metal-district.de presents: RDD 2010

BLOOD RED ANGEL

Interview mit Shouter Klaus

zu "Crime Entertainment "

WE LOVE TO ENTERTAIN YOU ....

Das letzte studiotechnische Lebenszeichen von Blood Red Angel (‚The State Of Insanity’) stammt bereits aus dem Jahre 2001 und so wurde es allerhöchste Zeit für einen neuen Release der Rhine Area Thrash-Formation. Allerdings will gut Ding auch Weile haben und schließlich handelt es sich beim neuesten Output der blutroten Engel um das berühmt-berüchtigte dritte Album.

„Wir haben nach dem Release der ‚State...’-Scheibe erst mal einen Haufen Gigs angeleiert. Ab Mitte Dezember 2001 bis Mitte Februar 2002 spielten wir quasi jedes Wochenende. Danach kamen noch weitere Einzelgigs und so nette Sachen wie das Moshclub Open Air 2002 mit Destruction oder mal ein Gig mit Tankard in Arnheim. Außerdem haben wir viele Leute in Holland und Belgien kennen gelernt. Da hat es auch riesig Spaß gemacht zu spielen, weil es schon etwas anderes ist.“ sprudelt es aus Shouter Klaus ‚Mr. Crime’ Spangenberg heraus, der mit seinen Kumpanen allerdings auch um einen Line Up-Wechsel nicht umhin kam. „Richtig, Adriano und Robert sind im Herbst 2001 ausgestiegen. Das lag wohl in erster Linie daran, dass sie sich wohl nicht hundertprozentig mit BRA identifizieren konnten. Wahrscheinlich spielten auch noch persönliche Dinge mit, aber wenn jemand nicht mehr aus eigener Motivation heraus mitmachen will, bringt es nichts. Beide machen noch weiterhin Musik, halt nur in anderen Bands. Der Einstieg von Jens (Sonntag) an der zweiten Gitarre war auf jeden Fall die beste Lösung, da er die Band schon seit Gründung kennt und auch die Songs schon drauf hatte. Er war ja vorher auch schon zwei Jahre lang als Mischer mit dabei. Dann hatte uns erst mal der Martin von Guerrilla aus der Patsche geholfen und ca. 10 Gigs getrommelt und uns wiederum einen befreundeten Drummer vermittelt, der dann für einige weitere Gigs bei uns einstieg, uns aber im Dezember 2002 wieder verließ. Der Andy (Danner) hat sich dann, gerade als wir nach einem festen Drummer suchen wollten, bei uns gemeldet, weil er über einen Kumpel vom freien Drum-Hocker bei uns gehört hat, und wir kamen sofort gut miteinander klar. Wir kannten ihn schon von einem Gig mit seiner Ex-Band Satyr, hätten aber nicht gewusst das er sich gerade auf Bandsuche befindet. Ist auf jeden Fall noch so’n richtiger Metalhead und mittlerweile wohnt er sogar mit mir im selben Haus, ha, ha...“

Wenn wir schon beim Thema Veränderungen sind ... ein neues Label ist auch am Start. „Unser erstes Label Gutter war ja ein Unterlabel von Massacre. Ich denke mal, dass da einfach nicht genug rum kam und dann wurde dieses von Massacre wieder dicht gemacht. Für uns war es in Ordnung, auch wenn nicht alles so lief, wie man es sich wünscht, aber da spielen ja immer recht viele Faktoren mit. Ich weiß nur, dass von den leider zu vielen Bands die dort gesignt wurden, vier richtig gut waren. Diese hätte man lieber mehr supporten sollen, anstatt 14/15 Bands einfach auf den Markt zu schmeißen. Wichtig ist, dass man nach der Veröffentlichung was für seine Produkte tut. Von alleine verkauft sich heute ja (fast) nichts mehr. Mit Supreme Chaos (dem neuen Label der Band) kamen wir irgendwie über Ecken in Kontakt und da das Label gerade aufgebaut wird und die Vorstellungen gut zusammen passen, haben wir recht schnell beschlossen zusammen zu arbeiten.“

