metal-district.de presents: TFF 2012

COPPELIUS

Fernschriftliches galvanisches Gespräch mit der Gruppe COPPELIUS

Interview von Floh Hessler und Janina Stein

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Meine Herren, wir freuen uns, dass Sie uns die Ehre erweisen ein paar unserer bescheidenen Fragen zu beantworten.

Le Comte Caspar: Natürlich, sehr gern! Nichts tun wir lieber als einem geneigten Journalisten wahrheitsgetreu und ausführlich zu berichten! Sitzen Sie bequem? Bastille - bringen Sie ein Glas Absinth!

Max Coppella: Nichts mißfällt mir so sehr, wie des Comtes anbiedernde falsche Freundlichkeit, achten Sie auf das Getränk, es dürfte nicht vom Besten sein!

Nobusama: Bleiben Sie mal ganz entspannt, Ihr Blutdruck steigt nur unnötig, was wiederum zu Haarausfall führt. Das wollen Sie doch wohl vermeiden... Nehmen Sie sich ein Beispiel an mir. Ich, der täglich acht Stunden meditiert, lässt sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Meinen Haaren tut das auch gut, die wachsen wie Bambus...

Nun, in diesen Tagen erscheint ja ein neuer Tonträger von ihnen, der den Namen „Tumult“ tragen soll. Sprechen Sie damit ihrer Musik einen tumultartigen Charakter zu, oder bezieht sich dieser Titel eventuell auf Ereignisse bei der Entstehung dieser silbernen Schellackscheibe?

M.C.: Der Tumult bezieht sich auf Beides, den Ärger den ich mit Coppelius immer habe und die Tumulte, die ich veranstalte, wenn ich mitgeteilt bekomme, wie sehr meine Werke verschandelt worden sind.

Bandfoto Coppelius

Bleiben wir gleich noch ein wenig bei dem neuen Werk. Es gibt da einige Dinge, die uns aufgefallen sind: So ist ja nicht nur der Name Ihrer Gruppe mit einer Romanfigur Ihres Freundes E.T.A. Hoffmann identisch, auf „Tumult“ finden sich, wenn wir das nicht fehlinterpretieren, ganze vier Stücke, die direkt Themen aus dem „Sandmann“ aufgreifen. Was fasziniert Sie so an dieser Erzählung?

M.C.: Ich verarbeite damit die Dinge, die mir in meinem langen Leben widerfahren und von denen ich gehört. E.T.A. Hoffmann hat das alles von mir entliehen!

Ihr Namensvetter Coppelius wird im Roman ja eher negativ dargestellt. In „Der Advokat“ stellen sie diese Sicht auf seinen Charakter am Ende des Liedes augenzwinkernd in Frage. Meinen Sie das eher ironisch, oder wollen Sie damit mit der schlechten Reputation aufräumen, die Ihr Name durch die schlechte Darstellung ihres Freundes Hoffmann bekommen hat?

M.C.: Noch immer ist Niemandem aufgefallen, daß das darauffolgende und dazugehörige Stück "Schöne Augen" direkt aus der Perspektive dieses schändlichen Charakters erzählt wird. Comte Caspar war meine direkte Inspiration dazu.
Nun kennt hoffentlich ein Jeder die Antwort auf die Frage nach dem Augenzwinkern.

In dem Stück „Die Glocke“ hingegen verwenden sie einen Text des Schriftstellers Theodor Fontane. Leider sind wir diesbezüglich jedoch weder in unserer zugegebenermaßen sehr bescheidenen Fontane-Sammlung noch in den Weiten des so genannten „Internet“ fündig geworden. Wären Sie gewillt, uns etwas auf die Sprünge zu helfen, wo genau sich das Werk bei Fontane finden lässt? Außerdem würde es uns auch sehr interessieren, was Sie zu der Wahl dieses Textes bewogen hat, wo sie sich doch üblicherweise eher an das Werk ihres alten Freundes E.T.A. Hoffmann halten?

M.C.: Der Text wurde mir aus einer Erzählung zugespielt, der Graf kann Ihnen dazu Näheres berichten. Ich gratuliere, auch hier sind Sie der 1. Befragende, dem dies aufgefallen ist.

