OMNIA - "LIFE, THE FOREST AND SERGEANT PEPPER..."

Interview

OMNIA im Interview

 

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Die niederländischen Paganfolker OMNIA präsentierten anläßlich des Festival Mediaval III in Selb nun auch in Deutschland ihr neues Album "Wolflove" (siehe unsere MD-Rezension). Zusammen mit Kollegin Kolyma nutzte ich die Gelegenheit, Jenny und Steve, den beiden Köpfen der Band, ein paar Fragen zu ihrem neuen Werk und darüber hinaus zu stellen.

 

 

Zuerst einmal danke dafür, dass ihr euch Zeit nehmt mit uns zu sprechen!

Jenny: Kein Problem!

 

Ja, aber für ein Metal-Fanzine, ich weiß, ihr spielt nicht wirklich Metal...

Steve: Du hast keine Ahnung, wievielen seltsamen Magazinen wir Interviews geben – da ist selbst Techno Zeug dabei!

 

Echt?

S: Yeah, unsere Musik ist sehr vielseitig.

 

Ihr habt mal ein Techno-Remix-Album herausgebracht, oder?

S: Ja. Und es ist nicht sehr gut...

 

Aber dieses Mal wollen wir uns natürlich über das neue Album „Wolf Love“ unterhalten. Das Konzert gestern war ja das deutsche Releasekonzert für die CD, und ich hatte vor ungefähr zwei Wochen das Vergnügen, das Album zu rezensieren. Als ich es das erste Mal hörte dachte ich dass es ziemlich... anders war, als die Sachen, die ich davor kannte. Der Hauptunterschied, der mir auffiel, war natürlich das Klavier. Woher kommt diese neue Liebe zum Klavier? Ich weiß, dass Du [Jenny] schon sehr lange Klavier spielst, aber warum habt Ihr es auf dem Album so viel eingesetzt? Es ist wirklich sehr dominant.

J: Ich glaube, die Frage ist eher, warum das Klavier nicht auf den anderen Alben war.

S: Jenny spielt besser Klavier, als sie Harfe oder Drehleiher spielt. Sie spielt Klavier seit sie fünf ist. Als sie das erste Mal am Klavier auftrat, war sie sieben – und so ging es weiter.

J: Ich hatte einfach lange Zeit kein Klavier. Jetzt habe ich ein E-Piano gekauft, ein Bühnenklavier, weil wir nicht so viel Platz haben. Ich habe ein Klavier im Haus meiner Eltern, doch wir haben keinen Platz dafür und so kauften wir ein E-Piano und schrieben „Old Man Tree“, es ist einfach so passiert. Und das war der erste Klaviersong. Das Ding ist, mit dem Klavier hat man so viel mehr Möglichkeiten mit unterschiedlichen Tonarten. Eine Harfe ist da sehr eingeschränkt, du kannst nicht in der Mitte eines Stücks einfach so in eine andere Tonart wechseln. Auf einem Klavier kann man einfach alles spielen und es ist wirklich einfach. Ich brauche nicht darüber nachdenken, wenn ich Klavier spiele kann ich alles machen! Ich kann gleichzeitig singen und es ist ist wirklich einfach. Deshalb benutzen wir es, aber ich will es natürlich nicht in jedem Stück einsetzen.

S: Es ist auch deshalb so viel Klavier auf der neuen CD, weil wir diesen fan-tas-tischen Flügel bekommen haben. Wir suchten extra nach einem Studio mit Konzertflügel und sie hatten einen alten Pleyel, das ist eine französische Klaviermarke, und das Ding ist über hundert Jahre alt. Und es war großartig! Sie hatten immer noch die Originalsaiten darin, gehämmerte, handgemachte Saiten. Sie hatten diesen leichten „Off-Sound“, diesen wavigen, antiken, richtig guten Klavierklang, und wir fanden es einfach so wunderschön.

J: Yeah, wir hatten im Studio einen Zeitplan für das Klavier. Wir hatten vor, es innerhalb von zwei Tagen einzuspielen, also komplett alle Klavierstücke, die auf der CD vorkommmen. Doch vor dem Ende des ersten Tages war ich schon fertig, weil ich mich wirklich gut vorbereit hatte. Ich habe also die meisten Dinge, die ihr hört, nur einmal gespielt, es ist jeweils nur ein Take. Das ist nicht wirklich üblich.

S: Jenny ist ein „One-Take-Wonder“ im Studio, sie ist unglaublich!

J: Weil ich mich vorbereite! Ich übe mit einem Metronom und dann macht man es im Studio genauso. Ich bin die erste, die die Songs spielt, also ist es sehr abstrakt. Wisst ihr, da gibt es noch keinen Gesang, kein Schlagzeug, keine Gitarren – garnichts. Du hörst einfach nur ein dup, dup, dup, dup...

 

Oh ja, ich kenne diesen Klick...

 

S: Der gute alte Klick...

J: Weist du, man bereitet das einfach vor, und dann klappt es auch. Und am Ende des Tages dachten wir uns: „Ok, machen wir noch etwas anderes!“ Also spielte ich „Bach“, das ist ein Stück, das ich als Fingerübung benutze, deshalb ist noch ein weiteres Klavierstück mit auf die CD gekommen.

