
Bereits zum 16.ten Mal fand das Rock Harz Open Air statt. In diesem Jahr nur mit einem neuen Standort, da es im vergangenen Jahr zu erheblichen Problemen auf dem Campground gekommen ist. Ein weiterer Grund für die Verlegung sollte die Wettersituation sein, da sich der nordöstliche Harz dadurch auszeichnet, rund 50% weniger Niederschlag zu haben als der südwestliche. Leider war traditionell auch in diesem Jahr das Wetter alles andere als fantastisch. Donnerstag gab es den ganzen Tag Sonnenschein und man hatte das Gefühl, dieses Jahr wird es endlich besser. Leider verschlechterte sich das Wetter zunehmend und abgesehen von einigen kurzen Regenpausen schüttete es teilweise wie aus Eimern. Trotz Regen, 12 Grad und Windstärke 6 war die Stimmung sehr gut. Die Fans feierten ausgelassen und die Bands verbreiteten eine ansteckende Partystimmung.
Die Bands spielten auf zwei Bühnen, die praktischerweise direkt nebeneinander standen. Für die Fans war es eine gute Sache, da wie im letzten Jahr zwischen den Auftritten teilweise keine kurzen Pausen lagen.
Übersicht:
Donnerstag
Exit Inside – Element of Change – Fiddlers Green – Die Schröders – JBO
Freitag
Drone – Heidevolk – Nachtgeschrei – Heaven Shall Burn – Epica – Moonspell – Unheilig – Schandmaul
Samstag
Legenda Aurea – Lyfthrasyr – AOK – Megaherz – Tankard – Korpiklaani –
Grave Digger – W.A.S.P.
Donnerstag, 09. Juli 2009:
Eröffnet wurde das diesjährige Open Air von EXIT INSIDE. Leider hab ich diese Band verpasst, da das Gelände doch weitläufiger war als gedacht.
Los ging es dann mit ELEMENTS OF CHANGE. Die Clausthal-Zellerfelder feierten 2006 eine Reunion mit neuem Drummer und Keyboarder. Auf dem Rock Harz legten sie einen satten Start hin, doch das noch nicht ganz so zahlreich erschienene
Publikum schien noch zu schlafen und war recht zurückhaltend.
Weiter ging es dann mitf FIDDLER'S GREEN. Die Jungs boten 60 Minuten Folkrock und hatten offensichtlich auf der Bühne eine Menge Spaß. Die Fans haben ordentlich abgefeiert und bei einer „Wall of Folk“ rannten sie zu Klängen einer Gitarre aufeinander zu. War sehr nett anzusehen: die Band verkündete, dass es einen „Circle Pit“ nicht nur bei Metalbands gibt. Das Publikum wurde aufgefordert, einen „Folk Circle Pit“ zu bilden und dieses ließ sich nicht lange bitten. Plötzlich rannten die Fans ungehalten um die Soundtürme. Manch einem Besucher war schon bei dieser zweiten Band so heiß, dass er nur mit einer Deutschlandfahne, einer Burger-King-Krone und seinen Schuhen bekleidet umher lief. Ich kann diese Band wirklich jedem nur empfehlen, der sich auch nur im Entferntesten für Irish Folk interessiert.
Danach betraten zum weiteren Rumblödeln DIE SCHRÖDERS die Bühne. Die Punkrocker aus Bad Gandersheim holten sich kurzerhand jemanden aus dem Publikum, dieser hat dann zwei Songs auf der Gitarre mitgespielt. Eine sehr geile Idee, wie ich finde und der Außerwählte namens „Axel“ hat seine Sache sehr gut gemacht. RESPEKT. Hat sehr viel Spaß gemacht, die Band zu sehen. Schade nur, dass sie sich noch dieses Jahr trennen wollen. Bleibt abzuwarten, was daraus wird.
Kommen wir nun zum Headliner des ersten Festivaltages... J.B.O.. Die fränkischen Spaßrocker sorgten für jede Menge Stimmung und das Publikum ging gut ab. Ein wenig verdutzt guckten allerdings alle, als Vito das Publikum aufforderte, die Handys rauszuholen und sie zum Leuchten zu bringen. Das war ein sensationelles Bild und sein Kommentar hierzu: „Das ist Romantik 2.0“.