Das bereits angesprochene Stück „Der Advokat“ hatte für uns beim Hören, vielleicht durch den in Teilen eher gesprochenen denn gesungenen Text, ein wenig den Charakter von etwas, das wir sagen wir einmal „Theatermusik“ nennen möchten. Nun haben sie ja wie gesagt auf der neuen Scheibe einige Lieder, die auf bestimmte literarische Werke Bezug nehmen oder diese direkt verwenden. Wäre es für sie denn auch interessant, einmal einen kompletten Roman, Gedichtzyklus oder ähnliches eines bestimmten Autoren zu vertonen, etwa als so genanntes „Konzeptalbum“, oder womöglich sogar in Form einer musikalisch-theatralischen Darbietung mit Unterstützung von Schauspielern?

M.C.: Das ist natürlich nicht ganz ausgeschlossen, aber; glauben Sie denn, daß man sich heutzutage noch dafür interessieren würde? Und ganz davon abgesehen, welches Theater würde sich denn bei des Comtes Größenwahns ein
finanzielles Massengrab schaufeln wollen?

Sie haben sich ja diesmal bei ihrem Werk auch die Unterstützung einiger weniger, doch recht illustrer Gastmusiker geholt. Kommen wir zunächst zu Herrn B. Deutung von den INCHTABOKATABLES: War eine eventuelle musikalische Seelenverwandtschaft mit dieser Gruppe - also ich denke da beispielsweise an sowohl englische wie auch deutsche Texte, Streichinstrumente, keine Gitarren – eventuell ein Grund für diese Zusammenarbeit beziehungsweise auch für die Auswahl des Stücks „Rightful King“?

M.C.: Nein, der eigentliche Grund für das Spielen dieses Stückes ist der Geburtstag unserer Marketenderin Kunigunde van Heller gewesen. Da diese Version bereits an sie verschenkt war, hatten alle schon befürchtet, daß es nun gänzlich in ihren Besitz übergegangen war und da auch bleibt. Sie hat sich jedoch nach einer Bittschrift bereit erklärt, mit allen dieses Lied zu teilen, nur deshalb durfte es auf der CD erscheinen.

Das Erscheinen von Frau Schmitt und Herrn Fish ist hingegen, so nehme ich an, den gemeinsamen Konzertreisen mit der Gruppe SUBWAY TO SALLY geschuldet?

LCC: Sehr wohl, wenn man so lang auf so engem Raum beieinanderhockt und sich im selben Badewasser den Rücken schrubben lässt, dann schweißt das zusammen! Wenn man dann beginnt, sich zu vermissen, kommen Gedanken wie
Gastspiele auf einem Album zustande.

M.C.: Nur wenige wissen, daß vor vielen Jahren bereits eine andere Version dieses Stückes Rightful king mit B.Deutung und Eric Fish aufgezeichnet wurde.

Wo wir gerade beim Thema sind: Sie haben ja einige der neuen Stücke schon im letzten Jahr bei Livedarbietungen dem Publikum vorgestellt. Wie waren zum Einen die Reaktionen darauf, beziehungsweise ist uns zu Ohren gekommen, dass Sie dem Publikum bei den neuen Stücken eine Art Applausverbot erteilt haben? Warum das? Und zum Anderen, planen Sie in diesem Jahr eine weitere Konzertreise um das neue Material noch mehr Menschen zu Gehör zu bringen?

Graf Lindorf: Bastille wollte vermeiden, daß den neuen Stücken überhaupt irgendeine Form der Wertung durch das Auditorium zuteil würde. Darum hat er sämtlichen Applaus untersagt.

LCC: Doch bei den Tumult-Konzertreisen, welche ab dem Frühjahr beginnen, wird Applaudieren wieder gestattet sein, das können Sie als versprochen nehmen!

Uns ist aufgefallen, dass auf „Tumult“ ein Stück zu finden ist, das musikalisch identisch mit dem Stück „Operation“ von ihrer letzten Schellack-Platte ist. Was hat sie dazu bewogen, diese „Komposition“ wiederzuverwenden? Sind Ihnen, werte Herren, da etwa die Ideen ausgegangen? Oder wollten Sie durch die Duplizität der Musik lediglich den ja in diese Richtung zielenden Text illustrieren?