 

Ich glaube, zu diesem Stück gibt es später noch eine Frage.

J: Oh, interessant!

 

Also, was einige Leute, mit denen ich gesprochen habe, wirklich enttäuscht hat ist, dass das Klavier so dominant ist und dafür aber die Flöten fehlen. Die Flöte war immer ein starkes Instrument bei Euch und das einzige wirklich flötenlastige Lied auf dem Album ist „Saltatio“, und das ist ein altes Stück.

 

J: Steve HASST es, Flöte zu spielen! (lacht hämisch)

S: Nein, es ist einfach so, dass wir in den letzten Jahren mehr und mehr Texte geschrieben haben. Wir sind ein wenig von Instrumentals weggekommen, unter den alten OMNIA-Stücken waren ja viele Instrumentalstücke.

J: Genau.

S: Flöte ist großartig für Instrumentals, lalalalalalala... Aber Du kannst nicht singen, wenn du eine Flöte im Mund stecken hast. Und es ist sehr schwer, innerhalb von einem Song von heftigem Flötenspiel zu Gesang zu wechseln.

J: Und er ist der Leadsänger, Ende damit.

S: In jedem Stück, dass ich mit Text, Lyrics und dem ganzen Zeug schreibe ist es für mich unmöglich, Flöte einzusetzen. Ich brauche entweder eine Trommel, oder eine Bouzouki, oder eine Gitarre – etwas, das ich in meiner Hand halten kann – oder gar nichts. Wir legen den Fokus immer mehr auf Songs, die Worte fliessen einfach immer weiter und weiter und weiter. Es gibt immer noch mehr und mehr Zeug, dass wir erzählen wollen. Deshalb gibt’s es nicht mehr besonders viel Flöte.

J: Vergiss nicht, dass „Richard Parker‘s Fancy“ das letzte Flötenstück ist, das wir geschrieben haben!

S: Richard Parkers Fancy ist das letzte Flötenstück, dass wir gemacht haben. Wann wurde das aufgenommen?

J: Auf Pagan Folk, glaube ich. Stimmts? Das sind...

Jenny

 S: Das war vor drei Jahren. Seit dem haben wir kein einziges wirkliches Flötenstück mehr geschrieben.

J: Bei „Niiv“ findet sich auch ein wenig Obertonflöte, und auch bei „Auta Luonto“ , aber das ist ein altes Lied und nicht wirklich ein Flötenstück. Es ist ein Song, mit ein bißchen Dideli-Dideli...

S: Die Flöte ist ein Effekt, den man zu einem Stück hinzufügen kann, um es ein bißchen aufzupeppen, aber so dass immer noch viel Platz für Gesang und „blablablablabla“ bleibt.

J: Würde jemand anderes die Flöte spielen würden wir sie mehr nutzen. Es ist im Grunde genommen ein Umsetzungsproblem: Wenn du so viele Instrumente spielst UND singst, musst du Entscheidungen treffen.

 

Habt ihr „Saltatio“ noch einmal auf das Album mit draufgenommen, um zumindest EIN Flötenstück darauf zu haben, oder...?

 J: Nein, es wurde noch nie wirklich im Studio aufgenommen.

S: Es gab eine sehr alte Version, genau die gleiche Version wie sie 1998 war, und diese Version erschien 2002 auf CD. Wir haben es tatsächlich nie so im Studio aufgenommen, wie wir es eigentlich wollten. Und das ist das erste „Saltatio“, von dem wir denken, dass es so schon die ganze Zeit hätte klingen sollen.

J: Ja, ich mag das Lied wirklich. Saltatio ist eins meiner Lieblingsstücke.

S: Geht mir genauso.

J: Es ist so toll zum Tanzen!

S: Es ist eins der ersten Stücke, die ich jemals geschrieben habe. Ich habe es 1996 geschrieben.

J: Es war das erste Stück, das Steve jemals für mich gespielt hat. Im Wohnzimmer sitzend, einfach er und seine Doppelflöte. Es ist das erste, was er jemals für mich gespielt hat, deshalb ist es immer etwas besonderes.

S: Das ist fast schon Mittelalter, Mann, so alt ist es...

 

J: Eisenzeitlicher House...

(lachen beide).

 

Noch etwas neues an dem Album war, dass ihr einen Coversong aufgenommen habt. Wieso habt ihr euch dafür entschieden, überhaupt einen Coversong zu machen, und warum von Leonard Cohen und warum genau dieses Lied?

S: Das Ding ist, dass wir uns die Stücke nie wirklich aussuchen. Ich glaube, wir machen die Stücke die wir schreiben nicht, sondern sie werden uns gegeben. Sie kommen irgendwoher. Manchmal hat man ein Lied und es hat eine bestimmte Form. Wie „Old man Tree“- Niemand hat je geplant, ein so poppiges Stück zu machen, mit diesen einfachen Akkorden und dieser Pop-Struktur. Das Lied tauchte einfach so auf und musste dann so sein. Ich glaube, wir waren in den Ardennen, haben herumgesponnen, wir hatten das Klavier dabei und haben gejammt. Ich kenne jeden Text von Leonard Cohen auswendig, ich kann jedes Lied von ihm singen, ich liebe Leonard Cohen. Wir haben aus Spaß damit angefangen, den Song nachzuspielen und dann merkten wir auf einmal „Verdammt, das klingt gut!“

J: Das ist besser als das Original!

