SAMAEL, GOTHMINISTER, SYBREED, AYIN ALEPH – Frankfurt a.M., Nachtleben - (15.04.2008)

Die Jungs von Sub-Kultur stellen mal wieder ein Konzert auf die Beine und angesichts des Billings wollen wir auch hin. Kurioser Weise wollte Frank unbedingt SYBREED sehen, meine Freundin hätte gerne mal GOTHMINISTER erlebt und ich wollte nach zwölf Jahren mal wieder SAMAEL meine Aufwartung machen. Soweit so gut, also nichts wie hin. Die Ausschweifungen über miese Tage und noch miesere Verkehrsverhältnisse spar ich mir heute mal, allein die Erinnerung lässt meine Stirn sich wieder in Falten legen. Auf jeden Fall kamen wir nicht ganz rechtzeitig für den Beginn von
 
AYIN ALEPH
 
die ohnehin etwas vorzeitig begonnen hatten. Gut, ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ich das so schlimm finden soll, denn umgehauen hat mich die doch sehr exotische Band, die soweit ich weiß irgendwo aus Russland stammt, nicht unbedingt. Vielleicht war mir die Mischung der Gruppe einfach zu wild, denn Einflüsse verschiedenster Stilistiken innerhalb des Metals, wie dem Black Metal, in Kombination mit einem ziemlichen Paradiesvogel von einer Sängerin, die relativ selbstbewusst wenn auch nicht unbedingt gekonnt versucht einen auf Diamanda Galás mit mehr Operette zu machen, stellt auch meine Vorliebe für Außergewöhnliches hart auf die Probe. Stellenweise hatte ich das Gefühl die Dame hat auch ein wenig zu oft in ihre DRESDEN DOLLS Alben gehört, um sich von deren Gesangsideen zu lösen. Verbindet man dies mit der Tatsache, dass sämtliche Songs auf dissonanten Harmonien beruhten, ergibt das zumindest für mich ein relativ schwer zugängliches Packet. Nicht, dass man ihnen technisch irgendwelche Vorwürfe machen könnte, die Band hat ziemlich solide aufgespielt, aber zumindest für mich war der Happen zu Groß zum schlucken...und das Kleid der Dame zu rot und glitzernd um länger als zehn Sekunden in ihre generelle Richtung zu blicken, der Abdruck ist immer noch auf meiner Netzhaut. Aber vielleicht passt Franks Kommentar noch am besten: „Wenn du nicht mehr verstehst was zum Teufel die Musiker da treiben, dann nennt man es wohl Avantgarde.“
 
Aber alles geht zu Ende und so wurde es denn endlich Zeit für den Umbau damit die ersten Schweizer des Abends zum Zuge kamen.
(Marco)
 
Nun, ein zwei kleinere Impressionen AYIN ALEPH möchte ich dann noch loswerden. Jede, aber auch wirklich jede mir bekannte Nase, die zur Tür hereingestiefelt kam, warf mir statt einer netten Begrüßung ein herzhaftes „was ist denn das für ein Scheiß?“ an den Kopf. Und so extravagant sich die Dame im roten Paillettenkleid auf der Bühne gab, so abgedreht muss es auch abseits der Bühne ablaufen. Laut Gitarrist Drop von SYBREED rennt die Dame mit ihrer relativ hübschen Maskenbildnerin ständig nackt im Backstage-Bereich und im Tourbus durch die Gegend. O-Ton: „they are totally crazy“.
 
