Interview mit Shouter Klaus
WE LOVE TO ENTERTAIN YOU ....
Das letzte studiotechnische Lebenszeichen von Blood Red Angel (‚The State Of Insanity’) stammt bereits aus dem Jahre 2001 und so wurde es allerhöchste Zeit für einen neuen Release der Rhine Area Thrash-Formation. Allerdings will gut Ding auch Weile haben und schließlich handelt es sich beim neuesten Output der blutroten Engel um das berühmt-berüchtigte dritte Album.
„Wir haben nach dem Release der ‚State...’-Scheibe
erst mal einen Haufen Gigs angeleiert. Ab Mitte Dezember 2001 bis Mitte
Februar 2002 spielten wir quasi jedes Wochenende. Danach kamen noch weitere
Einzelgigs und so nette Sachen wie das Moshclub Open Air 2002 mit Destruction
oder mal ein Gig mit Tankard in Arnheim. Außerdem haben wir viele
Leute in Holland und Belgien kennen gelernt. Da hat es auch riesig Spaß gemacht
zu spielen, weil es schon etwas anderes ist.“ sprudelt es aus Shouter
Klaus ‚Mr. Crime’ Spangenberg heraus, der mit seinen Kumpanen
allerdings auch um einen Line Up-Wechsel nicht umhin kam. „Richtig,
Adriano und Robert sind im Herbst 2001 ausgestiegen. Das lag wohl in
erster Linie daran, dass sie sich wohl nicht hundertprozentig mit BRA
identifizieren konnten. Wahrscheinlich spielten auch noch persönliche
Dinge mit, aber wenn jemand nicht mehr aus eigener Motivation heraus
mitmachen will, bringt es nichts. Beide machen noch weiterhin Musik,
halt nur in anderen Bands. Der Einstieg von Jens (Sonntag) an der zweiten
Gitarre war auf jeden Fall die beste Lösung, da er die Band schon
seit Gründung kennt und auch die Songs schon drauf hatte. Er war
ja vorher auch schon zwei Jahre lang als Mischer mit dabei. Dann hatte
uns erst mal der Martin von Guerrilla aus der Patsche geholfen und ca.
10 Gigs getrommelt und uns wiederum einen befreundeten Drummer vermittelt,
der dann für einige weitere Gigs bei uns einstieg, uns aber im Dezember
2002 wieder verließ. Der Andy (Danner) hat sich dann, gerade als
wir nach einem festen Drummer suchen wollten, bei uns gemeldet, weil
er über einen Kumpel vom freien Drum-Hocker bei uns gehört
hat, und wir kamen sofort gut miteinander klar. Wir kannten ihn schon
von einem Gig mit seiner Ex-Band Satyr, hätten aber nicht gewusst
das er sich gerade auf Bandsuche befindet. Ist auf jeden Fall noch so’n
richtiger Metalhead und mittlerweile wohnt er sogar mit mir im selben
Haus, ha, ha...“
Wenn wir schon beim Thema Veränderungen sind ... ein neues Label ist auch am Start. „Unser erstes Label Gutter war ja ein Unterlabel von Massacre. Ich denke mal, dass da einfach nicht genug rum kam und dann wurde dieses von Massacre wieder dicht gemacht. Für uns war es in Ordnung, auch wenn nicht alles so lief, wie man es sich wünscht, aber da spielen ja immer recht viele Faktoren mit. Ich weiß nur, dass von den leider zu vielen Bands die dort gesignt wurden, vier richtig gut waren. Diese hätte man lieber mehr supporten sollen, anstatt 14/15 Bands einfach auf den Markt zu schmeißen. Wichtig ist, dass man nach der Veröffentlichung was für seine Produkte tut. Von alleine verkauft sich heute ja (fast) nichts mehr. Mit Supreme Chaos (dem neuen Label der Band) kamen wir irgendwie über Ecken in Kontakt und da das Label gerade aufgebaut wird und die Vorstellungen gut zusammen passen, haben wir recht schnell beschlossen zusammen zu arbeiten.“
Erste Früchte dieser Zusammenarbeit sind jetzt in Form von ‚Crime
Entertainment’ erschienen, dessen Entstehung – wie bereits
erwähnt – drei Jahre in Anspruch nahm. „Das Songwriting
zum neuen Album begann ja schon nach der ‚State..’ 2001.
