
Was sind heutzutage 10 Jahre wert? Kaum eine zwischenmenschliche Beziehung dauert heute noch 10 Jahre. Freundschaften (von Liebschaften möchte ich erst gar nicht anfangen) kommen und gehen. Karrieren im Scheinwerferlicht überdauern in diesen schnelllebigen Zeiten nicht mal mehr 12 Monate und wer arbeitet heute noch in exakt derselben Firma wie vor einer Dekade? Die Welt ist im Wandel und diesem mussten sich auch die Frankfurter Thrasher COURAGEOUS beugen. Man könnte noch weiter gehen und den 12.1.2008 im Frankfurter Nachtleben unter dem Motto „Entstehen und Vergehen“ stellen.
Mit den Aufnahmen zum Debüt „Listen“ begann die Zeitrechung des COURAGEOUS-Line Ups mit Gerd Lücking an der zweiten Gitarre. Eine Dekade später ist dieses Line up endgültig Geschichte und Gerd hängt seine Klampfe an den Nagel bzw. reicht die Kerze an eine jüngere Generation weiter [Das auch diese aus derselben Musik-Schmiede, äh Musik-Schmidt stammt, ist wohl Zufall. Oder auch nicht….-Anm. des Verf.].
Aber das die Band, von der Position des Bassisten mal abgesehen, überhaupt diese 10 Jahre Bestand hatte, ist mehr als beeindruckend und zeugt für ein überaus positives Miteinander. Und genau so geht man auch auseinander, aber nicht ohne den Kreis mit einer fetten Party zu schließen und den Abschied von Gerd genau wie den Startschuss von COURAGEOUS gebührend zu feiern.
Leider war das Zuschauerinteresse, ähnlich wie bei VICIOUS RUMORS am Vorabend, nur sehr begrenzt vorhanden. So blieb zwischen vielen bekannten Nasen (hier seien nur am Rande REBELLION-Gitarristin Simone Wenzel oder Promoter-Legende Ralph Graupner erwähnt) extrem viel Platz. Aber schwamm drüber, wie so oft ließen sich Sänger Chris und seine Jungs davon den Spaß nicht vermiesen. So gab es ein knapp zweistündiges Programm zu genießen, in dem so manch in Ehren ergraute Gassenhauer zu neuen musikalischen Ehren kamen. Klar, „Listen“ ist nach wie vor fester Bestandteil der Setlist, aber wer weiß denn noch, dass das wundervolle Instrumental „Mystic Highway“ zu den kompositorischen Glanzlichtern von Olli Lohmann gehört.
Klar war aber auch, dass man nur mit dem Debüt und dem üblichen Firlefanz kein zweistündiges Programm füllt und so gab es noch ein paar andere Schmankerl zu genießen. Einmal in Form von Songs der anderen drei Alben, aber auch einer extrem fetten, eigenständigen Version des VICIOUS RUMORS Klassikers „You Only Live Twice“, einem brandneuen Song, der auf mich nach einmaligem Hören aber erstmal keinen großen Eindruck machte (hier war auch schon der neue Bub an den sieben Saiten der Ibanez Universe zu bewundern) und natürlich durfte auch der langjährige Ex-Bassist Jürgen nicht fehlen und brummelte bei ein paar Songs seine typischen Läufe durch die Boxen.
Bei diesem gelungenen, schon fast historischen Gastauftritt blieb mir aber besonders der Dialog zwischen Chris und Jürgen im Gedächtnis.
Chris: „Hast du in den letzten Jahren eigentlich mal Bass gespielt?“
Jürgen: „Nein“.
Chris (mit leicht spöttischem Unterton): „Na, das sind ja beste Vorraussetzungen für heute Abend“.
Eine weitere wundervolle Szene war, als der in Sachen Soli nimmersatte Oli ein wundervolles ewig langes Solo spielte und spielte und spielte, mit wunderbaren Harmonien den Abschluss vorbereitete, den letzten Akkord hämmerte, auf Drummer Jan schaute und den Übergang zum Riff erwartete und….. nur ein spöttisches Grinsen erntete. Nach dem Motto „du wolltest mehr Takte, dann kriegst du mehr Takte“. Jedenfalls war das Gelächter groß und Oli nahm's mit Humor.
Den Abschluss bildete dann, wie immer eigentlich, die BEATLES-Coverversion von „Yellow Submarine“.
Abgesehen von den Zuschauerzahlen dürften alle mit dem Verlauf des Abends zufrieden gewesen sein. Das Debüt wurde würdig gefeiert und Gerd gebührend verabschiedet. Auf die nächsten 10.
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