SYBREED
 
Und da wären wir auch bei meinen momentanen Lieblingsschweizern. Die CDs habe ich im Web schon genügend abgefeiert. Jetzt galt es die hohe musikalische Meinung über die Konserven auch live-haftig zu bestätigen. Und das taten sie.
Mit einer Urgewalt fegten SYBREED durch das Nachtleben und kippten sämtliche Anwesenden direkt aus den Latschen. Das Kunststück bestand vor allem darin, dass bis auf höchstens 10 Leute keiner mit dem Material der Jungs vertraut ist. Und so brandeten schon nach zwei Songs wahre Begeisterungsstürme durch das spärlich besetzte Nachtleben.
Aber letztendlich wirklich überraschend war das dann auch nicht. Die Setlist war passend gewählt, keiner der Überkracher fehlte und wirklich schwache Songs sind im Bandrepertoire eh Mangelware.
Den zweiten Song „12 Megatons Gravity” könnte man quasi dann auch als Motto für den Auftritt der Mannen um  Sänger Ben und Mastermind Drop stehen lassen. Der Sound war fett und wuchtig, was aber natürlich nicht nur am Mixer lag, sondern vor allem auch am extrem tighten Zusammenspiel der Musiker. Am treffendsten war Marcos Kommentar nach drei Songs: „Die treten ganz schön Arsch“. Gut, Sänger Ben traf bei manchen Parts nicht immer exakt die Töne, aber das war ein kaum zu beachtender Fleck, auf der ansonsten blütenweißen Weste.
Mit dem Übersong „Bioactive“ beendete der Schweizer Vierer dann sein viel zu kurzes Set und hinterließ eine sichtlich begeisterte Menge. Da die Jungs sich auch im Gespräch nach dem Gig als sehr lässige, nette und allürenfreie Mitmenschen entpuppten, heißt die klare Devise: „Wiederkommen ist Pflicht!“
 
Tracklist
Emma-O
12 Megatons Gravity
Re-Evolution
Isolate
Ego Bypass Generator
Bioactive
 
(Frank)
 
Nach dem doch sehr beeindruckenden, aber viel zu kurzen Intermezzo mit den Cyber Metallern ging es dann in Runde drei der Veranstaltung, der hohe Norden kam zum Zuge, in Form der norwegischen Herren von
 
GOTHMINISTER
 
Dass die Jungs nicht unbedingt die Neuerfindung des Rades sind, dürfte den Meisten die sich mal mit deren Mucke auseinandergesetzt haben klar sein. Aber dennoch haben der GOTHMINISTER und sein Gefolge einen gewissen Unterhaltungswert. Die Erwartung allerdings, dass Live da mehr Dampf herauszuholen sei, angesichts der verschiedenen Elemente, die man von Acts wie PAIN, sehr häufig RAMMSTEIN, hier und da TYPE O NEGATIVE kennt, um mal die bekannteren Einflüsse zu nennen, stellte sich als unbegründet heraus. In Ermangelung eines leibhaftigen Bassisten fehlte es Hinten und Vorne einfach an Druck. Da half auch das theatrale Stageacting wenig, die einstudierten Posen des offensichtlich sehr narzisstischen Masterminds wirkten eben mehr gewollt als gekonnt, geschweige denn leidenschaftlich. Auch wenn der optische Auftritt sicherlich mit bedacht gewählt war, wirkte der stark geschminkte Haufen eher Albern als Eindrucksvoll, sogar meine Freundin zeigte sich überaus enttäuscht und kommentierte recht trocken „die sehen total albern aus und benehmen sich wie Mädchen“. Besser könnte ich es auch nicht formulieren. Sicher, das ein oder interessante Stück war dabei und der Umgang mit den eingesetzten Samples war soweit recht nett, aber insgesamt wirkte der Sound blutleerer als auf Konserve und zumindest für meine Begriffe darf das Live einfach nicht passieren. Dementsprechend wenig begeistert zeigte sich auch das Publikum, mal von der Sängerin AYIN ALEPHs abgesehen, was ein derber Schlag für das so aufmerksamkeitsbedürftige Ego des GOTHMINISTER-Chefs gewesen sein dürfte, als die Herren nach einer guten Stunde kaum beklatscht von der Bühne gingen.
(Marco)
 