 

Naja, genausogut wie das Original...

S: Und dann haben wir einfach weitergemacht. Irgendwann dachten wir uns: „Das ist eigentlich so schön, wir machen das als OMNIA-Song.“ – „Oh, das können wir nicht machen, das ist ein Cover. Wir haben noch nie in unserem Leben ein Cover gemacht!“ – „Aber es ist Leonard Cohen! Das ist gut, er ist einer der Großen, er ist ein Meister! Ja, lass uns das machen!“ Es ist einfach passiert weil wir darauf herumgejammt haben und es Spaß gemacht hat. Es ist nicht das erste Stück, das ich von ihm ausgesucht hätte, aber am Ende hat es sich einfach gut angefühlt. Ich liebe den Text von „Teachers“. Es ist sehr schamanisch, du kannst es als schamanischen Initiationssong sehen. Die Art und Weise, in der er all diese Phasen durchlebt, mit Frauen und Männern und er wird schwul, und er wird hetero und er wird gewalttätig und er wird dies und er wird das... Weißt Du, da sind all diese unterschiedlichen Phasen und am Ende lernt er immer noch, quasi der Weg des Lebens als schamanischer Pfad. Ich weiß nicht, ob Leonard Cohen es jemals so gemeint hat, als er es geschrieben hat... aber es ist das, was ich höre, wenn ich die Worte anhöre.

 

Ok. Noch etwas, das mir am neuen Album aufgefallen ist, sind die unterschiedlichen Stimmungen, die ihr dort eingefangen habt. Wenn du „Wheel of time“ mit „Love in the Forest“ vergleichst sind das zwei komplett unterschiedliche Welten.

S+J: Yeah.

 

Also, warum ist es so unterschiedlich? Habt ihr so unterschiedliche Phasen durchlebt, während ihr es geschrieben habt?

J: Es ist die Musik des Lebens. Es ist der Soundtrack des Lebens. Das ganze Album ist wie der Soundtrack des Lebens. Alles was geschieht inspiriert uns. Wenn wir uns also schlecht fühlen schreiben wir einen Song darüber, traurig zu sein. Und wenn du spürst, was mit dir passiert... Ich bin jetzt dreißig, und da fängt es an, dass dir auffällt, dass deine Augen faltig werden und du nicht mehr so stark bist. Wenn du einmal eine lange Nacht hattest wachst du am nächsten Morgen auf und denkst dir „Oooh, verdammt!“

 

Ich hatte mich schon gefragt... Also ist es wirklich der Anfang einer Midlife-Crisis? Genau das war es, was ich mir gedacht hatte, als ich das Stück zum ersten Mal hörte...

J: Es ist keine Krise. Ich bin mir nur sehr der Tatsache bewusst, dass man älter wird und denke auch oft daran... Es ist so, Steve ist zwölfeinhalb Jahre älter als ich und ich denke darüber nach, was passiert, wenn ich alt bin und er mal nicht mehr da ist. Wir haben all diese Gefühle in „Wheel of Time“ gelegt. Doch ein anderes mal sind wir im Wald und fühlen uns lebendig, und...

S: ...hey, machen wir ein Lied darüber!

J: So läuft das, und weißt Du, das kommt dann dabei heraus. Wir hatten nie einen Plan.

S: Wir planen nicht. Wenn man eine CD planen würde, würde man denken „Ja, ich brauche ein paar Stücke in dieser Richtung und ein bisschen so“ und dann würde man über die Atmosphäre und den Fluss nachdenken. Bei dieser CD haben wir uns entschlossen, überhaupt nicht zu denken. Einfach das Gehirn ausschalten und nur... boah... nur die Musik aus uns herausfließen lassen. Und wenn es nicht zusammenpasst – hey, wer sagt, dass es nicht zusammenpasst?! Wir spielen es, also ist es OMNIA.

J: Ich muss sagen es war eine furchtbare Aufgabe, die Stücke auf der CD in eine Reihenfolge zu bringen. Wir hatten das erste und das letzte, der Rest war einfach.... ahhh! Wir haben jedes Stück als zweiten Song ausprobiert, aber nichts hat funktioniert, nur „Dance until we die“ hat geklappt. Dabei gefiel mir die Idee, den Hip Hop - Song als ersten wirklichen Song zu haben, überhaupt nicht.

S: Ja, weil es eigentlich ein Witz ist.

J: Dann denken die Leute, also Menschen, die uns noch nie gehört haben, dass wir eine Hip Hop - Band sind, und schalten aus oder so etwas. Aber es war einfach der einzige Song, der an der Stelle gepasst hat, deshalb war es wirklich schwierig. Ich glaube aber, dass es letztendlich geklappt hat.

S: In künstlerischer Hinsicht ist es ein kompromissloses Album. Wir haben uns nie gedacht, dass wir etwas nicht tun können. Wir können das nicht machen? – Verdammt nochmal, wir können alles tun, was wir wollen! Wir tun es einfach und warten ab, was passiert.