Erste Früchte dieser Zusammenarbeit sind jetzt in Form von ‚Crime Entertainment’ erschienen, dessen Entstehung – wie bereits erwähnt – drei Jahre in Anspruch nahm. „Das Songwriting zum neuen Album begann ja schon nach der ‚State..’ 2001. Jedenfalls wurden damals schon ein, zwei Songs gemacht. Wir haben auch bestimmt drei, vier Songs in die Tonne gehauen oder noch als 8-Spur-Tracks rum liegen. Wir hätten also ohne weiteres eine CD von über 45 Minuten machen können, aber da wären dann halt echte ‚Album Tracks’ bei gewesen, die man meistens nur mit einem Ohr hört. Bei der Produktion haben wir diesmal ein wenig mit dem Klampfensound experimentiert, was der eine gut, der andere nicht so doll findet. Ist halt immer Geschmackssache. Dazu kam noch, dass wir schon ein bisschen unter (eigenem) Druck standen, weil die vorherige Scheibe ja nun drei Jahre her war. Im Großen und Ganzen sind wir aber zufrieden, vor allem wenn man das Ding in der Karre ordentlich laut hört, rockt es ungemein. Nach ein wenig Abstand find ich selber, dass der Sound halt am ehesten (von der Rohheit) in die ‚Diabolus In Musica’-Ecke geht, und das passt ja schon zu uns. Etwas zu verbessern gibt’s ja immer. Sonst könnte man ja auch direkt den Sack zu machen.“

Der Albumtitel umfasst eigentlich schon recht treffend den typischen BRA-Stil in Sachen Lyric. „Stimmt - so viel anders sind die Lyrics im Gegensatz zu den beiden Vorgängern nicht. Warum auch? Die Welt hat sich ja auch nicht unbedingt verändert oder gar verbessert. Daher ist ‚Crime Entertainment’ eigentlich schon eine Art Komplettabrechnung, was besonders deutlich im Song ‚World Of Scum’ rüberkommt. Es gibt aber nicht nur Meckerei über die Weltpolitik sondern auch Themen, die uns persönlich wichtig sind. So im 2 ½-Minuten-Kracher ‚Damaged’, der sich über den typischen Kinderschänder (gibt’s den überhaupt? – HH) auslässt. ‚Downwards’ und ‚Darksideforce’ gehören zusammen und befassen sich mit jemandem der den ganzen Evil-, Satan- und Okkultismus-Kram zu ernst nimmt. Ja und die Nazis müssen natürlich auch dran glauben. ‚Like A Cancer’ ist eigentlich unsere Version des Ärtze-Songs ‚Arschloch’. Das ganze Konzept hat der Schreiberling von www.terrorverlag.de super gut beim Schopfe gepackt, lest es euch durch. Mann muss sich die CD nur mal komplett mit den Texten geben und wird dann das ‚Dahinter’ verstehen. Denn auch die Leute die mit Berichterstattungen über Verbrechen Kohle verdienen, Antikriegsfilme drehen oder wie sogar wir Songs machen ‚Entertainen’ das Verbrechen....gut oder schlecht? Wir sind selber gespaltener Meinung, denn da gibt es wie mit dem generellen Vorurteilen über Metal eine Grauzone.“

Du prangerst somit stets die negativen Tatbestände unserer Gesellschaft an. Inwieweit ist es dir wichtig, diese Themen publik zu machen bzw. Leute zum Nachdenken zu animieren oder sogar Veränderungen herbei zu schaffen? „Wenn man die Möglichkeit hat vor Publikum zu sprechen, zu singen oder etwas rüber zu bringen, muss man schon genau überlegen was und wie. Daher haben wir Texte die eine klare, ernste Message haben, genau so wie Texte die, lediglich zur Unterhaltung beitragen sollen und durchaus auch mal evil, blasphemisch oder klischeehaft sind. Leute, die sich die Lyrics wirklich durchlesen werden erkennen, was wie gemeint ist. Ich finde beides wichtig und verändern müssen sich die Leute aus eigener Motivation. Wir können nur zum Nachdenken anregen.“