Freitag, 10. Juli 2009:
Am Freitag fand sich dann nach einer verdammt kurzen Nacht die Rezensentin erst wieder zu DRONE auf dem Festivalgelände ein. Moderner Thrash mit hammermäßigen Riffs. Die Band ist sehr modern ausgerichtet und man kann schon Vergleiche mit Machine Head anstellen. Für mich ein absoluter Top-Auftritt mit einer gelungenen Performance und jeder Menge Fun.
Mit Schwertern, Äxten und Schildern schlagend kamen HEIDEVOLK auf die Bühne. Die Niederländer zeichnen sich hauptsächlich durch zweistimmigen Männergesang aus, die Songtexte sind ausschließlich in niederländischer Sprache und handeln hauptsächlich von der Geschichte und Kultur Gelderlands sowie der germanischen Mythologie. Ich finde, wenn man die Augen schließt und der Musik lauscht, kann man die Schlachten vor den eigenen Augen sehen.

Weiter ging's mit NACHTGESCHREI. Die Hessen haben Anfang des Jahres ein neues Album rausgebracht. Inzwischen hatten sich so einige Fans vor der Bühne eingefunden, um die Frankfurter zu sehen. Meiner Meinung nach war der Gesang viel zu leise. Dennoch tat es der guten Stimmung absolut keinen Abbruch und die Fans grölten die Texte laut mit.
Für mich ging es dann auf der Rock Stage mit HEAVEN SHALL BURN weiter. Mit Knochenbrecher-Riffs und Kreissägenstimme begeisterte die Band auf dem Festival und ich glaube, für viele wurden die Thüringer zum absolut überraschenden Festivalhighlight.
Nach einer Pause von nur fünf Minuten ging es dann auch schon auf der Dark Stage mit EPICA weiter. Diese Band spielt eine Mischung aus bombastischer opernhafter Wucht und auf der anderen Seite hartem Metal. Leider konnte ich die Band nur einen Song lang sehen, da plötzlich ein wolkenbruchartiger Regen vom Himmel kam und meine Kamera dermaßen nass geworden ist, dass ich aus dem Fotograben musste, um sie erst mal einigermaßen trocknen zu können. Später bin ich dann noch mal vor die Bühne und habe noch mitbekommen, wie die Frontfrau Simone Simons sich mit den Worten „Viel Spaß noch mit dem Regen“ verabschiedete. Wie ich finde eine sehr unangebrachte Äußerung.
Gleich im Anschluss spielten die Portugiesen MOONSPELL. Sie präsentierten ordentlich verpackten Düsterrock. Das merkte man leider auch an der Beleuchtung: für die Show passend, aber für die Fotografen ist die rote Beleuchtung „ein rotes Tuch“. Die Jungs legten einen ordentlichen Gig hin und das Publikum hat ordentlich gefeiert.
Auf der Dark Stage ging es schließlich weiter mit UNHEILIG. Es wurden jede Menge Kerzen aufgestellt und auch die dunkle Beleuchtung ließ darauf schließen, dass der Auftritt wohl eher ruhiger werden wird. Genau das Gegenteil passierte. Der Graf betrat die Bühne und wirbelte von einer Seite zur anderen. Ein sehr gewaltiger Auftritt wurde geboten und die Fans konnten sich kaum halten. Schön mit anzusehen war, als der Graf „An Deiner Seite“ sang und das Publikum plötzlich ruhig wurde und Feuerzeuge aufleuchteten. Diesen Song schrieb er für seinen verstorbenen Freund.
Den Abschluss des zweiten Festivaltages bildete die deutschsprachige Mittelalter-Folk-Rock-Band SCHANDMAUL aus dem Münchener Umland. Die Band verwendet neben den klassischen auch verschiedene Instrumente der mittelalterlichen Musik wie Schalmei, Drehleier und Dudelsack. Das Publikum feierte die letzte Band und so fand auch dieser zweite Festivaltag einen würdigen Abschluss.
Samstag, 11. Juli 2009:
Mit LEGENDA AUREA ging es für mich nun am letzten Tag weiter. Ziemlich enttäuschend war, dass die Frontfrau Simone Christinat die gesamte Zeit auf den Boden schaute. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass sie die Songtexte nicht kennt und diese vom Boden ablas. Für mich ein nicht wirklich guter Auftritt und das Publikum hat sich auch sehr verhalten gezeigt.
