dem Ergebnis leben, hehe, schlauer Horn!

Im polnischen Hertz Studio half euch Robert Nowak aus, der mit PHOBIATIC eine recht geile Band am Start hat. Wird man ihn denn auch live mit euch sehen oder habt ihr da schon jemand anderes?  

Robert ist ein super korrekter Typ und ein echt talentierter Gitarrist. Er hat die meisten Konzerte 2009 auch live mitgespielt, nur beim Summer Breeze Open Air, dem größten Gig den JACK SLATER bisher gespielt hat, dachte er sich „Ne, kein Bock, so nen kleines Konzert spiel ich nicht mit, da geh ich lieber arbeiten während die anderen vor tausenden Menschen stehen und ne geile Zeit haben!“ Er hatte gerade für diesen Gig dummerweise keine Möglichkeit gehabt sich frei zu nehmen und sich dezent darüber geärgert. Zu Recht, denn er hat echt was verpasst! (Salz in die Wunden, hihi)

Robert hatte einen immensen Einfluss auf das neue Album - die Hälfte der Songs kommen von ihm – und wir sind alle sehr froh und dankbar darüber, das er Lust darauf hatte mit Jack Slater an dem Album zu arbeiten, das war eine tolle Zeit! Es war leider von vornherein klar, dass Robert nur für 2009 richtig dabei sein würde. Er arbeitet viel, hat seine eigene Band (Checkt die MySpace Seite unter www.myspace.com/phobiatic) und interessiert sich sehr für Tontechnik und arbeitet daher zusätzlich am Wochenende öfters in einem Studio eines Kumpels und nimmt dort Bands auf, daher fehlt ihm leider die Zeit für JACK SLATER. Er wird aber auch 2010 einige Konzerte mit uns spielen, zwar nicht alle, aber wann immer es sich einrichten lässt. So ganz habe ich die Hoffnung auch noch nicht aufgegeben, ihn eines Tages doch noch komplett an Board zu holen, denn einen besseren und zuverlässigeren Gitarristen kann man sich eigentlich nicht wünschen.

Wir suchen momentan nicht konkret nach einem Nachfolger (wenn jemand meint, er wäre perfekt für den Posten, darf er sich natürlich trotzdem bewerben und uns überzeugen!), sondern werden soweit erstmal mit Kevin als alleinigen Gitarristen weitermachen. Der Junge ist gerade mal 20 Jahre alt, hat aber schon jetzt ein technisches Können und eine Musikalität, das ich mich jedes Mal frage, wo die jungen Typen von heute das alles hernehmen. David genauso, nur geringfügig älter, aber ebenfalls jetzt schon ein spitzen Drummer, Wahnsinn! Da David leider gerade dabei ist, nach Berlin umzuziehen, werden wir demnächst mit einem neuen Drummer weitermachen, Simon. Dieser hatte vor ein paar Tagen Geburtstag, wie alt ist er wohl geworden? Richtig! Ebenfalls 20… und wen wundert es: natürlich spielerisch jetzt schon umwerfend. Irgendwas habe ich in meiner Jugend echt falsch gemacht…

Nachdem „Blut/Macht/Frei“ via War Anthem erschien, veröffentlicht ihr nun quasi selbst über das JaKa-Label Unundeux und Cargo Records vertreiben es. Die Promotion, die War Anthem betrieb war meines Erachtens schon ganz ordentlich. Wieso nun der Schritt in die ‚Selbstständigkeit’? 

Naja, es ist ja kein neues Thema. Die Musikindustrie hinkt dem Internetzeitalter immer noch hinterher und viele Labels müssen sich meiner Meinung nach fragen, was sie einer Band bieten können, was diese durch Eigeneinsatz nicht selber erreichen könnte. Wir hatten Angebote und Interesse von einigen coolen mittelgroßen Labels, aber hätte das JACK SLATER wirklich weiter gebracht? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Sicherlich, die großen Labels wie Nuclear Blast, Relapse, Metal Blade oder Century Media sind einfach durch ihren Namen und ihre Reichweite eine interessante Nummer und haben ganz andere Möglichkeiten eine Band zu pushen. Wäre von diesen Labels ein Angebot gekommen, hätten wir sicherlich bei akzeptablen Konditionen da nicht lange gezögert und zugesagt.