 

Ein anderes Stück, über das ich euch befragen möchte, ist „Toys in the Attic“. Auf eurer Homepage vergleicht ihr es mit einem Tim Burton/Johnny Depp-Film. Ist das einfach, weil es den leichten Wahnsinn thematisiert, wie es auch so ziemlich jeder Tim Burton-Film tut, oder ist es so, dass auch die Musik der Filme „Toys in the Attic“ inspiriert hat? Es klingt ein bisschen so.

 

J: Ich mag die Arbeit von Danny Elfman sehr gern. Ich mag sein „Alice im Wunderland“ nicht, das ist ziemlich langweilig, aber... wie heißt es nochmal?

S: „Edward mit den Scherenhänden.“

J: „Edward mit den Scherenhänden“ ist wunderschön, genau wie „Nightmare before Christmas“. Dazu kommt, dass ich ebenfalls die Dinge benutze, die er in der Musik verwendet. Es sind vor allem Harfen- und und Glockentöne, all so ein Zeug. Und yeah, das Ganze hat einfach diese bestimmte Beschaffenheit, diese bestimmte Qualität... Wir haben uns jetzt nicht hingesetzt und gesagt „Hey, lass uns ein Lied schreiben, das man in einem Tim Burton-Film spielen könnte“, so war das nicht. Wir haben einfach ein Lied geschrieben und danach dachten wir uns, dass es so klingt, als ob es in einem Tim Burton-Film sein könnte. Leute haben uns gesagt, dass es sich tatsächlich so anfühlt, als würde es Jack, der Kürbiskönig singen und so ein Zeug.

S: Außerdem sehe ich, wenn ich texte, Bilder in meinem Kopf. Man hat diese Geschichte im Kopf, während man den Text schreibt, und die ganze Zeit hatte ich das Bild von einem Mann wie Johnny Depp oder einem ähnlichen Typen im Kopf, verkleidet als kleines Mädchen – oder ein kleines Mädchen, dass denkt, dass sie ein älterer Mann ist. Ich weiß nicht, irgendetwas ähnlich kaputtes wie das. Jedenfalls rennt er durch diesen Dachboden, mit all den Spielzeugen und Dingen, die überall herumliegen. Es ist gleichzeitig auch eine Metapher, denn „Toys in the attic“ ist ein englischer Ausdruck für „Du hast einen Vogel“. - „You have toys in the attic“. - Ja, du bist verrückt. Jedes Mal, als ich weitergeschrieben habe, konnte ich es die ganze Zeit in meinem Kopf sehen. Dieses heruntergekommene, viktorianische Haus und ein verrückter, verkleideter Kerl, der denkt er ist ein kleines Mädchen oder so... hähähä... hihihi... zuck, zuck. Weist Du, Tim Burton könnte einen wunderbaren Videoclip aus diesem Lied machen!

 

Fragt ihn doch!

J: Genau (lacht). Lieber Tim, ich bin ein großer Fan. Ich liebe all deine Film. Bitte, mach einen Videoclip, wir haben kein Geld. (lacht) Ich bin sicher, es würde funktionieren.

S: Wer zur Hölle bist du?!

 

Wir haben ja schon vorhin darüber gesprochen. Das klassische Stück, „Solfeggio“, dass ihr auf dem Album habt – Du hast gesagt, dass du es einfach nur als Fingerübung spielst?

J: Genau.

 

Ich bin kein großer Musiktheoretiker, ich kann etwas Percussion spielen und das wars dann schon, doch als ich die Fragen fürs Interview zusammengestellt habe, habe ich im Internet ein bisschen darüber gelesen, was Solfeggio ist. Was ich dabei gefunden habe waren viele Seiten, die darüber berichten, wie es in der alternativen Medizin genutzt wird. Den Frequenzen werden Heilkräfte nachgesagt.

 

Steve

S+J: Echt?! Wow! Das ist brillant! Wow. Wusstest du das?!

S: Ja, wir haben dieses Stück aufgenommen, weil es eine Therapie ist... (lacht). Wir wussten es echt nicht.

J: Von der Musiktheorie her ist es brillant. Es ist wunderschön. Es gibt eine Kombination von drei Akkorden, auf den die meisten, um die neunzig Prozent, aller berühmten Popsongs basieren. Das sind die... wie heißt das Lied?

S: „Let it be.“

J: „Let it be.“ - Die „Let it be“-Akkorde, das sind die berühmtesten Akkorde überhaupt. Wenn du sie zusammenfügst kannst du damit jede Menge Lieder singen. Auch „Wheel of time“ ist auf diesen drei Akkorden aufgebaut, auch wenn wir noch ein paar mehr hinzugefügt haben. Und „Solfeggio“... Was dieser Bach-Typ macht ist, dass er mit einem dieser Akkorde beginnt und dann ohne dass man es bemerkt zu dem zweiten davon übergeht, indem er einfach Melodien spielt. Dann geht er weiter zum dritten und am Ende wieder zurück zum ersten. Es ist so gut gemacht und es ist wirklich eine Übung in Musiktheorie und auch für die Finger, denn die linke und die rechte Hand spielen das gleiche und man sollte den Unterschied zwischen den Händen nicht hören. Man hat immer eine schwächere Hand. Es ist wirklich brillant gemacht! Deshalb mag ich es. Ich habe es schon gespielt, als ich acht war (kichert). Für mich ist es wirklich ein leichtes Stück.