Jedenfalls wurden damals schon ein, zwei Songs gemacht. Wir haben auch
bestimmt drei, vier Songs in die Tonne gehauen oder noch als 8-Spur-Tracks
rum liegen. Wir hätten also ohne weiteres eine CD von über
45 Minuten machen können, aber da wären dann halt echte ‚Album
Tracks’ bei gewesen, die man meistens nur mit einem Ohr hört.
Bei der Produktion haben wir diesmal ein wenig mit dem Klampfensound
experimentiert, was der eine gut, der andere nicht so doll findet. Ist
halt immer Geschmackssache. Dazu kam noch, dass wir schon ein bisschen
unter (eigenem) Druck standen, weil die vorherige Scheibe ja nun drei
Jahre her war. Im Großen und Ganzen sind wir aber zufrieden, vor
allem wenn man das Ding in der Karre ordentlich laut hört, rockt
es ungemein. Nach ein wenig Abstand find ich selber, dass der Sound halt
am ehesten (von der Rohheit) in die ‚Diabolus In Musica’-Ecke
geht, und das passt ja schon zu uns. Etwas zu verbessern gibt’s
ja immer. Sonst könnte man ja auch direkt den Sack zu machen.“
Der Albumtitel umfasst eigentlich schon recht treffend den typischen
BRA-Stil in Sachen Lyric. „Stimmt - so viel anders sind die Lyrics
im Gegensatz zu den beiden Vorgängern nicht. Warum auch? Die Welt
hat sich ja auch nicht unbedingt verändert oder gar verbessert.
Daher ist ‚Crime Entertainment’ eigentlich schon eine Art
Komplettabrechnung, was besonders deutlich im Song ‚World Of
Scum’ rüberkommt. Es gibt aber nicht nur Meckerei über
die Weltpolitik sondern auch Themen, die uns persönlich wichtig
sind. So im 2 ½-Minuten-Kracher ‚Damaged’, der sich über
den typischen Kinderschänder (gibt’s den überhaupt? – HH)
auslässt. ‚Downwards’ und ‚Darksideforce’ gehören
zusammen und befassen sich mit jemandem der den ganzen Evil-, Satan-
und Okkultismus-Kram zu ernst nimmt. Ja und die Nazis müssen natürlich
auch dran glauben. ‚Like A Cancer’ ist eigentlich unsere
Version des Ärtze-Songs ‚Arschloch’. Das ganze Konzept
hat der Schreiberling von www.terrorverlag.de super gut beim Schopfe
gepackt, lest es euch durch. Mann muss sich die CD nur mal komplett
mit den Texten geben und wird dann das ‚Dahinter’ verstehen.
Denn auch die Leute die mit Berichterstattungen über Verbrechen
Kohle verdienen, Antikriegsfilme drehen oder wie sogar wir Songs machen ‚Entertainen’ das
Verbrechen....gut oder schlecht? Wir sind selber gespaltener Meinung,
denn da gibt es wie mit dem generellen Vorurteilen über Metal
eine Grauzone.“
Du prangerst somit stets die negativen Tatbestände unserer Gesellschaft an. Inwieweit ist es dir wichtig, diese Themen publik zu machen bzw. Leute zum Nachdenken zu animieren oder sogar Veränderungen herbei zu schaffen? „Wenn man die Möglichkeit hat vor Publikum zu sprechen, zu singen oder etwas rüber zu bringen, muss man schon genau überlegen was und wie. Daher haben wir Texte die eine klare, ernste Message haben, genau so wie Texte die, lediglich zur Unterhaltung beitragen sollen und durchaus auch mal evil, blasphemisch oder klischeehaft sind. Leute, die sich die Lyrics wirklich durchlesen werden erkennen, was wie gemeint ist. Ich finde beides wichtig und verändern müssen sich die Leute aus eigener Motivation. Wir können nur zum Nachdenken anregen.“
Musikalisch seid ihr meiner Meinung nach noch etwas breit gefächerter
geworden. Bei ‚Darksideforce’ schimmern sogar eure alten
Vernissage-Einflüsse (Mr. Crime bearbeitete seinerzeit noch die
Drums dieser viel zu früh verblichenen Progressive Metal-Hoffnung)
wie Psychotic Waltz durch. Wie kam’s und auf was kann man sich
in Zukunft diesbezüglich gefasst machen? „Das fand ich schon
in deiner Kritik zum Album überraschend. Also gerade ‚Darksideforce’ ist
eigentlich ein Song den unser neuer Klampfer geschrieben hat. Und bei
den Parts und Riffs hatten wir eigentlich nie Waltz oder Vernissage im
Kopf. Wenn es für dich so klingt ist das natürlich o.k., aber
das kann ich grad nicht so nachvollziehen. Dass wir noch einige Einflüsse
oder Stilmittel mehr in den Songs verarbeitet haben, ist sicherlich richtig.