So aber waren die Gegebenheiten etwas anders gelagert und unsere guten Kollegen von den Japanischen Kampfhörspielen haben uns gefragt, warum wir das Album nicht selber über ihr eigenes Label veröffentlichen? Gute Frage eigentlich! Die JaKas haben sich letztes Jahr selbstständig gemacht und ihr eigenes Label unundeux (www.unundeux.de) gegründet. Sie geben uns damit die Möglichkeit, das Album komplett selbstständig und eigenfinanziert raus zu bringen, allerdings mit dem großen Vorteil gegenüber einem „echten“ Eigenrelease, dass wir ein professionell geführtes Label, einen großen Vertrieb (Cargo Records, www.cargo-records.de) und eine professionelle Promotionstruktur (Blacklist Promotion, www.blacklistpromotion.com) im Rücken haben.

Das Ganze ist zwar finanziell erst einmal eine sehr große Investition, wenn man die gesamte Produktion mit Studio, Mastering, Artwork, Pressung und Promotion selber tragen muss, aber wir sind überzeugt davon, dass wir ein sehr starkes Album am Start haben, was die Kosten wieder reinbringen wird. Wir haben alles selber in der Hand, die absolute Kontrolle und müssen uns von niemandem reinreden lassen, wie die Band JACK SLATER sein sollte - ein unschätzbarer Vorteil und der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt.

Was macht der gute Horn denn eigentlich sonst so neben JACK SLATER? 

Das interessiert doch eh keinen, haha! Aber gut, weil du so lieb gefragt hast! Ich werde dieses Jahr 32 und habe mich nach Jahren der Selbstständigkeit als Flashcartoonist für das Fernsehen und Internet dafür entschieden, noch mal zu studieren, Soziale Arbeit hier in Köln. Das Studium kotzt mich zwar teilweise übelst an, aber ich werde versuchen die letzten 1-2 Semester jetzt auch noch gut rum zu bekommen. Ich bin übrigens momentan Single, wenn da draußen also ne hübsche Frau rumlungert, die Lust auf Schweinereien hat, darf sie sich gerne bei mir melden, hehe.

Ich bin ein großer TV-Serien Junkie und liebe es gute Serien zu entdecken und dann am besten so viele Folgen wie möglich hintereinander durchzuschauen. Serien, gerade die Erfolgreichen, die über viele Staffeln hinweg laufen, haben ganz andere Möglichkeiten der Plot- und Charakterentwicklung als ein Kinofilm, der das innerhalb von 90 Minuten leisten muss. Was nicht heißt, dass ich keine Filme mag, ganz im Gegenteil. Es gibt ganz fantastische Filme da draußen, aber Serien üben einen immer größeren Reiz auf mich aus. Entourage, Mad Men, Sopranos, Lost, Californication, Battlestar Galactica (das Remake), How I met your Mother und True Blood sind nur einige der aktuelleren Serien, die man sich unbedingt mal anschauen sollte, wenn man sich für gute Serien interessiert.

Ansonsten habe ich im letztem Jahr zum ersten Mal in meinem Leben mit einer sportlichen Betätigung angefangen und mich in einem Fitnessstudio angemeldet, haha! Ich war es einfach leid, nach 60 Minuten Gig so im Arsch zu sein, dass ich ein Sauerstoffzelt brauchen könnte. Die erste Zeit hab ich nicht so wirklich Plan von dem Ganzen gehabt und hab mal hier mal da irgendwas gemacht. Aber es hat mein Interesse daran geweckt und ich habe mich daraufhin viel mit dem Thema beschäftigt und gelesen. Ich hab mir jetzt einen Ganzkörperplan zusammengestellt, mit dem ich seit kurzem trainiere und fühle mich sehr gut dabei und spüre an meinem Körper Muskeln, von denen ich bisher gar nicht wusste, dass sie existieren. Nehmt euch in Acht, die Bikinisaison 2010 kann kommen!