Musikalisch seid ihr meiner Meinung nach noch etwas breit gefächerter geworden. Bei ‚Darksideforce’ schimmern sogar eure alten Vernissage-Einflüsse (Mr. Crime bearbeitete seinerzeit noch die Drums dieser viel zu früh verblichenen Progressive Metal-Hoffnung) wie Psychotic Waltz durch. Wie kam’s und auf was kann man sich in Zukunft diesbezüglich gefasst machen? „Das fand ich schon in deiner Kritik zum Album überraschend. Also gerade ‚Darksideforce’ ist eigentlich ein Song den unser neuer Klampfer geschrieben hat. Und bei den Parts und Riffs hatten wir eigentlich nie Waltz oder Vernissage im Kopf. Wenn es für dich so klingt ist das natürlich o.k., aber das kann ich grad nicht so nachvollziehen. Dass wir noch einige Einflüsse oder Stilmittel mehr in den Songs verarbeitet haben, ist sicherlich richtig. Unser Ziel ist es ja auch, einen möglichst eigenen BRA-Sound zu kreieren. Was uns bei den nächsten Stücken einfällt, wissen wir natürlich noch nicht so genau. Wir haben da noch viele unerschöpfte Potentiale. Vielleicht müssen wir ja doch demnächst mit einem schwarzen Rapper oder einer Volksmusiktruppe auflaufen….oder beides...har,har,har.“ Da bekanntlich nicht nur ‚Crime’, sondern auch ‚Sex sells’, solltet ihr vielleicht mit nackten Tatsachen – aber bitte weiblichen Ursprungs – glänzen .....

Aber zurück zum Thema: Für mich ist eine Frage unvermeidbar: Glaubst du, das Zweitwerk von Vernissage wird noch irgendwann in irgendeiner Form das Licht der Welt erblicken? Und wie steht ihr heute zu dieser Zeit bzw. den Alben? „Also richtig offiziell veröffentlicht wird das Ding nicht. Ich werde den Sound (noch mal) ein wenig aufpäppeln und dann können die Leute sich das Teil im Netz saugen. Aber neu aufnehmen oder ähnliches fällt komplett flach. Wir haben viele abgefahrene Songs in dieser Zeit geschrieben und auch einiges gelernt, aber es war schwer aus der Band mehr zu machen. Und mit einer anderen Besetzung würde das alles keinen Sinn ergeben. Ich glaube damit würde man am ehesten das Gegenteil erreichen.“

Kultschändung betreiben andere Bands ja bekanntlich zuhauf. Also zurück zu den Angels. Wer eure energiegeladenen Live-Shows kennt, könnte sich auch bei euch den Werbeslogan ‚We love to entertain you ...’ gut vorstellen. Auf welche Form der Unterhaltung eurerseits dürfen wir uns da in naher Zukunft freuen? „Wir möchten einige Shows spielen und begeben uns auch direkt an die nächsten Songs. Geplant ist auch, dass wir etwas in Richtung Video machen, aber da sind wir gerade am Organisieren und müssen mal sehen, was sich von diesen Ideen (finanziell) realisieren lässt. Auf jeden Fall wird der nächste Output nicht so lange auf sich warten lassen wie ‚Crime Entertainment’. Jeder interessierte Booker oder Club soll sich einfach bei uns melden. Wir machen auch gerne langfristige Dates klar.“

Glaubst du, dass die Thrash Metal-Szene in den letzten Monaten wieder lebendiger geworden ist? Schließlich haben zum Beispiel Exodus oder Hirax exzellentes Material an den Start gebracht und hoffnungsvolle Newcomer wie Abandoned oder Odium erspielen sich hierzulande auch langsam aber sicher einen treuen Fankreis. „Generell hat sich da ja in den letzten zwei, drei Jahren einiges getan. Viele ‚alte’ Bands sind wieder am Start und auch ein Haufen Newcomer trauen sich wieder zu thrashen. Schwierig ist halt das Ganze (wie wir es auch versuchen) zeitgemäß und nicht zu altbacken rüber zu bringen. Der Thrash Metal hat ja leider bei vielen Leuten von vorneherein so einen ‚verstaubten’ Beigeschmack, obwohl der Sound sehr viele moderne Bands und Stile beeinflusst hat. Oftmals ist die Grenze zwischen Thrash, Death, Power oder Black Metal ja sehr schmal. Alleine der Sound eines Studios kann eine Band schon in einem ganz anderen Licht da stehen lassen.“

Ok .... am Ende sei dir noch ein wenig Platz für alle möglichen Anmerkungen und Schandtaten gewährt. „Leute - schaut einfach regelmäßig auf unsere Homepage, saugt euch die Soundfiles und kauft die CD, wenn ihr eine bodenständige Band unterstützen wollt, die euch noch eine Menge cooler Songs liefern wird. Ansonsten lasst euch keinen Müll erzählen und bleibt schön Metal.“ .... aber klar doch!!!

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Zu diesem Interview:

Autor:
Hansy

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