Unser Ziel ist es ja auch, einen möglichst eigenen BRA-Sound zu
kreieren. Was uns bei den nächsten Stücken einfällt, wissen
wir natürlich noch nicht so genau. Wir haben da noch viele unerschöpfte
Potentiale. Vielleicht müssen wir ja doch demnächst mit einem
schwarzen Rapper oder einer Volksmusiktruppe auflaufen….oder beides...har,har,har.“ Da
bekanntlich nicht nur ‚Crime’, sondern auch ‚Sex sells’,
solltet ihr vielleicht mit nackten Tatsachen – aber bitte weiblichen
Ursprungs – glänzen .....
Aber zurück zum Thema: Für mich ist eine Frage unvermeidbar: Glaubst du, das Zweitwerk von Vernissage wird noch irgendwann in irgendeiner Form das Licht der Welt erblicken? Und wie steht ihr heute zu dieser Zeit bzw. den Alben? „Also richtig offiziell veröffentlicht wird das Ding nicht. Ich werde den Sound (noch mal) ein wenig aufpäppeln und dann können die Leute sich das Teil im Netz saugen. Aber neu aufnehmen oder ähnliches fällt komplett flach. Wir haben viele abgefahrene Songs in dieser Zeit geschrieben und auch einiges gelernt, aber es war schwer aus der Band mehr zu machen. Und mit einer anderen Besetzung würde das alles keinen Sinn ergeben. Ich glaube damit würde man am ehesten das Gegenteil erreichen.“
Kultschändung betreiben andere Bands ja bekanntlich zuhauf. Also zurück zu den Angels. Wer eure energiegeladenen Live-Shows kennt, könnte sich auch bei euch den Werbeslogan ‚We love to entertain you ...’ gut vorstellen. Auf welche Form der Unterhaltung eurerseits dürfen wir uns da in naher Zukunft freuen? „Wir möchten einige Shows spielen und begeben uns auch direkt an die nächsten Songs. Geplant ist auch, dass wir etwas in Richtung Video machen, aber da sind wir gerade am Organisieren und müssen mal sehen, was sich von diesen Ideen (finanziell) realisieren lässt. Auf jeden Fall wird der nächste Output nicht so lange auf sich warten lassen wie ‚Crime Entertainment’. Jeder interessierte Booker oder Club soll sich einfach bei uns melden. Wir machen auch gerne langfristige Dates klar.“
Glaubst du, dass die Thrash Metal-Szene in den letzten Monaten wieder lebendiger geworden ist? Schließlich haben zum Beispiel Exodus oder Hirax exzellentes Material an den Start gebracht und hoffnungsvolle Newcomer wie Abandoned oder Odium erspielen sich hierzulande auch langsam aber sicher einen treuen Fankreis. „Generell hat sich da ja in den letzten zwei, drei Jahren einiges getan. Viele ‚alte’ Bands sind wieder am Start und auch ein Haufen Newcomer trauen sich wieder zu thrashen. Schwierig ist halt das Ganze (wie wir es auch versuchen) zeitgemäß und nicht zu altbacken rüber zu bringen. Der Thrash Metal hat ja leider bei vielen Leuten von vorneherein so einen ‚verstaubten’ Beigeschmack, obwohl der Sound sehr viele moderne Bands und Stile beeinflusst hat. Oftmals ist die Grenze zwischen Thrash, Death, Power oder Black Metal ja sehr schmal. Alleine der Sound eines Studios kann eine Band schon in einem ganz anderen Licht da stehen lassen.“
Ok .... am Ende sei dir noch ein wenig Platz für alle möglichen
Anmerkungen und Schandtaten gewährt. „Leute - schaut einfach
regelmäßig auf unsere Homepage, saugt euch die Soundfiles
und kauft die CD, wenn ihr eine bodenständige Band unterstützen
wollt, die euch noch eine Menge cooler Songs liefern wird. Ansonsten
lasst euch keinen Müll erzählen und bleibt schön Metal.“ ....
aber klar doch!!!
BLOOD RED ANGEL - The State Of Insanity
(Rezension)
BLOOD RED ANGEL - Crime Entertainment
(Rezension)
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