Das sind momentan so zwei Bereiche, die bei mir einiges an Zeit verschlingen. Ich könnte jetzt noch andere Dinge aufzählen, die mir wichtig sind, aber genug von mir, widmen wir uns lieber wieder den spannenden Dingen!

Ok, kommen wir zu den Liedern bzw. den Texten an sich.

Kurze Anmerkung dazu, da die Leser die Texte größtenteils noch gar nicht kennen. Unter www.jack-slater.de/lyrics-ea.html könnt ihr euch bisher zwei Texte von den beiden Tracks, die wir auch auf MySpace (www.myspace.com/jackslater666) hochgeladen haben, durchlesen. Die restlichen folgen dann wahrscheinlich nach dem Release des Albums am 26.02.2010, damit sich die Leute, die sich das Ding dann bei Rapidshare besorgen, trotzdem mit den Texten beschäftigen können, falls es sie interessiert.

‚Pheromon’ - lässt bereits darauf schließen, dass es sich hier um Porno handelt, richtig? Wer ist die oder der Holde mit den braunen Augen? 

Porno? Lol, wie unromantisch du bist, hehe! Wikipedia sagt dazu „Pheromone sind Botenstoffe, d.h. organische Moleküle, die der biochemischen Kommunikation zwischen Lebewesen einer Spezies dienen.“ Da zählt die Findung von Geschlechtspartnern zwar ebenfalls zu, aber darum geht es in dem Text nur bedingt. Dies ist einer der persönlichsten Texte, den ich je geschrieben habe. Anfang 2009 habe ich ein Mädel mit fantastischen braunen Augen kennen gelernt und mich so stark verliebt, wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Auch wenn das Ganze nicht wirklich so geendet ist, wie ich mir das erhofft habe, so ist doch in dieser Zeit aus diesem Gefühl heraus dieser Text entstanden. Für mich ist es eigentlich ein Liebeslied und drückt den Wunsch der meisten Menschen aus, den Partner zu finden, mit dem man eine perfekte harmonische Einheit bildet, zu einem Wesen verschmilzt und damit glücklich ist. Der Text hat zwar eine sexuelle Komponente, daher liegst du mit deinem Pornoverdacht nicht ganz falsch, aber es geht hier mehr um eine tiefe innere, spirituelle Verbundenheit, als um schnöde, körperliche Rammelei.

Aber bevor ich weiter wie ein esoterischer Vollpfosten klinge, machen wir lieber weiter mit dem nächsten Song, hehe…

‚Dysthymia’ – die neurotische Depression. Eine weitere Krankheit unserer Gesellschaft. Wer bzw. welches Ereignis inspirierte dich zu diesem Text oder bist du selbst der Betroffene? 

Das Album lässt sich im Prinzip textlich grob in drei verschiedene Themengebiete einteilen: „Liebe, Depressionen und das Ende der Welt“. Das ist vielleicht für eine Death Metal Platte etwas ungewöhnlich, aber wir sind ja auch eine etwas ungewöhnliche Band, hehe. Pheromon gehört klar in den ersten Bereich, Dysthymia in den Zweiten.

Zum Glück bin ich nicht selber betroffen, aber ich habe einige Menschen in meinem Freundeskreis die damit zu kämpfen haben und schwer darunter leiden. Niemand der nicht selber depressiv ist, kann diese Krankheit wirklich nachvollziehen, daher ist der Text auch mehr der Versuch, mögliche Gedankengänge wiederzugeben, als eine echte Darstellung der Krankheit.