Die letzte liedbezogene Frage die ich habe geht um „Cornwall“. Ich liebe dieses Lied wirklich, weil ich auch diese irischen Exillieder wie „Carrickfergus“ etc. mag.

J: Yeah, wir auch, wir auch...

 

Du bist in Cornwall aufgewachsen, aber warum habt ihr jetzt dieses Lied geschrieben? Oder hast du es schon vor Jahren geschrieben und es ist einfach jetzt aufs Album gekommen?

 

S: Das Lied ist jetzt auf dem Album, weil das lustige ist, dass ich über 25 Jahre nicht in Cornwall war. Nachdem ich gegangen bin bin ich nie zurückgekommen. Niemals.

J: Bis vor zwei Jahren.

S: Bis vor zwei Jahren. Wir waren an Mittsommer zu einem Festival in Bodmin Moor eingeladen, das in Cornwall liegt. Es war das erste Mal, dass ich zurück nach Cornwall kam. Das erste Mal in fünfundzwanzig Jahren. Wir fuhren nach Cornwall und das erste was ich sah war das Schild „Sie betreten Cornwall“ und darunter stand „Kernow“. Ich dachte mir: „Was zur Hölle? Kernow?“ - Ich hatte das Wort nie zuvor gehört. Die ganze Zeit, die ich in Cornwall gelebt hatte, hieß es immer: „Cornwall ist einfach nur Teil von England, also halt die Klappe. Die Queen ist der Chef und das hier ist einafch nur England“. Jeder hatte die keltische Vergangenheit von Cornwall vergessen. Seit ich Cornwall verlassen habe, habe ich meine eigene und die europäische keltische Vergangenheit wiederentdeckt und versucht, diese Wurzeln Europas unter den Menschen bekannt zu machen. Als ich zurück kam wurde mir klar, dass Cornwall seine eigene keltische Vergangenheit entdeckt hatte. Plötzlich war diese Flagge, diese schwarze Flagge mit weißem Kreuz, überall. Ich hatte diese Flagge noch nie gesehen! Ich war in Cornwall in der Schule, aber in den Siebzigern und Achzigern haben sie einem das nicht gezeigt. Ich war so fasziniert von der Wiedergeburt Cornwalls und als ich an diesen Ort kam... Ich bin mein ganzes Leben lang gereist. Meine Eltern reisten auch, ich bin in Amerika und überall auf der verdammten Welt aufgewachsen. Als ich nach Cornwall kam, war es das erste Mal, dass ich wieder eine Verbindung spürte. Hier komme ich her, ich kann spüren, dass es das ist, was mich am meisten berührt hat, als ich als Junge hier aufgewachsen bin. Ich wollte einfach etwas über dieses Gefühl schreiben. Als wir Cornwall wieder verließen ist es dann einfach passiert. Ich habe zu Beginn auf der Harfe herumgeklimpert, ich bin kein wirklich guter Harfenspieler.

J: Den größten Teil des Textes hast du geschrieben, als du in der Badewanne saßt.

S: Ja. Ich ich hab dort die Grundlagen des Stücks entworfen, und dann hab ich sie [zuhause] im Bad weiterbenutzt. In der Badewanne zu sitzen oder unter der Dusche stehen, hilft mir zu entspannen, wenn ich die Lieder schreibe.

J: All meine Lieblingsstücke wurden unter der Dusche geschrieben. Bei uns ist es recht nass im Wohnzimmer... (grinst)

S:Ich wollte einfach ausdrücken, was ich empfinde. Viele dieser Exillieder wurden von Leuten geschrieben, weil sie genau das ausdrücken, was sie fühlen. Genau wie die schönsten Liebeslieder von jemandem geschrieben wurden, der wirklich jemanden liebt. Und für Cornwall... Ich hatte das Gefühl dass Cornwall seine Vergangenheit wiederentdeckt, aber es kein Lied für Cornwall gibt. Es gibt ein Lied für Irland, für Schottland, für die Bretagne, fürWales – aber nicht für Cornwall. Weil niemand jemals eins geschrieben hat. Ich dachte „Verdammt! Wir machen einfach eins“. Also haben wir das geschrieben. Und wir haben wirklich versucht, alles, was ich fühle, in dieses Lied zu legen. Weist du, ich habe in Berlin gewohnt und in Amerika und in London, und ich habe versucht, von all dem etwas in das Lied zu bringen. Alles darin ist echt.

J: Es ist so cool: wir kennen diesen Typen, er ist seit fünf Jahren Fan, und er lebt in Cornwall. Er kommt sogar jedes Jahr fürs Castle Fest nach Holland. Und dieser Kerl sagte mir „Leute, ich hasse euch! Jedes Mal, wenn ihr Cornwall spielt, bringt ihr mich zum heulen. Ich muss weinen, weil ihr ganz genau beschreibt, was ich fühle, wenn ich Cornwall sehe und was ich sehe, wenn ich Cornwall anschaue“. Das war so ein großes Kompliment“

 

Es ist wirklich ein sehr schöner, emotionaler Song. Im Moment ist es mein Lieblingsstück auf dem Album.

J: Wirklich?

 

Es ändert sich jedes Mal, wenn ich das Album höre.

J: Ja, das ist so ein Album, das geht mir genauso. Manchmal hasse ich ein Lied und dann liebe ich es.