Ein wenig abwechslungsreicher und vor allem sehr viel härter präsentierte sich die Band LYFTHRASYR. Die Band wurde 2002 gegründet und nach einer Person aus der nordischen Mythologie benannt, die Ragnarök (den Weltuntergang) überlebt hat. Die Karlsruher legten einen satten Auftritt hin und das Publikum war doch sehr überrascht über die Black-Metal-Band mit Machine Head-artigen Gitarren und Elektro-Elementen.
Die nächste Band auf der Rock Stage war A.O.K.. Diese Truppe ist absolute Geschmacksache. Ich persönlich finde die Herren etwas geschmacklos, aber offensichtlich hatte das Publikum eine Menge Spaß. Dennoch führt es zu weit, wenn der Sänger unten rum mit einer abgeschnittenen Netzstrumpfhose die Bühne betritt. Denn diese sind bekanntlich ja sehr durchsichtig, vor allem wenn darunter keine Unterhose getragen wird. Ebenso war das auch musikalisch keine Höchstleistung.
Weiter geht’s nun auf der Dark Stage mit den Münchnern MEGAHERZ. Der Name entstand durch die amerikanische Band Megadeth und den Wildecker Herzbuben. Ich finde, dass sie eher nach der deutschen Version von den Deathstars klingen. Ein sehr gelungener Auftritt mit einer unverkennbaren Stimme. Das Publikum ging gut mit und feierte ordentlich.
Ohne Pause gab es dann wieder einen Schwenk auf die Rock Stage, TANKARD. Im übrigen hat sich die Band nach einem Bierkrug benannt... Tankard bedeuten Spaß und super Stimmung. Die Thrasher tun alles für ihr Party-Image, obwohl sie zwischendurch auch ernste Texte einstreuen.
Nach einer fünfminütigen Verschnaufpause ging es auf der Dark Stage mit KORPIKLAANI weiter. Leider wurde das Publikum kaum mit einbezogen, aber dennoch war die Stimmung hervorragend.
Ein weiteres absolutes Highlight des Festivals waren GRAVE DIGGER. Frontmann Chris Boltendahl weiß dank jahrelanger Bühnenerfahrung ganz genau, wie man das Publikum von Anfang an packt und mitreißt. Meiner Meinung nach war der Gesang eher etwas enttäuschend, dennoch feierten die Fans und hatten jede Menge Spaß.
Kommen wir nun zu ASP. Eröffnet wurde der Gig von Pyros und aufwendigen Lichteffekten, die auf die Show perfekt abgestimmt waren. ASP repräsentierte die perfekte Mischung aus Gothictexten und Elektromusik. Es ist zu merken, dass der Künstler gewillt ist, alles zu geben, dennoch muss ich sagen, dass die Stimmung nicht übergekocht ist. Das Publikum war doch sehr zurückhaltend.

Den Abschluss des Festivals bildeten dann die aus Kalifornien stammenden W.A.S.P. Schon beim Intro stieg die Stimmung und das Publikum war kaum noch zu halten. Plötzlich stürmte die Band auf die Bühne und völlig überraschend war, wie die Kalifornier über die Bühne gewirbelt sind. Gespielt wurden Klassiker wie „Wild Child“, „I wanna be Somebody“, „The Idol“ und „Love Machine“. Zudem kündigte Blacky ein neues Album im Oktober und eine Welttournee an. Von allen Seiten konnte man hören, wie das Publikum ausgeflippt ist und die Texte laut mitsang. Leider gab es keine Zugabe, nur eine Verabschiedung mit „Good Night“.
Mein Fazit für das Rock Harz 2009: Alles in allem ein gelungenes Festival. So konnte man schon einige deutliche Veränderungen in der Organisation erkennen. Die Parkplatzsituation war besser, der Altersdurchschnitt höher, es waren wesentlich mehr Dixis vorhanden und die Ordner waren ebenfalls sehr viel freundlicher als im letzten Jahr. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf 2010, wenn der Harz wieder gerockt wird.
Abschließend bleibt mir noch ein ganz großes Dankeschön an Wiebke Hörmann ( www.myspace.com/fimbulthul ) auszusprechen, die mir mit ein paar Bildern ausgeholfen hat.
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