Dazu hat mir eine Freundin mal folgendes erzählt: „Depressionen sind wie eine lange Strasse mit tiefen Löchern. Du gehst die Strasse entlang, fällst in ein Loch und es ist unendlich schwer dich aus diesem Loch wieder hoch zu kämpfen und zu befreien. Irgendwann schaffst du es, du läufst weiter und fällst in das nächste Loch. Wieder musst du all deine Kraft aufwenden, um aus dem Loch zu klettern und du schleppst dich erschöpft weiter, nur um erneut in ein tiefes Loch zu fallen. So geht es Tag für Tag, Woche für Woche, Loch für Loch. Manchmal sind die Löcher nur schulterhoch und man kommt relativ einfach wieder raus, manchmal sind sie jedoch sehr, sehr tief. Die Hoffnung ist es an eine Kreuzung zu kommen, die auf eine neue Strasse führt, auf die man abbiegen kann, bevor man zu schwach dazu ist, sich weiter aus den Löchern zu befreien. Eine neue Strasse, mit frischem Asphalt, die keine Löcher in der Fahrbahn hat.“

Eine innere Hölle, die ich nicht erleben möchte. 

‚Martyr’ - Wer ist eigentlich für die kranken Töne zuständig? Manch eine/r wird vermutlich akustisch an den letzten Zahnarztbesuch erinnert. 

Hehe, da darfst du dich beim Robert bedanken, der hat das Ding eingespielt. Ich liebe diese Arppegios (Nennt man das so? Arppegii!? Sind das überhaupt welche? Keine Ahnung, seh ich aus wie nen Gitarrist!) und finde die kommen in dem Track richtig fett.

Zu dem Track wird es demnächst auch ein Video geben, wenn ich es fertig geschnitten habe. Allerdings ist mein altersschwacher Rechner etwas überfordert mit großen Videodateien, daher konnte ich mich bisher noch nicht so richtig aufraffen, das zu Ende zu bringen, weil es leider etwas mühselig ist an diesem Kackrechner, aber das kommt noch!

Textlich geht es hier sehr viel abstrakter zu, als bei den meisten anderen Songs. Das zu erläutern ist gar nicht so einfach, aber es geht im Prinzip um das geißeln und schinden des eigenen Körpers, um dadurch eine höhere Bewusstseinsebene zu erlangen. Puh, das klingt schon wieder so esoterisch, schnell weg!

‚Funkenflug’ - Schön sick, schön groovig und viel Zeit zum Kuscheln mit Zombies. ‚Funkenflug könnte beinahe eine Ballade sein, wenn da der Text nicht wäre. Mich erinnert er an den möglichen Zustand eines baldigen Amokläufers, der nahtlos in einen Selbstmörder übergeht. 

Vielleicht mein Lieblingstrack auf dem Album, wenn ich mich entscheiden müsste. Das ändert sich zwar auch so ein bisschen von Tag zu Tag und je nach Laune, aber ich finde es ist auf jeden Fall einen Hammer Track geworden, schleppend und schwer, aber tritt trotzdem mächtig Arsch. Und für Jack Slater ist es auch eine kleine Premiere, denn so eine durchgehend langsame Walze gab es bisher noch nicht von uns.

Übrigens muss ich mal sagen, ich bin allgemein mit meinen Vocals auf dem gesamten Album so zufrieden wie noch auf keinem Release zuvor, aber gerade bei dem Track muss ich mir mal selber ganz arrogant auf die Schulter klopfen, denn mir gefällt das sehr gut, was ich da gemacht habe, hehe.

Textlich im Prinzip eine Art Gegenstück zu 'Pheromon', handelt es doch auch von der Liebe, allerdings alles andere als eine glückliche und erfüllte Liebe. Man könnte auch sagen, es verbindet alle drei oben angesprochenen Themengebiete in „Liebe, Depressionen und das Ende der (eigenen) Welt“. Wo du, Dr. phil. Trabi, da den Amokläufer siehst, erschließt sich mir zwar nicht so ganz, aber Texte können und sollten stets selber interpretiert werden, von daher verzeihe ich dir noch einmal!