 

Das bringt mich zur nächsten Frage. Habt ihr Lieblingsstücke, sei es auf dem neuen Album oder Lieder, die ihr live ganz besonders gern spielt?

S: All unsere Lieblingsstücke bis zum letzten Jahr waren auf der „World of Omnia“. Das war wirklich unsere Lieblingsstudioaufnahme und Neuaufnahmen von Stücken, die wir sehr mochten. Jetzt, wo das neue Album herausgekommen ist, weiß ich es nicht. Weist du, jeder der Songs ist unser Baby, wir haben zu jedem Lied emotionalen Bezug. Ich liebe alle Lieder. Doch von den neuen ist, glaube ich, „Toys in the Attic“ mein Lieblingsstück. Weil... ich weiß es nicht. Weil es so viel Gefühl ausdrückt. Aber zum live spielen ist es „Dance until we die“ - ich liebe es, dieses Stück zu spielen, weil ich so laut „fuck“ sagen darf.

 

Und oft...

S: Und oft! (lacht)

J: Das ist auch eins meiner Lieblingslieder. Ich mag es wirklich. Das live zu spielen, mag ich wirklich gern.

S: Ich bin wirklich wütend darüber, was mit der Welt passiert und denke, dass wir etwas dagegen tun sollten. Aber es ist immer schwer, ein Lieblingslied auszusuchen, weil wir sie alle lieben.

 

Was haltet ihr von den Reaktionen der Fans und vom Publikum auf die neuen Sachen? Ihr habt es jetzt live auf dem Castle Fest und hier in Selb und noch einigen anderen Konzerten gespielt. Wie hat das Publikum eurem Eindruck nach reagiert?

J: Ich war wirklich fasziniert. Gestern haben wir „Toys in the Attic“ gespielt, ein wirklich ruhiges Lied. Es ist kein ruhiges Lied, aber es ist ruhig... es sind einfach nicht viele Instrumente. Es war so still im Publikum, sie haben wirklich zugehört. Auf einem Festival! Sie haben sich wirklich in einem Walzer-Rhythmus bewegt. Ich war so fasziniert, denn das waren... Deutsche machen meistens Party und klatschen mit

 

Yeah, „Morrigan!!!“

J: Ja, genau „Morrigan!!!“ (grinst) - Aber sie haben WIRKLICH zugehört, und das war so ein großes Kompliment! Man kann das nicht von einem Publikum auf einem Festival erwarten.

 

Besonders, wenn sie die Stücke nicht kennen.

J: Genau. Wir hatten über Jahre hinweg „The Raven“ im Programm und hätten zu Beginn nie gedacht, dass das ein Hit auf Festivals werden würde. Dass sich Leute hinsetzen und bei „The Raven“ zuhören würden.

 

Manche haben es jetzt vermisst.

J: Ich weiß, aber wir haben jetzt den „Wolf Song“.

S: Wir haben es auch vermisst, aber es sind zu viele Stücke.

J: Wir haben zu viele Lieder, das ist ein großes Problem.

S: Wir werden immer noch viel nach alten Lieblingsstücke wie „Twa Corbiez“ und solchen Sachen gefragt, aber wir können nicht alles spielen. Wir müssten dafür ein Set von vier oder fünf Stunden haben. Ich war begeistert, wie viele Leute positiv auf dieses Album reagiert haben, weil ich dachte, dass viele alte Fans es hassen würde, da es so bizarr, so fremd ist. Vielleicht mag man zwei Stücke und hasst den Rest. Doch die Leute sind dem Album gegenüber sehr aufgeschlossen. Natürlich haben wir einige alte Fans die sich denken „Ich hasse dieses Lied!“. Es gibt wirklich ein paar Leute, die das Album hassen, weil sie wollten, dass wir immer gleich bleiben. Was ich mir gut vorstellen kann, ich hatte das selbst schon mit Bands. Ich liebte die „Stranglers“ und dann wurden sie poppig und seltsam, und die Leute fragten sie, warum sie nicht mehr die alten Punksachen spielen. Und sie meinten „Verdammt, wir machen, was uns gefällt!“ Ich verstand das damals nicht, doch ich verstehe es jetzt. Denn man wächst musikalisch. Man steht nicht still. Nur Coverbands stehen still, oder Bands die nur... ich weiß nicht. Projektbands. Die stehen ewig still, weil sie nur eine Art von Musik machen. Musik ist unser Leben und unser Leben ändert sich, also ändert sich auch unsere Musik. Ich bin froh darüber zu sehen, dass die meisten unserer Fans, 90 Prozent der Fans, den Wandel schätzen und sich mit uns verändern. Außerdem ist dieses neue Album breiter gefächert und macht es einfacher für Leute, die uns noch nicht kennen, einen Einstieg zu finden. „Hey, ich mag das Lied, höre ich mir den Rest doch auch an!“. Vielleicht verstehen sie es nicht beim ersten mal, doch sie hören es sich wieder an und dann begreifen sie vielleicht, was es mit der Musik auf sich hat.

 

Ich glaube, das ist bei diesem Album sehr wahr, denn als ich angefangen habe es zu hören... Wisst ihr, ich hatte mich sehr auf das Album gefreut. Als ich es dann in meinem Briefkasten gefunden habe, dachte ich mir „Oh, die neue Omnia!“. Dann habe ich es zum ersten Mal gehört und dachte mir „Verdammt, was ist das?!“.