LCC: Ja, Sie ahnen es bereits - es ist kein Zufall, daß in einem Stück mit geklauter Musik von einer geklauten Komposition die Rede ist. Doch ist die Musik keineswegs identisch - lassen Sie sich die feinen musikalischen Unterschiede beispielsweise der Klarinetten in den Ohren zergehen - es wurde nicht einfach plump gestohlen, sondern kaum merklich abgeändert - vor Gericht könnte man den Dieb kaum Dingfest machen!

G.L.: Stellen Sie sich einmal vor: Nicht jeder Journalist hat den kleinen Spaß verstanden.

Nun ist auf der neuen Scheibe ja auch zum wiederholten Male ein Lied der Gruppe IRON MAIDEN enthalten. Es wurde von Ihnen ja bereits in anderen Interviews erwähnt, dass vor allem Max Coppella ein großer Fan dieser Kapelle ist. Woher kommt diese Vorliebe für eine Formation, die mit galvanischen Gitarren arbeitet? Und gab es einen bestimmten Grund für die Auswahl des Stücks „Charlotte the Harlot“, das ja einer Dame des horizontalen Gewerbes gewidmet ist?

M.C.: Ich möchte gar nicht wissen, worum es in jenem Stück geht, es dürfte aber nun bekannt sein, daß wir jene noch sehr jungen Musiker unterstützen, damit sich ihre Bekanntheit steigern möge.

Vor einiger Zeit wurde auf einem Konzert der Zylinder des Grafen Lindorf entwendet. Wie konnte es eigentlich zu dieser schändlichen Tat kommen? Und hegen Sie noch Hoffnungen Ihr Eigentum eines Tages zurückzuerhalten, oder
sind sie bereits auf der Suche nach einem adäquaten Ersatz? Immerhin ist eine solche Kopfbedeckung doch ein nahezu unverzichtbarer Bestandteil angemessener Kleidung. Außerdem ist uns zu Ohren gekommen, dass der Diebstahl jenes Zylinders der Grund war, dass ihr Butler Bastille nun seine Haare kurz trägt. Wird er diese Haartracht nun für immer beibehalten?

GL: Sie treffen den Nagel auf den Kopf! Eine schändliche Tat! Wie konnte das passieren? Nun, wer würde damit rechnen, daß ein Gast eines Konzertes auch nur auf die Idee kommt, sich an Dingen, welche auf der Bühne herumliegen, zu bedienen? Ich kann sämtlichen Musikern nur raten, ihre Instrumente sofort nach dem Konzert von der Bühne zu nehmen, und auch ihre Noten nicht zu vergessen!

LCC: Wir hoffen, im Verlaufe der Tumult-Konzertreisen den Zylinder des aufgebrachten Grafen wiederzubekommen. So lang er diesen nicht zurück bekommen hat, wird er auch keinen anderen aufsetzen.

Bastille: Und so lang werde ich mir mein Haar auch nicht wachsen lassen! Nein! Das hat das Auditorium nun davon! Es möge Ihnen eine Lehre sein! Nicht wahr, Herr Nobusama. Sie schweigen ja die ganze Zeit und das mit geschlossenen Augen. Sagen Sie doch auch mal etwas.

Nobusama: Äh, ja. So eine Zwischdurchmeditation ist unschlagbar. Bastille, vergessen Sie nicht, von meinem Haar nachher Maß zu nehmen.Ich hab mir da etwas überlegt. Wenn Max Coppellas Zylinder abhanden kommen würde, dann müsste eigentlich eine Gegenreaktion, so wie bei Bastille, hervorgerufen werden, d.h. in seinem Fall allerdings, dass er seine Haare wachsen lassen müsste. Soweit darf es aber nicht kommen!

Meine Herren, wir bedanken uns für dieses Gespräch.

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Zu diesem Interview:

Autor:
redbeard

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Artikel eingestellt:
22.02.2009

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