‚Happy Hour’ – einer der flottesten und auch kürzesten Songs, die ihr je geschrieben habt. Den Text muss man nun nicht wirklich erklären. Beruht er auf einer wahren Begebenheit oder ist er deiner Fantasie entsprungen?

Horn:

Happy Hour ist ein sehr kurzer, direkter Track ohne viele Schnörkel oder Spielereien, einfach, geradlinig und hart. Und genauso ist auch der Text, da muss man wirklich nicht viel erklären, aber ich könnte erwähnen, warum der Text da ist. Pheromon und Funkenflug waren die ersten beiden Texte, die für das Album fertig waren. Sozusagen als lyrischen Kontrapunkt zu diesen eher emotionalen Texten, wollte ich einen kurzen, schnellen, harten Track haben, zu dem dieser Text passen würde, um einen etwas simpleren und reduzierten Blick auf das Thema (körperliche) Liebe zu werfen . Also haben Robert und David den Song geschrieben und ich den Text dazu geliefert, ein schneller Fick auf der Toilette einer Bar, keine Namen, keine Verpflichtungen. Einfacher, purer Sex.

Ich selber bin eher ein langweiliger Langzeit-Beziehungstyp, von daher stammt der Text nicht aus meiner eigenen Erfahrung, allerdings ist daran nicht schlimmes oder verwerfliches und es passiert ständig und überall, dass sich zwei Menschen sexuell anziehend finden und einfach drauf los ficken, ohne sich danach jemals wieder zu sehen.

‚Omniscience’ – David legt auch hier wieder einige vorzügliche Blasts vor. Die Riffs sind ziemlich old schoolig gehalten und erinnern wohlwollend an Terrorizer. Außerdem dürfte er der erste JACK SLATER-Song mit englischem Text sein, richtig?  

Horn:

Das stimmt nur zum Teil, der Text zu dem Titeltrack „Extinction Aftermath“ ist zwei Tage älter und ihm gebührt wohl offiziell diese Ehre, der erste, echte englischsprachige JACK SLATER-Song zu sein. Außerdem entstammt dieser Text nicht meiner Feder, sondern ist eine Ansprache des japanischen Anime-Charakters „Schwarzwald“ aus der Animeserie „The Big O“. Ich finde diese Rede sehr beeindruckend und hatte diese im Studio dabei, weil ich irgendetwas damit machen wollte, wusste aber die ganze Zeit nicht, was es werden würde. Als ich dann den Text für Omniscience schreiben wollte, hatte ich auf einmal dieses Blatt in der Hand und dann führte eins zum anderen, denn die Struktur der Rede passte perfekt zum Songaufbau und den einzelnen Passagen. Ich habe lediglich einige wenige Wörter geändert, um den Text noch besser an den Gesangsrythmus anzupassen, den ich im Kopf hatte, ansonsten ist es die original Struktur der Rede der amerikanischen Synchronisation. Wenn man auf YouTube nach „Schwarzwald Speech“ sucht, findet man die Rede direkt, der Songtext fängt bei der Zeile „Even without the events of… “ an.

David zeigt auf dem gesamten Album, das er ein exzellenter und vielseitiger Drummer ist. Was ihn besonders macht, ist für mich sein Groove, den er mit in sein Drumspiel legt. Technisch saubere Blaster gibt es da draußen viele, aber die Wenigsten behalten trotz High-Speed Gebolze diesen Groove bei. Eine Fähigkeit, die ich an ihm sehr schätze und die auch für mich z.B. ältere Dying Fetus Alben zu großartigen musikalischen Werken machen und aus der Masse herausstechen lassen.

‚4 8 15 16 23 42’ – Sind das die Zahlen zum großen Glück. Welche wird die Superzahl? 

Hehe, nein, nicht ganz. Der Track ist ein rein instrumenteller Song, daher habe ich nach einem zum Album passenden Titel gesucht, mit dem ich trotzdem etwas aussagen kann.