 J: Was ist das, genau. Genau.

 

Je öfter ich es allerdings hörte, desto besser gefiel es mir.

J: Weißt du, genau das passiert damit. Meine Mutter – ich komme aus einer sehr musikalischen Familie, und sie verkauft keltische Harfen und so ein Zeug. Aber sie ist in den Sechzigern aufgewachsen und war damals ein Freak. Sie hatte die beste Art und Weise, es zu beschreiben: Sie sagte, als die Beatles mit „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ herauskamen hörte sie es sich an, da sie ein großer Beatlesfan war. „You love me, nänänä“ – all diese fröhlichen Lieder. Sie hörte es sich an und dachte sich „Was zur Hölle?!“. Dann dachte sie sich „Ok, ich bleibe unvoreingenommen und höre es nochmal“. Und sie hörte es erneut an und dachte sich „Oh, yeah!“. Dann hörte sie es ein drittes Mal und dachte sich „Yeah, das ist cool!“

 

Genau das ist bei mir mit dem Album passiert.

J: Ja, das ist so ein großes Kompliment für mich! Wie... wow!

S: Es wurde viel mit „Sgt. Pepper“ von den Beatles verglichen und dem Sprung, den sie an dieser Stelle gemacht haben. Sie hatten ihr Ding, sie hatten viele Fans, aber sie dachten sich „Verdammt, wir werden einfach das tun, was wir möchten und jedes Lied wird anders“. Und jetzt wird es als eines der brilliantesten Alben angesehen, das sie je gemacht haben.

J: Sie hatten eine Zither und ein indisches Lied und ein Orchester und...

S: Aber sowas passiert nicht oft, denn die meisten Bands sind Projekte. Und alle Projekte sind paranoid und konservativ. Sie denken sich immer „Oh nein, bloss nicht zu weit aus dem kleinen Rahmen herausfallen – sonst laufen die Fans weg und wir haben keine Konzerte mehr“. Das ist Bullshit. Man macht Musik weil man Musik machen will und man macht, was auch immer man machen möchte.

J: Und wenn die Leute es mögen ist es umso besser.

S: Ja. Wir waren sehr kompromisslos.

J: Wir machen CDs für uns selbst.

S: Yeah!

 

Um so besser, wenn es die Leute dann kaufen.

S: Ich habe auch das Cover deswegen so gestaltet, weil ich glänzende Dinge liebe.

J: Glänzend... (kichert).

 

Ich war froh, dass ich das Cover im Internet gefunden habe, weil ich versucht habe, es zu scannen und es durch den Glanz einfach nicht funktioniert hat.

S: Ich habe ewig gebraucht, um die Bilder richtig hinzukriegen, so dass man immer noch den Effekt hat. Es war echt schwierig.

J: Ja, wir haben das Bild fürs Cover bei Sonnenaufgang aufgenommen. Drei Leute haben Fotos gemacht, aber nur deins hat funktioniert (lacht).

 

Ich habe noch ein paar Fragen, die nichts mit dem Album zu tun haben.

J: Wir haben nicht mehr viel Zeit, weil gleich das „Meet & Greet“ stattfindet.

 

Ok, dann werde ich versuchen, mich zu beeilen. Ihr hattet im letzten Jahr ein paar Wechsel im Line up. Wie läuft es mit den neuen Mitgliedern und wie viel Einfluss haben sie auf die Stücke? Hauptsächlich schreibt ja ihr beide die Lieder.

S: Genau.

J: Wir machen die Lieder. Die Stücke an sich wären immernoch sie selbst, vielleicht würden sie nur ein ganz kleines bisschen anders klingen, wenn andere Leute in der Band währen. Die meisten Lieder könnten auch nur Steve und ich im Studio aufnehmen, sie würden immer noch so klingen, wie du sie jetzt hörst.

S: Wir nehmen komplette Rohversionen von jedem Stück auf, bevor wie der Band zeigen, wie sie funktionieren. Weil wir alles selbst spielen können.

 

Eine letzte Frage noch, und die muss ich wirklich stellen, weil eine Freundin mich darum gebeten hat, sie zu stellen.

S: Na dann mal los!

 

Sie macht gerade eine Ausbildung zur Polizistin – vielleicht könnt ihr die Richtung, in die es geht, schon erahnen. Ihr hattet diesen unfreiwilligen Stop auf dem Rückweg vom... ich glaube es war Feuertanz.

J: Es war die Fahrt zu dieser Prelistening-Veranstaltung.

S: Dem Pressetreffen.

 

Jedenfalls habt ihr gleich danach ein Blog ins Internet gestellt in dem stand, „dass sie [die Polizisten, die die Verkehrs-/ Drogenkontrolle durchführten] wieder Juden vergasen würden, wenn es das Gesetz vorschriebe“. Und Deutsche sind bei solchen Vergleichen ziemlich empfindlich, ganz besonders wenn man gerade eine Polizeiausbildung macht und die eigenen Kollegen mit Nazis verglichen werden. War das, weil ihr einfach so wütend war, oder weil ihr kein Vertrauen in uns Deutsche habt?

