
Die Morbiden Festspiele im East Club in Bischofswerda sind seit Jahren ein Garant für harte und außergewöhnliche Kost. Der Club an sich bietet mit seinen Sofas und all den kuschligen Ecken und Winkeln eine sehr gemütliche Athmosphäre. Das Bier (Radeberger und Krusovice) mundet ebenso und dies sind nur ein paar Gründe, warum es zu den persönlichen Highlights im Jahr zählt. Leider hatten die Veranstalter im Vorfeld ein paar Schwierigkeiten zu meistern, bereiteten ihnen doch EXHUMED mit ihrer Absage den Ärger mit der Suche nach einem würdigen Ersatz. Ausgewählt wurden die ostdeutschen Fun Grinder MANOS. Wer die Band bereits kennt, weiß, dass es nicht die schlechteste Wahl war.
Exhumed hin oder her – es gab mit PROFANATION, DEATH REALITY, SPAWN, DEAD, CRITERION und der Freakshow von CRAZY WHITE SEAN mehr Gründe nicht daheim zu bleiben und so fanden sich am Morbiden Samstag ein weiteres Mal einige Maniacs im East Club ein, um den Saal und im Laufe des Abends auch sich selbst recht ordentlich zu füllen. Morbid Cheffe Brauni kam uns auch schon beim Hinaufstaksen zum bunt-beschmierten Clubhaus entgegen, begrüßte uns und meinte, dass er 'die norwegischen Norweger vom Bahnhof abholen' müsse. Äh, ja...Criterion waren natürlich damit gemeint.
Los ging´s also mit den Görlitzern PROFANATION und jeder Menge Groove in Form von 'Delicacies Of Human Flesh' zum Warmtanzen, was nach anfänglichen Schwierigkeiten doch noch bei den bereits zahlreich eingetroffenen Fans funktionierte. Neben den Hits 'Autopsy', 'Blood Drenched Ground' und dem Titeltrack vom ersten Album „Dead Man Rotting“ gab´s vorwiegend neuere Kost, wobei auch das Ulcerous Phlegm-Cover 'Consequence' als eine von zwei heiß ersehnten Zugaben nicht fehlen durfte. Ehrlich gesagt, hatte nicht nur ich Angst, dass die nachfolgenden Bands gegen solch einen vehementen Auftritt das Nachsehen haben könnten. 
Doch die Jungs um ´Klein-Leif´ Jürgen Naumann, die Rede ist von DEATH REALITY, brachten ebenfalls ein tödliches Brett in Umlauf, das nach ein paar Songs aus ihrem bunt gemischten Programm auch zwei Mann auf die Bühne lockte, die sie als Posingbereich nutzten. Ob nun die (un)gewollte Zaubereinlage mit einer Zigarettenschachtel eines rotblonden Kurzhaarigen uns erstaunen lassen sollte, sei mal dahin gestellt – Jürgen packte sich den Herrn und so bangten beide gemeinschaftlich, woraufhin sich auch im Saal mehr tat.
Nach kurzer Umbaupause enterte das Berliner Todeskommando SPAWN die Bühne und legte sich von Beginn heftig ins Zeug. Obwohl Sänger Matze mit seinen Kollegen ein erstklassiges Old School Death Metal-Brett in die Kauleisten der Besucher knallte, hatten ein paar Testosteron-beeinflusste Gröhlbarden nur die durchaus verhandenen weiblichen Reize der Basserin im Auge. Janice ließ sich aber wenig davon beeindrucken und legte sich umso mehr ins Zeug, was man allerdings aufgrund des miesen Basssounds nicht hören, dafür aber sehen konnte. Spätestens beim kannibalisch-corpsigen 'Ammunition Of Malice' gab es vermehrt schüttelnde Matten zu erblicken, die zum Ende hin ebenfalls 'Flughafen' u.ä. brüllten.
Da die Nürnberger Grind-Veteranen DEAD nicht nach 23 Uhr spielen können (O-Ton Uwe (b)„Wir sind dann besoffen und können für nichts mehr garantieren!“), mussten sie also als Nächste ran. Bedauern tat dies wohl niemand der Besucher. Dafür gab´s aber eine weitere dreiviertel Stunde tanzbare Mucke, die das reformierte Trio dreckig und asozial wie eh und je runterrotze, als wären die letzten Jahre spurlos an ihnen vorbeigeschlittert. Nur an den studentenhaften Frisuren der Grind-Opas vermochte man erkennen, dass die letzte Zeit ihnen gar übel zugesetzt hat.
Nun sollten aber Braunis 'norwegische Norweger' ihren zweiten deutschen Gig absolvieren. In ihrer Heimat bringt man die Fans kontinuell zum Auswimpen, aber wie so oft auf deutschen Brettern, wurde erst nur beobachtet, anvisiert und zu lange über den richtigen Moment des Losbangens abgewartet. Dennoch agierte Fronter John vehement den herumstehenden Fleischsäulen entgegen. Als 'standhafte' Musiker erwiesen sich allerdings auch die Gitarristen, aber das kann man in Zukunft sicher noch verbessern – die Qualität der Mucke (fast) nicht, aber warten wir mal das nächste Album ab, das uns 2006 erwarten wird.
Wer ist jetzt eigentlich Headliner? MANOS oder CRAZY WHITE SEAN? Nun, die größere Sauerei macht aufjedenfall der in Amsterdam ansässige Ami mit Hang zur Selbstzerstörung, also begrüßten uns die Querfurter mit ihrem flockigen Fun Grind und säuigen Ost-Perlen wie 'Drehrumbum' und 'Hol mir 'ne Bockwurst', bei dem obligatorisch die plüschige Version des verlangten Mahls in die Menge geworfen wurde. Party pur also rund um die Uhr. Selbst WFF-Mitveranstalter Bogo schnappte sich im angeheiterten Zustand seine Holde und legte ein ein Tänzchen aufs Parkett. 'Das Letzte Lied' wurde zwar wegen der dringlichst geforderten Zugaben zweckentfremdet, aber wer kann das schon bei einem so geilen Cover von S.O.D.´s 'United Forces' übel nehmen? Die Anwesenden jedenfalls nicht und auch die kultigen Regent-Boxen brummten zufrieden dem Abschluß entgegen.
Ein Tisch, ein Stuhl und eine Kiste mit Utensilien. Mehr braucht CRAZY WHITE SEAN nicht für seine Freak-Show. Ok, das eine Schmerzmittelchen wird er davor auch genommen haben, aber das interessierte wohl nur die Wenigsten. Und die, die seine Show nicht mochten, machten sich auch schnell aus dem Staub. Der beachtliche Rest allerdings verfolgte seine schmerzhaften Darbietungen mit Nägeln nasal, wie anal, Spritzen in Brust, Backen und Stirn, einer Bowlingkugel an seinem Gemächt, der Einnahme des Eigenurins (soll ja angeblich gesund sein...) und anderer 'Kuriositäten' aus der sicken Welt, in der wir uns heut befinden. Sick, Sicker, Morbide. 
Am darauffolgenden Sonntag wählte ich traditionell nicht schwarz und so wurde es auch nichts mit dem Genuß solch live-erfahrener Bands wie MARDUK und MYSTIC CIRCLE. Who cares?
Der Morbide Samstag war wie so oft ein gelungenes Fest, aber nächstes Jahr sollte ein kultiges Festivalshirt wieder angeboten werden, das dieses Jahr aus Geldmangel nicht gedruckt werden konnte.
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