Die Zahlen entstammen der TV-Serie „Lost“ und haben dort eine zentrale Bedeutung inne und tauchen immer wieder in den verschiedensten Formen auf, komplett oder als Teilzahlen oder als Summe etc., unter anderem übrigens auch als Lottozahlen, von daher hast du nicht ganz Unrecht! Im fiktiven Lost-Universum sind die Zahlen Hauptbestandteil der so genannten „Valenzetti Gleichung“, eine mathematische Gleichung die in Monaten und Jahren ausdrückt, bis wann sich die Menschheit selber vernichtet. Und da das Album „Extinction Aftermath“ heißt, was übersetzt soviel wie „Nachwirkungen der Vernichtung“ (oder der Auslöschung/Ausrottung) bedeutet, passt dieser Zahlentitel wunderbar zum gesamten Konzept der Platte und ich konnte ohne Worte und Vocals trotzdem etwas aussagen.

‚Konstrukt’ – Altbewährtes Riffing trifft auf sozialkritischen Text. Der angeprangerten Masse kann´s egal sein. Sie wird eh nie im Leben Jack Slater hören.  

JACK SLATER war und wird nie eine politische Band sein, trotzdem gibt es z.B. auf unserem letzten Album „Blut/Macht/Frei“ den Titel Rohrspast, dessen Text sich gegen  Rechtsextremismus und braunes Gedankengut richtet. Auch wenn ich bezweifle (und hoffe), dass sich viele rechtsextremen Menschen ein JACK SLATER Album anhören werden, so ist das kein Argument, es nicht zu sagen, wenn es einem wichtig ist. Gleiches trifft auf Konstrukt zu.

Ich komme mit vielen Aspekten unserer Welt nicht klar und habe ehrlich gesagt keine sehr hohe Meinung von der Menschheit allgemein. Ich verstehe viele Menschen nicht und könnte mich regelmäßig aufregen, wenn ich mal eine Zeitung aufschlagen sollte oder mir die Nachrichten anschaue. Geld, Macht, Religionen und etliche andere Dinge laufen einfach komplett falsch auf dieser Welt. Die Menschheit ist nicht gut und nett, sie ist größtenteils eine egoistische, destruktive Masse, die glaubt etwas Besseres zu sein und in Wahrheit seinem Nächsten nicht die Butter auf dem Brot gönnt, wenn man selber dadurch auch nur einen klitzekleinen Nachteil haben könnte.

Die Quittung für unser Verhalten bekommen wir täglich auf den Tisch und meine Hoffnungen auf eine Zukunft, in der die Menschheit aufwachen und über seinen Schatten springen wird, sind leider nicht wirklich groß.

‚Resser Frednik’ – Endlich stoßen wir auf das bekannte ‚Kinderfresser’-Riff. Der ‚Resser Frednik’ findet hier also seine gespiegelte Fortsetzung. War es schwer den Text rückwärts zu grunzen? 

Resser Frednik ist im Prinzip Kinderfresser II, nur rückwärts. Aber nicht irgendwie normal eingespielt und dann am Computer umgedreht oder so, nein nein, nicht so ein Kinderkram! Wir haben die Riffs und die gesamte Songstruktur umgedreht, gelernt und dann auch so eingespielt! Ein kleiner Spaß, den wir uns erlaubt haben und das Ergebnis ist für so eine bekloppte Idee erstaunlich gut geworden!

Den Text dann allerdings halbwegs vernünftig rückwärts einzusingen war die dümmste Idee, die wir je hatten, haha. Ich fand es tierisch schwer, aber trotzdem hat es natürlich einen riesen Spaß gemacht. Ich stand da im Studio und musste Zeile für Zeile einzeln einsingen und das bei dem doch recht flotten Tempo und viel zu viel Text. Die Hälfte der Zeit habe ich nur über die seltsamen Geräusche und Laute gelacht, die ich da machen musste, während ich die andere Hälfte probiert habe, keinen Knoten in die Zunge zu bekommen. Und ich hoffe, dass wir nie nicht niemals diesen Track live spielen werden, weil ich mir das beim besten Willen nicht merken kann. Aber Chris meinte schon, er fände es total witzig bei Konzerten erst Kinderfresser II normal zu spielen und dann direkt im Anschluss ohne Pause Resser Frednik hinterher. Ja, das sagt er so leicht, er muss dann ja auch nicht so tun als ob er das singen könnte, hehe!