Um es von meiner Seite aus kurz zu machen, ich hatte mich bisher nicht wirklich mit den Norwegern beschäftigt und das war auch gut so. Alles andere wäre vergebliche Zeitverschwendung gewesen. Die Band könnte sich auch in THIEFMINISTER umbenennen. Nicht ein Riff das nicht geklaut gewesen wäre. Dazu ist die Band in Sachen Songwriting und Lyrik so einfallsreich wie ein gewisser Hr. Bohlen aus Tötensen. Alles klingt gleichförmig und so beantragte man während der kompletten Spielzeit die kreative Insolvenz. Um es zum Abschluss zu bringen, diese Band, egal ob live oder auf Konserve, braucht kein Mensch.
(Frank)
 
Dann ging es an die wohl ausgedehnteste Umbaupause des Abends bevor es mit meinem Anreisegrund weiterging.
 
SAMAEL
 
betraten die Bühne. Hier mal ein kurzer Ausflug in die Vergangenheit, denn das letzte mal habe ich die Band zur Passage-Tour 1996 in der Offenbacher Hafenbahn gesehen, ein Abend an dem sie einfach alles niedermähten und ich es mit Mühe und Not und einigen Prellungen aus dem Pit herausschaffte.
Zurück in die Gegenwart, denn hier zeigte sich deutlich wegen wem die Leute eigentlich da waren, auf einmal wirkte es vor der Bühne doch deutlich voller und es kam das erste mal richtig Bewegung in die Meute als Vorph den Reigen mit „Solar Soul“ vom gleichnamigen aktuellen Album eröffnete. Hier kam es denn auch zur ersten Ernüchterung, denn so aufgestockt die Lightshow auch war und wie gut gelaunt Vorph sich beim musizieren gab, da fehlte es in jeder Hinsicht an Drive und Druck. Die Gitarren kaum wahrnehmbar, weil viel zu sehr in den Hintergrund der elektronischen Soundteppiche gemischt, einzig die Vocals stachen da heraus. Das lag aber offenbar nicht an einer versehentlich schlechten Einstellung, vielmehr sollte es wohl tatsächlich dieser etwas blutarme Soundbrei sein. Zugegebenermaßen stand ich sehr ungläubig an der Bühne und traute meinen Ohren kaum.
Songs, deren Gitarrenparts eigentlich dafür prädestiniert sind die Hirnrinde zu zermalmen, verpufften einfach am Bühnenrand. Wir begaben uns sogar verzweifelt an eine klangtechnisch optimalere Stelle im Raum um vielleicht Unterschiede auszumachen aber viel besser wurde es nicht. Meine Tiefpunkte waren dabei, als das absolut brillante „Rain“ von der „Passage“ angespielt wurde, ein Song mit einer herrlichen Mischung aus Elektronik, brachialen Gitarren und düsterer Stimmung, der sich aber ebenso Schwach zeigte, wie das zuvor gespielte Liedgut und als dann noch die ultimative SAMAEL Hymne „Baphomet’s Throne“ quasi ins Leere ging, war es für mich vorbei. Das lag nicht an den deutlichen Neuarrangements im Vergleich zur Urfassung, die waren noch recht einfallsreich, aber an der Tatsache, dass einfach jede Urgewalt fehlte. Sehr viel länger konnte ich mir das dann auch nicht geben, denn auch wenn die Menge ganz offensichtlich ihren Spaß hatte, mitsang, tanzte und die Haare kreisen ließ, mich ließ das ziemlich kalt. Vielleicht messe ich aber auch mit dem falschen Maß, in Erinnerung wie das mal ausgesehen hat. Wütend gefiel mir der gute Vorph einfach besser, auch wenn ich SAMAEL zumindest auf CD noch immer sehr gerne höre und sich das auch durch diesen Abend nicht geändert hat.
(Marco)

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Zu diesem Livebericht:

Autor:
ehemaliger Mitarbeiter

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19.04.2008

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