S: Nein. Juden Vergasen...

J: Das ist eine Metapher.

S: Ich habe danach noch einen Blogeintrag geschrieben, weil mich viele Leute darauf angesprochen haben. „Juden vergasen“ ist für mich eine Metapher. Ich würde das zu Deutschen sagen, genau wie zu Holländern oder Leuten aus England. Es ist eine Metapher dafür, wie weit Leute gehen können, während sie nur ihren Job machen. Menschen verstecken sich immer dahinter, nur ihre Aufgabe zu erledigen. „Tut mir leid, ich will dich nicht zusammenschlagen, aber es ist mein Job. Jemand hat es mir aufgetragen und tatata... Befehl ist Befehl“.

J: Jemand, den wir kennen, wurde zusammengeschlagen, weil jemand „nur seinen Job erledigt“ hat. Und er hatte nichts falsches getan.

S: Ich hasse es einfach, wenn Leute nicht für sich selbst denken, wenn sie sich hinter etwas verstecken, oder dass sie glauben, dass sie nur eine Art Maschine sind, die die Regeln befolgen muss. Und wenn das Gesetz heute sagt „Lächle und setze Dir eine rosa Blume auf den Kopf“ werden sie das tun. Aber wenn das Gesetz morgen sagt „Erschieße jeden der...“ - sagen wir - „grüne Augen hat“, oder irgend so etwas, werden sie es genauso machen. Das ist es, was ich damit sagen möchte. Ich finde, Leute sollten darauf achten, dass sie sie selbst bleiben, und dass sie für alles was sie tun verantwortlich sind. Man kann sich nicht dahinter verstecken, dass einem jemand den Auftrag erteilt hat.

J: Genau. Die Kerle waren auch ganz nett bei dem, was sie mir darüber gesagt haben. „Weist du, ich könnte dich gehen lassen, aber dann würde ich gefeuert werden“.

S: Weist du, was das eigentlich witzige an der Sache ist? Letztendlich hatten wir vollkommen recht. Wir haben kürzlich einen Brief vom deutschen Blabla-Amt bekommen. Noch nichtmal mit einer Entschuldigung, sie haben einfach nur geschrieben, dass wir vollkommen nüchtern waren; es war nicht genug THC im Blut, und wir das gesamte Bußgeld zurückbekommen. Also war das Ganze nur amtliche...pfffffft!

Also sag deiner Freundin, dass ich nicht glaube, dass Deutsche irgendetwas mit Nazis zu tun haben. Und vergiss nicht, dass halb Europa Nazi war.

J: Holland inbegriffen. Sie waren die schlimmsten.

S: Es war von allen Ländern das beste, naja, wenn man da von „beste“ sprechen kann, wenn es darum ging Juden zu finden und sie in die Gaskammern zu schicken. Gemessen am Prozentanteil kamen die meisten aus Holland. Da waren...

J: Die königliche Familie war jüdisch.

S: Nach dem Krieg wurde ungefähr dreißig Leuten der Prozess gemacht, ein paar wurden gehängt und einige wurden ins Gefängnis geschickt – doch die Millionen und Millionen anderen? Ganz Südfrankreich war Nazi. Belgien – halb Belgien war Nazi! Nur danach haben sie alle gesagt „Oh, es waren die Deutschen! Ich war im Widerstand!“.

 

Ich glaube, sie war einfach ein wenig geschockt, weil sie eine Ausbildung bei der Polizei macht und es um ihre Kollegen ging.

S: Ja, ich weiß. Ich vergesse immer, dass es in Deutschland ein wirklich großes Trauma ist, viel größer als im Rest der Welt.

 

Und wir sind ziemlich empfindlich deswegen.

S: Mir tun die Deutschen leid, weil ich weiß, dass sie nicht diejenigen sind, bei den man die Schuld suchen sollte.

J: Euch wird ja wirklich eingetrichtert, wie schlimm ihr wart...

S: Weist du, es braucht mehr als ein paar Deutsche um ganz Europa zu erobern. Sie haben die Gebiete mit der Hilfe von allen erobert. „Kommt in unser Land, das ist gar kein Problem!“ Holland ist in zwei Wochen gefallen. Zwei Wochen!

J: Und mit ganz wenigen Verlusten...

S: Yeah, die meisten Menschen in Holland sagten sich: „Schön, großartig, wir glauben daran, laßt uns loslegen... verdammte Juden!“ Aber nach dem Krieg, nein, auf keinen Fall, da waren sie alle im Widerstand! Schon erstaunlich, daß es dann so lange gedauert hat, der Deutschen Herr zu werden...

J: Hahaha...

S: Also mach Dir darüber keine Sorgen, mann.. Wir sind sehr realistisch! Ich studiere sehr viel Geschichte, eines meiner Hobbies...

 

Ok, dann will ich Euch jetzt nicht länger aufhalten. Vielen Dank für dieses Interview!

S: Euch auch vielen Dank!

J: Schön Euch kennengelernt zu haben.

 

Jenny und Steve im Interview

 

Und für alle, die sich das Interview gerne mal im Orginal anhören wollen, gibt's das ganze jetzt auch als Stream:

Audio Stream des Interviews

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Zu diesem Interview:

Autor:
redbeard

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Artikel eingestellt:
27.09.2010

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