‚Extinction Aftermath’ – Der Titelsong, den auch ein eigenwilliger Dirigent performen könnte. Du wirst beim Anfang vermutlich live immer fein mit den Fingern rumfuchteln. Der zweite englische Text auf der Scheibe. Die gestoppten Riffsalven erinnern im Übrigen ein wenig an OPETH.  

Der Titeltrack als letzter Song auf der Platte, bei dem Thema macht das ja auch irgendwie Sinn. Ob da ein kleines bisschen Opeth drin steckt, kann ich nicht wirklich beurteilen. Zu dieser Band habe ich keinen wirklichen Zugang mehr und die ersten drei Alben verstauben mittlerweile in meinem CD Regal. Ich meine mich zu erinnern, dass der kleine Kevin der Band durchaus etwas abgewinnen kann, aber vielleicht erzähle ich da auch gerade Unsinn (was ja nichts Neues wäre!).

Textlich geht es um die Beschreibung einer post-apokalyptischen Welt, auf der die letzten lebenden Menschen umherirren und mit dem Wissen sterben, dass sie selber dafür verantwortlich sind, dass die eigene Rasse kurz vor der Auslöschung steht - „deranged last words of a dying breed.“

Mir schwebte der Titel „Extinction Aftermath“ schon länger im Hirn rum, aber konnte ihn nicht verwerten, weil er zu einem deutschen Jack Slater Text nicht so wirklich gepasst hätte. 2009 kam dann das Album „Born like this“ vom amerikanischen Rapper „MF Doom“ raus (ein großartiges Album übrigens, aber das nur am Rande), darauf ist auch ein Track namens „Cellz“, eine düstere Soundcollage, die unter anderem Sprachsamples von Charles Bukowski verwendet, einem bekannten Dichter und Schriftsteller. Zwei Zeilen sind mir immer im Gedächtnis geblieben, weil ich diese so cool fand, „radiated men eat the flesh of radiated men“ und „fingers reach to an unresponsive god“.

Ich habe früher in meinen Bands vor Jack Slater auch schon englische Lyrics verfasst und im Studio hatte ich wieder den Titel, die zwei Zitate und Bilder einer zerstörten Welt im Kopf. Dann sagte ich mir „warum eigentlich nicht?“ und habe den Text auf Englisch geschrieben. Später wurde „Extinction Aftermath“ dann zu dem Titel für das Album und Grundlage für das Artwork, welches der gute Svencho (Sänger von Aborted und System Divide) erstellt hat.

Das war es dann erstmal zu unserem neuen Album! Ich hoffe, dass sich überhaupt irgendjemand dieses etwas längere Interview durchgelesen hat, ich habe mal wieder den Punkt nicht gefunden, aber eventuell hat es trotzdem Lust auf das neue Album gemacht, hehe...

Danke an Trabi und metal-district.de für die Möglichkeit, den Lesern einen etwas anderen Vorab-Einblick in Jack Slater und das neue Album „Extinction Aftermath“ zu gewähren, als sonst in Interviews üblich. Besorgt euch das Album, wenn es draußen ist, hört es euch an und hoffentlich gefällt es euch dann ebenso gut wie uns. Let the extinction begin!

Wir sehen uns, haunse rein,

Horn

www.jack-slater.de

www.myspace.com/jackslater666

www.unundeux.de

Leserkommentare

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Legion

cooles Interview!!!
und am besten gefällt mir das mit LOST Cool
sehr geil!!!
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trabi

na das dacht ich mir schon, dass dich das mit lost am meisten freut. Wink

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Zu diesem Interview:

Autor:
Trabi

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Artikel eingestellt:
24.01.2010

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